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Azubi-Casting via Internet

21.01.2010 | 11:12 Uhr

Die IKK Nordrhein startet eine Kampagne für Schulabgänger. Die Schüler der Schule im Angerbogen war begeistert.

Nina Müller hat einen ungewöhnlichen Berufswunsch. Sie möchte Tischlerin werden. Die 16-Jährige hat sich schon bei verschiedenen Tischlereien vorgestellt, bisher aber leider ohne Erfolg. „Viele haben gesagt, dass sie keine Frauentoilette haben”, erzählt die Schülerin.Nina Müller geht in die zehnte Klasse der Hauptschule „Schule im Angerbogen”. Die Schulzeit endet für sie und ihre 44 Mitschüler zwar erst im Sommer, der Kampf um die wenigen, begehrten Ausbildungsplätze hat aber bereits begonnen. „Die Hauptschüler haben es bei der Stellenbewerbung besonders schwer. 60 bis70%bekommen keinen Ausbildungsplatz”, meint Hauptschullehrerin Beate Rurka.

Dass es Schüler mit einem niedrigen Schulabschluss auf dem Ausbildungsmarkt schwer haben, hat auch die Innungskrankenkasse Nordrhein (IKK) erkannt und die Kampagne „Azubi-Castings” gestartet. Gestern besuchten „Schulbotschafter” die Schule imAngerbogen und stellten die Kampagne vor: 30 Handwerksunternehmen bieten motivierten Schulabgängern einen Ausbildungsplatz an. Das Auswahlverfahren findet im Internet statt. Auf der Homepage www.ikk-azubicasting. de müssen die Schüler an einem Online-Casting teilnehmen: ein 15-minütiger Test mit Fragen aus den Bereichen Mathe, Deutsch und Logik. Wenn diese erste Hürde genommen ist, erhält man eine Einladung zum Recall. Wer nun an „Deutschland sucht den Superstar” denkt, ist aber auf dem Holzweg. Die Bewerber müssen nicht singen, sondern soziale Fähigkeiten wie Teamfähigkeit oder Hilfsbereitschaft unter Beweis stellen, so „Schulbotschafterin” Doro Schostok. Wer die Auswahlkommission im Recall überzeugt hat, kommt ins Finale.

90 Jugendliche werden im Sommer 2010 zu einem Assessment- Center eingeladen. Die 30 Besten bekommen einen Ausbildungsplatz. Die Ungelsheimer Hauptschüler sind von dem Projekt begeistert. „Ich finde es toll, dass man sein Zeugnis nicht sofort zeigen muss. Die gucken erstmal auf den Menschen”, meint Melanie Holz. Die 16- Jährige hat sich für eine Ausbildung in der Alten- und Krankenpflege beworben. Sie hat auch schon eine Zusage. Damit ist sie aber eher ein Einzelfall. „300 Bewerber für einen Ausbildungsplatz sind bei den großen Unternehmen die Regel”, erklärt die Eventmoderatorin. Doro Schostok schätzt, dass 800 bis 1000 Schüler an den „Azubi-Castings” teilnehmen werden. Bei nur 30 Ausbildungsplätzen werden viele Jugendliche leer ausgehen. Für sie wurde der so genannte Matching-Pool, eine Plattform für Schulabgänger und Unternehmen, eingerichtet. „Hier kann man zum Beispiel Herrn Müller von RWE fragen, was man tun muss, um ein Vorstellungsgespräch in seiner Firma zu bekommen”, erklärt Doro Schostok den Matching-Pool.

Maira Schmidt

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