Bezirksbürgermeister gerät unter Druck

Das Kinderdorf an der Rotdornstraße. Hier sollen Erzieher Jungen vor Jahren misshandelt haben.
Das Kinderdorf an der Rotdornstraße. Hier sollen Erzieher Jungen vor Jahren misshandelt haben.
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Was wir bereits wissen
Seine beiden Stellvertreter distanzieren sich und sehen eine Vorverurteilung

Großenbaum..  Die Affäre um angebliche Misshandlungen im Kinderdorf an der Rotdornstraße hat jetzt ein politisches Nachspiel. Bezirksbürgermeister Volker Haasper (SPD) hatte aus Empörung über die Vorfälle seine Mitgliedschaft im Förderverein des Kinderdorfs ruhen lassen. In der Sitzung der Bezirksvertretung Süd gingen seine beiden Stellvertreter auf Distanz zu ihm.

„Es handelt sich um einen acht Jahre alten Vorgang, der noch nicht aufgeklärt ist“, betonte CDU-Sprecher Manfred Helten. Da sei es sehr problematisch, schon mit einer Wertung an die Öffentlichkeit zu gehen.

Beide Seiten schützen

Haasper, von Beruf selbst Sozialpädagoge, hatte dieser Zeitung erklärt, er halte die Vorwürfe des ehemaligen Bewohners für glaubwürdig. In einem Offenen Brief an Jugenddezernent Thomas Krützberg hatte er dem Kinderdorf zudem einen „Vertuschungsversuch“ vorgeworfen.

„Ich persönlich habe ein anderes Verständnis“, erklärte Manfred Helten, der auch erster Stellvertreter Haas­pers ist. Bei dem hoch sensiblen Thema hätte Haasper zunächst mit dem Kinderdorf reden müssen. Beide Seiten hätten geschützt werden müssen, der junge Mann, von dem die Vorwürfe stammen, aber auch das Kinderdorf. Denn die Einrichtung gerate so unter Pauschalverdacht. „Da gab es diskretere Wege als den Gang an die Presse.“ Haasper mache sich auch unnötig politisch angreifbar, sich damit profilieren zu wollen.

Der Schutz der Kinder habe Vorrang

Der Bezirksbürgermeister rechtfertigte sich, er habe mit seinem Schritt die Aufklärung der Vorwürfe forcieren wollen. Dass auch die Täter gehört werden müssten, sei für ihn selbstverständlich. Aber der Schutz der dortigen Kinder habe absoluten Vorrang.

Auch Haaspers zweiter Stellvertreter, Dr. Sebastian Ritter (Grüne), ging auf Distanz. „Ich habe mich nicht gut informiert gefühlt“, beklagte er. Es gebe Mitarbeiter der Einrichtung, die nicht betroffen seien. Die müssten sich jetzt auch alle rechtfertigen, gab er zu bedenken.

18-Jähriger erstattete Strafanzeige

Ein heute 18-Jähriger hat Strafanzeige erstattet. Er hat behauptet, von drei Erziehern in den Jahren 2004 bis 2007 schwer drangsaliert worden zu sein. So sei er zur Strafe in Kleidern unter die kalte Dusche gestellt worden und habe auf dem Boden schlafen müssen. Oder es habe nur Brot zu essen gegeben. Der junge Mann hatte sich Volker Haasper anvertraut, den er über die SPD kennt. Laut Kinderdorf hat der junge Mann sich aber nur über Strafen wie Gartenarbeit beklagt. Zwei Mitarbeiter seien abgemahnt worden.