Alles Irrläufer
12.06.2009 | 11:50 Uhr 2009-06-12T11:50:00+0200Heimatforscher nimmt nochmals Stellung zum schweren Luftangriff vor 65 Jahren, in der Nacht vom 21./22. Mai 1944
Unstimmigkeiten hat Leser Reinhard Knobloch im Artikel über den schweren Luftangriff vor 65 Jahren, in der Nacht vom 21. zum 22. Mai 1944, entdeckt. Er fragt sich, wie es sein kann, dass nach Vermutungen von Heimatforscher Harald Molder einerseits die Mannesmann-Hütte das Ziel im Süden gewesen sei, während andererseits das mindestens einen Kilometer davon entfernte Sankt-Anna- Krankenhaus die schwersten Treffer davongetragen hätte.
So habe es im Werk einen Toten gegeben, außerhalb des Werkes weitere vier Todesopfer. Nach Aufzeichnungen im Stadtarchiv haben die Treffer auf das Krankenhaus dagegen 48 Beschäftigte und Patienten dort das Leben gekostet. „Schwerpunkt sämtlicher Luftangriffe waren die Stadtmitte und der Duisburger Norden”, betont dazu Harald Molder nochmals. In 95 %der Fälle gebe es in den Aufzeichnungen der britischen Royal Air Force, aber keine konkrete Zielangabe. Auch für die 500 Bomber des 21. Mai habe das Ziel lediglich „City Area”, also Stadtgebiet von Duisburg, geheißen. „Vermutlich waren sämtliche Bomben über dem Duisburger Süden Irrläufer”, sagt Molder. „Fliegen Sie mal mit 500 bis 600 km/h und drücken zwei Sekunden zu spät den Knopf”, gibt Molder zu bedenken. „Dann landet die Bombe wer weiß wo - lauter Unglückstreffer.” Nachts und angesichts der vorgeschriebenen Verdunkelung sei die Zielfindung zusätzlich erschwert gewesen.
Um das Ausmaß der Zerstörungen zu verstehen, so der Heimatforscher, sei wichtig, die Abwurftaktik zu kennen. Bei einer ersten Abwurfwelle seien zunächst Luftminen abgeworfen worden. „Die explodierten in vorgegebener Höhe und deckten zunächst wegen ihres gewaltigen Luftdrucks die Häuser ab”. Gleich danach seien Brandbomben abgeworfen worden, durch die die von oben offenen Häuser von innen ausgebrannt seien.
In einer zweiten Abwurfwelle seien dann Sprengbomben nachgeworfen worden. „Sie”, sagt Molder, „sollten die Rettungskräfte behindern und ein Trümmerchaos hinterlassen.” Das sei eben die traurige Logik des Krieges: beim Feind größtmögliche Zerstörungen anzurichten.
00:21
Meine Hinweise bezogen sich auf den Widersinn, der sich aus den erwähnten Fakten und den Folgerungen des Forschers bzw. des Redakteurs ergaben. Der vorangegangene Artikel beschreibt die Masse des Angriffspotentials und das Zerstörungsausmaß. Zudem die Opferzahlen. In der entscheidenden Schlussfolgerung hörte man sodann, dass der Angriff der 500 Bomber jedoch nicht der Zivilbevölkerung galt!
Kolatteralschäden – so nennt man das heutzutage!
Dieselbe These nun unverändert in diesem ‚Nachwort’. Mit einer Belehrung über die Schwierigkeiten des Zielens. Andererseits ein minutiöser Lehrgang über Zerstörungsprinzipien. Ergebnis: ‚So ist das eben’!
Nein – das ist eine klassische Verharmlosung historischer Fakten. Zudem arg simpel.
Wer, wie berichtet, das Stadtgebiet Duisburg zum Ziel erklärt, greift gezielt dessen Bevölkerung an.
Reinhard Knobloch