Buchholzer erstellt seinen eigenen Wetterbericht

Norbert Michels teilt seine Vorhersagen mit allen, die sie interessieren: zum Beispiel in einem Schaukasten an der Semmeringstraße.Fotos:Lars Fröhlich
Norbert Michels teilt seine Vorhersagen mit allen, die sie interessieren: zum Beispiel in einem Schaukasten an der Semmeringstraße.Fotos:Lars Fröhlich
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Was wir bereits wissen
Ob’s regnet oder die Sonne scheint, sagt Norbert Michels sich selbst voraus. Seine Wetterstation liefert Daten unter anderem an Jörg Kachelmann.

Buchholz..  Den Wetterbericht im Radio hört Norbert Michels nur zum Vergleich. Der Buchholzer sagt sich selbst Regen oder Sonnenschein voraus: Seit 15 Jahren betreibt er eine private Wetterstation. Sie steht im Garten seiner Eltern, nur wenige hundert Meter von seiner eigenen Wohnung entfernt. Und liefert ihm wesentlich präzisere Vorhersagen über das Wetter vor Ort als die oft zitierte Station am Kahlen Asten. Bis zu 1500 Menschen pro Monat verlassen sich auf seine Prognosen: Sie besuchen eine seiner Internetseiten.

Wer weder dort noch in den Schaukasten vor dem Haus an der Semmeringstraße 20 schaut, profitiert trotzdem von der Leidenschaft des Hobby-Meteorologen: „Kachelmann und Wetter.com kriegen von mir Daten“, sagt Michels. Er selbst wertet seine Angaben über Temperatur oder Windstärke mittels Software aus. Der Computer macht aber nicht die ganze Vorhersage-Arbeit, der Mensch korrigiert: zum Beispiel, wenn sich ein Tiefdruckgebiet nähert, das die Sensoren noch nicht erfassen können.

Temperatur, Windstärke, Sonneneinstrahlung, UV-Licht – der Garten mit der Wetterstation gleicht einem kleinen Freiluftlabor. „Man misst die Temperatur in zwei Meter Höhe, Windstärke in zehn Meter, Bodentemperatur in zwei bis fünf Zentimetern“, erläutert Michels die Vorgaben des Deutschen Wetterdienstes. Bei der Temperatur hält er das ein, den Wind misst er allerdings ein paar Meter tiefer, die Bodentemperatur schließt der Frührentner als nächstes mit in sein Hobby ein. Darüber hinaus erfasst er auch Sonneneinstrahlung und UV-Licht: So kann Michels jederzeit beurteilen, ob sich eine Solaranlage gerade lohnt – oder welchen Lichtschutzfaktor er fürs Sonnenbad auftragen sollte.

Blitz und Donner weckten die Leidenschafts fürs Wetter

Seine Leidenschaft fürs Wetter entfachten in Michels Kindheit Blitz und Donner: „Mit fünf, sechs Jahren, wenn Gewitter war und alle sich verkrochen haben, sind meine Mutter und ich auf den Dachboden gegangen und haben zugeguckt“, erinnert er sich. Nicht jeder hat Verständnis für das teure Hobby: „Ich hab’ Bekannte, die sagen: ,Ich guck’ morgens aus dem Fenster und weiß auch, wie das Wetter ist’“, erzählt er.

Michels aber möchte seine eigene Wettervorhersage nicht missen. Ob die Grillparty im Garten ins Wasser fällt oder nicht, steht für den Buchholzer rechtzeitig vorm Fleischkauf fest. Wobei er für andere Stadtteile, womöglich jenseits von Rhein oder Ruhr, nicht die Hand ins Feuer legen würde: „Sie können in Wanheimerort starken Regen haben, und hier ist es trocken.

Drei Tage weit, sagt er, können Wetterfrösche zuverlässig in die Zukunft blicken. Auf eine Prognose für den Sommer will er sich logischerweise nicht einlassen. „Das wäre Kristallkugel.“