Aufgemalte Risse an Duisburger Hauswand sorgen für Gesprächsstoff

Harald Reimholz hat sein Haus in einer Nacht- und Nebelaktion mit aufgemalten Rissen versehen.
Harald Reimholz hat sein Haus in einer Nacht- und Nebelaktion mit aufgemalten Rissen versehen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das neue Einfamilienhaus von Familie Reimholz ist voller Risse. Viele Passanten bleiben stehen und sind fassungslos. Der Eigentümer ist aber ganz gelassen und sogar stolz auf seine Fassade.

Duisburg-Huckingen.. Immer wieder kommt es vor, dass Fußgänger, Fahrradfahrer und sogar Autofahrer vor dem Einfamilienhaus an der Düsseldorfer Landstraße 388 anhalten und mitleidig mit dem Kopf schütteln. In ganz Huckingen ist das 2012 errichtete Eigenheim im Bauhausstil immer wieder Thema. Denn: große Risse, vom Boden bis zum Dach, sind seit letztem Sommer auf der Hauswand zu sehen.

Nur der Eigentümer Harald Reimholz bleibt bei der ganzen Aufregung um sein Haus gelassen. „Unser Bauleiter hat beinahe einen Herzinfarkt bekommen, als er das Ausmaß gesehen hat und unsere Nachbarn haben schon das schlimmste für ihre Häuser befürchtet“, sagt der 40-Jährige. Bergbauschäden glauben die einen, Pfusch am Bau die anderen. „Meine Frau wird sogar angesprochen, wenn sie unsere Kinder in den Düsseldorfer Kindergarten bringt, selbst da hat es sich schnell rumgesprochen, wie unser Haus aussieht“, sagt der zweifache Familienvater.

„Ich liebe Graffiti und Straßenkunst"

Angefangen hat es an der Garagenwand neben dem Haus und kurze Zeit später waren die Risse auch an der Fassade zu sehen. Und gerade auf diesen Anblick ist Harald Reimholz richtig stolz. Denn er selbst ist dafür verantwortlich. Früh morgens um 5 Uhr hat sich der Außendienstler im letzten August eine Leiter geschnappt und die Risse auf sein Haus gemalt. „Ich liebe Graffiti und Straßenkunst, am liebsten würde ich Brücken oder alte Schulen mit meinen Rissen versehen und so zeigen, wie vergänglich doch alles ist.“

In seinem Haus hat der Künstler Glasscheiben mit hauchzarten Linien bemalt, so als ob die Scheibe jeden Augenblick in tausend Stücke zerspringen könnte. An den Wänden hängen Grafiken aller Art. Für seine Kinder malt Reimholz Tierbilder mit Buntstiften, im Flur hängen Ölbilder und kleine Zeichnungen von „hässlichen oder popelnden Menschen“, wie Harald Reimholz selbst sagt. Diese Zeichnungen hat er vor fünf Jahren bereits in einer Ausstellung in den Räumen des Düsseldorfer Vereins „damenundherren“ gezeigt.

Die meisten Passanten bleiben unaufgeklärt

Die wenigsten Passanten klärt Familie Reimholz übrigens auf, wenn sie wieder einmal mitleidig dreinblickende Menschen vor ihrem Haus stehen sehen. „Nur wenn wir direkt angesprochen werden oder wenn Handwerker kommen. Die trauen sich sonst nicht, bei uns zu arbeiten.“

Der Aha-Effekt sei dann immer groß, sagt Harald Reimholz. „Aber Verständnis haben eigentlich nur die wenigsten. Und wenn ich ehrlich bin, auch meine Frau hält mich für verrückt, aber sie kann gut damit leben.“