Bürger schreiben das Treiben auf dem Straßenstrich auf

Wo, wann, mit wem: Das soll das Formular dokumentieren.Foto:Christina Finke
Wo, wann, mit wem: Das soll das Formular dokumentieren.Foto:Christina Finke
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Anwohner können Sex-Geschäfte auf dem Straßenstrich in Duisburg-Ehingen in ein Formular eintragen. Hoffnung auf einen Sperrbezirk.

Ehingen..  Auf dem Ehinger Straßenstrich schauen Passanten seit diesem Monat genau hin: Um das Treiben der Prostituierten einzuschränken, steht zurzeit eine Beobachtungsphase an. Die Anwohner sollen dokumentieren, was sie sehen. Ihre Unterlagen gehen später an die Stadt, von dort zur Bezirksregierung. Das Ziel: einem Sperrbezirk den Weg zu ebnen. Dann wäre Prostitution entlang der Mannesmannstraße verboten.

„Jeder Ehinger sollte das ausfüllen“, findet Heiner Lambertz, Vorsitzender des Bürgervereins Ehingen. Das, das ist ein Formular: Ort und Uhrzeit des Geschäfts mit dem Sex sollen darauf notiert werden, Zeugen müssen ihren Namen und ihre Adresse angeben. Das Vorgehen soll dazu dienen, „die Anzahl der Auffälligkeiten zu notieren“, erklärt Lambertz.

Beweise sammeln

Das soll als Argument gegenüber der Bezirksregierung dienen. „Erst wenn man da beweisen kann, wie häufig das ist, gibt’s die Möglichkeit, einen Sperrbezirk einzurichten.“ Stadtsprecherin Susanne Stölting ergänzt: „Explizite formale Kriterien zur Einrichtung eines Sperrbezirkes gibt es nicht.“

Die Idee zur Dokumentation stammt vom Ordnungsamt und kam unter anderem während eines Gesprächs zwischen Bürgervereinen und Rechtsdezernentin Dr. Daniela Lesmeister auf den Tisch. Anfang März hatte sie das Vorgehen für die nächsten Wochen angekündigt und hielt Wort: Seit gut zwei Wochen liegt Lambertz die Datei vor. „Es ist ein Versuch“, schätzt er die Erfolgsaussichten ein. „Im Verhältnis zu der Belästigung, die wir hier haben, ist es eine Kleinigkeit, das zu dokumentieren.“

Viele Prostituierte sind „heruntergekommen und jung“

Wie lange die Dokumentationsphase dauert, steht noch nicht fest. „Wir machen das jetzt kontinuierlich, bis jemand vom Ordnungsamt sagt, sie wollen unsere Papiere haben“, kündigt der Vorsitzende des Bürgervereins an. Laut Stölting will die Stadt „bis zum Sommer Bilanz ziehen“. Anhand der Datenlage entscheidet die Verwaltung dann, ob sie es für sinnvoll hält, tatsächlich einen Sperrbezirk zu beantragen.

Genug Zeit also für Beobachtungen bei besserem Wetter als jüngst. Trotz Kälte und Regen hat Lambertz auch in den letzten Wochen Erlebnisse geschildert bekommen, die er nicht wiedergeben möchte. Eine Beobachtung macht ihm besonders Sorgen: Viele Prostituierte seien „heruntergekommen und jung“, so jung, dass er sie teilweise zwischen Kind und Teenager einsortiert. „Das scheint ein Billigstrich zu werden“, fürchtet er.

Bürgervereine planen offenen Brief

Über die derzeitige Dokumentation hinaus ist schon der nächste Schritt geplant: Die Bürgervereine Ehingen, Hüttenheim, Mündelheim und Serm sowie die Interessengemeinschaft Ehingen wollen sich in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister wenden. Un­terzeichnen werden auch die evangelische und katholische Gemeinde sowie einer der Geschäftsführer von HKM. Auch dieser Brief soll einen Sperrbezirk erwirken. Per Dokumentation oder Brief, Lambertz hofft auf Erfolg. Und wenn der ausbleibt? „Dann müssen wir andere Wege probieren. Wir geben nicht auf.“