Blacky, der Türöffner
09.09.2011 | 18:30 Uhr 2011-09-09T18:30:10+0200
Großenbaum.Im Seniorenzentrum Großenbaum ist Blacky bekannt wie ein bunter Hund. Der Border Collie begleitet seit acht Jahren Astrid Neumann-Fork zur Arbeit im Altenheim, Zu den Wiesen 62, und bereichert das Leben der Bewohner dort.
Blacky ist eine Seele von Hund: freundlich, zutraulich und sanft. Ein wahrer Herzensbrecher, der es wie kein anderer schafft, den Alten ein Lächeln zu entlocken. Sogar den dementen Bewohnern. „Ein Tier kann in den Menschen etwas auslösen“, weiß Britta Tüffers-Schrey, Mitarbeiterin des Seniorenheims und ehrenamtlich als Leiterin der Duisburger Gruppe „Tiere helfen Menschen“ unterwegs. Diese Gruppe vermittelt Besuchshunde an Altenpflegeeinrichtungen und andere soziale Einrichtungen.
„Ja, Blacky komm’ doch mal her!“ Der zwölfjährige Rüde lässt sich nicht lange bitten und läuft schwanzwedelnd auf Maria Franzke zu. Die Rollstuhlfahrerin streckt ihm die Hände entgegen, der Hund lässt sich bereitwillig kraulen. Die anderen Bewohner drumherum sehen aufmerksam zu. Diejenigen, die noch aktiv sind, versuchen Blacky ihrerseits zu locken.
Die Stimmung hat sich innerhalb einer Minute verändert. Bevor Blacky auf der Bildfläche erschien, saßen die Alten schweigend in ihren (Roll-)stühlen. Plötzlich ist Leben im Raum. Die Menschen reagieren auf den Hund, sind auf einmal viel wacher.
„Das Tier akzeptiert den Menschen ohne Wenn und Aber. Egal ob jung und ansehnlich oder alt und faltig. Das gibt den Leuten mehr Selbstwertgefühl “. Schwester Astrid, die Hundehalterin, hat schon oft beobachtet, wie manche Bewohner regelrecht aufblühen, wenn ihnen der Hund zu verstehen gibt, dass ihm die Streicheleinheiten gut bekommen.
Viele Senioren sehnen sich nach Berührung, die ihnen von Menschen nur noch selten zuteil werden. Ein warmes Fell, ein treuer Hundeblick kann ein Stück Ersatz dafür sein.
Oft wecken Hunde auch Erinnerungen an die eigenen Tiere, so wie bei Hannelore Reichel. Sie ist auf einem Bauernhof in Pommern mit vielen Tieren aufgewachsen. Jetzt ist sie alt und bettlägerig. Blacky genießt das Privileg, auf ihr Bett zu springen - ganz vorsichtig und mit einer dicken Unterlage über dem Bettzeug. Die alte Dame lächelt seelig, spricht das Tier an, tätschelt seinen Kopf. Angst gebissen zu werden, hat sie nicht. „Blacky beißt nicht“, sagt Hannelore Reichel voller Überzeugung.
Es ist in der Tat nicht vorstellbar, dass der friedliche Hund zuschnappt. Nur solche Tiere, die nicht beißen oder ständig laut bellen, kommen als Besuchshunde in Alteneinrichtungen in Frage. „Wir gucken uns die Tiere erst mal vorher an und gehen mit den Besitzern spazieren“, so Britta Tüffers-Schrey von „Tiere helfen Menschen“. Der Kandidat muss es sich gefallen lassen, dass man ihm den Kopf tätschelt - „etwas, dass manche Hunde gar nicht mögen“. Und er muss den „Leckerchen-Test“ bestehen. Denn einige Bewohner verwöhnen Besuchshunde wie Blacky gerne mit Trockenfutter. Und dabei darf das Tier die Breckies den älteren Herrschaften nicht ungestüm aus der Hand reißen.
Blacky bewegt sich frei im Wohnbereich 1, hausintern „Blacky-Station“ genannt. Sie ist sein zweites Zuhause. Er weiß genau, wo er Leckerbissen ergattern und in welchem Zimmer er sich zum Mittagsschlaf zurückziehen kann. Die Bewohner ihrerseits sind stolz, dass Blacky sich ihnen anvertraut.
Genauso akzeptiert der Border Collie, eine Mischung aus Collie und Windhund, dass er bei den Mahlzeiten nichts zu suchen hat und ebenso wenig dann, wenn offene Wunden versorgt werden.
Wenn Blacky - wie neulich - wegen einer Magenverstimmung mal ein paar Tage zuhause bleiben muss, wird er sehnlichst vermisst. „Wo ist denn Blacky?“ lautete dann die Frage des Tages.
Schwester Astrid: „Ein Zeichen, dass der Hund den Menschen gut tut. Denn sie interessieren sich auf einmal für ein anderes Wesen, nehmen Anteil.“
Info: Besuchstiere gesucht
Der Verein „Tiere helfen Menschen“ sucht nach wie vor Menschen mit Hunden oder Kleintieren wie Kaninchen, die regelmäßig Menschen in Altenheimen besuchen. Es sollten mindestens zwei Besuche im Monat möglich sein, jeweils circa eine Stunde lang. Britta Tüffers-Schrey versucht, die Tiere wohnortnah zu vermitteln. Die Vierbeiner müssen gesund und geimpft sein. Bei den ersten Einsätzen begleitet ein erfahrener Betreuer von „Tiere helfen Menschen“ die Neulinge. Es kommen diejenigen Altenheime in den Genuss eines Besuchshundes, die jährlich 150 Euro in die Vereinskasse zahlen. Kontakt: Britta Tüffers-Schrey, 76 62 91.
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