Arzt ist Hotelier auf Sansibar

Der Blick vom Hotel auf den Ozean.
Der Blick vom Hotel auf den Ozean.
Foto: privat

Buchholz/Sansibar.. Die Wellen plätschern an den Strand. Eine Frau im Bikini streicht mit ihren Zehen durch den Puderzucker-Sand. Sie liegt in einer Hängematte und genießt bei 35 Grad das laue Leben direkt am Pazifischen Ozean. Ein Fischer fährt mit seinem Boot über das azurblaue Wasser vor der Hotelanlage. Der Buchholzer Arzt Ingulf Becker-Boost hat sich hier seinen Traum erfüllt.

Eigentlich ist der 59-Jährige Facharzt für Hämatologie, Interne Onkologie und für Innere Medizin. Seit 2012 ist er auch Hotelmanager. Die Becker-Boosts suchten nur ein Ferienhaus in der ehemaligen britischen Kolonie vor der ostafrikanischen Küste. Dann fanden sie ihr Traum-Grundstück und bauten ihr Luxus-Hotel Matlai (benannt nach dem milden Wind). Im März 2012 war Eröffnung.

Ingulf Becker-Boost pendelt seitdem zwischen den zwei Welten. Im Gesundheitszentrum am Sittardsberg schiebt er Vertretungsschichten. Seine Frau Inge und Sohn Tim Henning halten dann auf Sansibar die Stellung. Auf Dauer soll das Pendeln weniger werden. Künftig wird sich der Arzt wohl in Richtung Indischer Ozean mit seinen paradiesischen Stränden, dem umwerfenden Blau des Wasser und strahlenden Sonne orientieren.

Der Herr Doktor lernt Kisuaheli

Die Hauptarbeit vor Ort macht im Moment Sohn Tim Henning, der schon Hotel-Erfahrung mitbrachte. Die vermögenden Gäste kommen aus Europa an die Südostküste Sansibars eingeflogen. Das billigste Doppelzimmer kostet 340 US-Dollar (ca. 260 Euro) pro Nacht. Für das Vier-Personen-Haus zahlt man 1500 Dollar (ca. 1150 Euro) pro Nacht.

Doch auch wenn das alles so paradiesisch klingt hat der Mediziner erfahren müssen, dass man als Investor in Afrika mit allerlei Herausforderungen zu kämpfen hat. Die Uhren ticken anders. „Wenn man in Duisburg in die Stadt fährt und eine Liste mit zehn zu erledigenden Dingen mit sich führt, wird man bestimmt alles abgehakt haben. In Afrika ist das anders: Da schafft man manchmal auch nur zwei Sachen“, sagt er. Die Familie versucht, sich auf die ganz andere Mentalität einzurichten.

Becker-Boost lernt die Amtssprache Kisuaheli, unterhält sich mit den Menschen allerdings meistens auf Englisch. Dann erzählt er ihnen von Duisburg und dem Leben hier. Für die Afrikaner klingen die Beschreibungen von Duisburg wie eine Traumwelt – so wie für uns Sansibar. Zu viel dürfe er nicht erzählen. Denn dann wolle ihn gleich jeder besuchen kommen.

Kontakt ist schwierig. Die Investoren bleiben untereinander. Die Afrikaner meiden die Weißen. Sohn Tim Henning sucht eine Frau. Ob er das Liebesglück auf Sansibar findet, ist fraglich.

Trotzdem: Sansibar bezeichnet Becker-Boost selbst als das Paradies nach dem Sündenfall. „Ein Pullover ist auf Sansibar unbekannt. Frische Meeresfrüchte hüpfen einem beinahe auf den Teller.“ Duisburg möchte er dennoch nie ganz aufgeben. Gerne erinnert er sich an seinen letzten Besuch im Steinhof. „Es ist immer schön in Duisburg zu sein. Hier kann ich auf Konzerte oder ins Kino gehen, Wurst und Brötchen kaufen. Wenn man die Möglichkeit hat, beide Welten zu haben, ist das ideal.“