Aus Sportrivalen wurde Liebespaar
19.01.2012 | 17:15 Uhr 2012-01-19T17:15:00+0100
Großenbaum.Aus England weht ein eisiger Wind nach Deutschland, denn europakritische konservative Politiker beendeten vereinzelt Beziehungen zu deutschen Kommunen. Dass deutsch-englische Partnerschaften durchaus Erfolgsgeschichten sein können, beweisen jedoch die Wrights aus Großenbaum, die sich bei einem Sportaustausch in Portsmouth kennen gelernt haben.
Als sich Heike und Ian im Jahr 1985 das erste Mal gegenüberstanden, waren sie noch Rivalen – an der Tischtennisplatte. Sie schlug für den TTS Duisburg auf, er für einen Club aus der englischen Partnerstadt. Aus einer anfänglichen Freundschaft wurde mehr, als Heike Ian zwei Jahre später wieder traf. Sie studierte dann am Polytechnicum Portsmouth Germanistik und Anglistik. „Ich bin Jahre lang zwischen Deutschland und England hin und her gependelt“, sagt Heike. In den 90ern wanderte Ian schließlich nach Großenbaum aus, gab seinen Job als Finanzbeamter auf und arbeitet seither als Englischlehrer in der Erwachsenenbildung. Der gemeinsame Sohn Nick-Alexander ist inzwischen zwölf Jahre alt.
„Ich lebe hier nun schon seit 15 Jahren“, sagt Ian Wright. „Aber ich bin noch sehr englisch.“ Er führe mit seiner Familie hier ein „sehr gutes Leben“, doch an alle Eigentümlichkeiten der Deutschen habe er sich noch nicht gewöhnen können. „Man denkt hier einfach anders. In Deutschland lebt man nach Regeln, hier ist alles schwarz oder weiß.“ So wirklich angepasst, sagt seine Gattin, habe sich Ian noch nicht. „Als Brite ist er aber sehr locker und offen. Das macht das Leben angenehm.“
Britisch geht’s im Hause Wright häufig zu, denn: „Ian kämpft sehr fürs Englische“, sagt Heike Wright. Sohn Nick ist zweisprachig aufgewachsen und spricht Englisch mit seinem Vater. Im Fernsehen läuft Sky News und der britische Armeesender BFBS im Radio. „Ich fahre mit Nick oft nach England, dann machen wir eine echte Männertour.“ Wenn sie an der englischen Küste die Fähre verlassen, sei das für Ian immer ein gutes Gefühl. Traurig mache ihn nur die Gewissheit, mit der Familie nie in seiner Heimat leben zu werden. „Dafür packen wir uns den Wagen aber immer mit englischem Essen voll,“ darunter Essigchips und „Fish and Chips“. Ob die englische Küche besser ist als die deutsche, ist noch ein familiärer Streitpunkt, einig sind die Wrights sich aber beim Sport – zumindest beim Tischtennis. Alle drei sind heute Mitglieder im TTS Duisburg.
„Früher war der Verein mein Leben“, sagt Heike Wright. Schon als Kind spielte sie dort und am Sportaustausch, der 1973 das erste Mal stattfand, habe sie seit 1980 immer gerne teilgenommen. Seit rund zehn Jahren gibt es den Austausch allerdings schon nicht mehr, weil den Vereinen der Nachwuchs dafür fehlt. Damals besuchten sich die Clubs noch abwechselnd in Duisburg und Portsmouth. „Wir haben viele magische Erinnerungen an diese Zeit“, sagt Ian Wright. Mit vollen Reisebussen sei man damals gereist, bis zu 50 Jugendliche waren dabei. Tolle Partys gab es außerdem. „Die Turniere hat deshalb auch immer die Heimmannschaft gewonnen, weil deren Spieler mehr Schlaf hatten.“ Zudem seien Freundschaften entstanden, die seit über 30 Jahren bestehen. Viele Tischtennis-Veteranen kommen jetzt nach Großenbaum zu einer Geburtstagsfeier. Ian Wright wurde gestern 60 Jahre alt. Sein Geburtstagswunsch: „Es wäre schön, wenn der Austausch wieder stattfinden würde.“
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