Betten aus Duisburg-Buchholz helfen in Afrika

Melanie Karim, Gilbert Debalois und BGU-Pflegedienstleiter Ernst Heide freuen sich, helfen zu können.
Melanie Karim, Gilbert Debalois und BGU-Pflegedienstleiter Ernst Heide freuen sich, helfen zu können.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
20 Krankenhausbetten werden aus Duisburg-Buchholz in ein Dorf in Kamerun verschifft. Bisher liegen die Patienten dort auf schimmeligen Matratzen.

Buchholz..  In Deutschland beschweren sich Krankenhaus-Patienten schon mal über ein Einzelzimmer, das mit zwei Betten belegt ist, oder über eine zu harte beziehungsweise zu weiche Matratze. In Kamerun liegt mancher Patient auf einer schimmeligen Matratze auf dem nackten Boden. Über sich keine Raufasertapete, sondern den Himmel. Als ihr Freund Bilder dieser Zustände aus Kamerun mitbrachte, war für die Duisburgerin Melanie Karim sofort klar: „Da telefoniere ich rum. Da fehlt ja alles.“ Einige Wochen später ist aus dem spontanen Willen zur Hilfe eine greifbare Sammlung geworden von Krankenhausbetten, OP-Lampen, Verbandsmaterial.

Den Großteil gespendet hat die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Buchholz (BGU). Im früheren Bewegungsbad warten mehr als 20 Betten, zwei OP-Lampen und eine Massageliege. Aussortiert, weil sie die aktuellen Normen nicht mehr erfüllen.

Einen Kontinent weiter fragt niemand nach Normen. Dort ist den Kranken schon geholfen, „wenn sie ordentlich liegen können, auf einem hygienischen Untergrund“. Operiert wird im Licht einer Glühbirne – noch. Ernst Heide, Pflegedienstleiter der BGU, hat die Bilder von Debalois auch gesehen. „Da wird man so klein“, sagt er und hält Daumen und Zeigefinger ein Stückchen auseinander.

6000 Euro Gesamtkosten

Karim hat mit der Spende der BGU ehrgeizige Pläne: „Ich stelle mir vor, dort eine ganze Station einzurichten.“ Dort, das ist das Dorf Banounga und die Stadt Tonga. Karims Freund Gilbert Debalois, gebürtig aus Kamerun, war zuletzt Ende des vergangenen Jahres da. Was er sah, dafür fehlen dem Essener Pharmaingenieur die Worte. „Das ist katastrophal“, sagt er. „Es geht immer nur abwärts.“

Aufwärts soll es von nun an gehen. Spenden eines Altenheims lagern in Kiel, am Freitag wollen Karim und Debalois mit einem Transporter in den Norden fahren und Toilettenstühle, Windeln, Verbandsmaterial abholen. „Das lagen wir bei mir im Keller“, erzählt Karim.

Um aus dem BGU-Bewegungsbad und dem privaten Keller nach Kamerun zu kommen, müssen die Organisatoren einen Schifftransport buchen. Und einen Container kaufen. Um alles zu verladen, werden die Helfer außerdem selbst Helfer brauchen. Alles in allem rechnen sie mit Gesamtkosten von 5000 bis 6000 Euro. Für diese Summe bekämen sie, müssten sie sie neu kaufen, drei bis vier Krankenhausbetten, wie die BGU sie gebraucht gespendet hat. „Wir haben privat Geld gesammelt“, sagt Karim, jetzt hoffen die beiden auf Spenden.

Rund vier Wochen dauert die Schiffsreise. Läuft der Container in den Hafen ein, beginnt für Karim und Debalois die nächste Phase der Hilfsaktion. In Deutschland arbeitet Karim als Krankenschwester bei einem Pflegedienst, in Afrika will sie ihr Wissen weitergeben. „Wir wollen im Sommer hin fliegen.“