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Abschied vom Gotteshaus

08.01.2008 | 20:12 Uhr

Am kommenden Samstag findet der letzte offizielle Gottesdienst in der Buchholzer Heilig-Geist-Kirche statt.Damit endet die Geschichte des Gotteshauses nach knapp 50 Jahren. Modell "Neue Nachbarschaft"

Nur rund 50 Jahre währte die Epoche der katholischen Heilig-Geist-Kirche an der Semmeringstraße in Buchholz. Am Samstag, 12. Januar, geht sie mit dem letzten offiziellen Gottesdienst dort zu Ende. Die Kirche wird aus Mitteln des Bistums Essen nicht mehr unterhalten, so dass die Pfarrgemeinde Sankt Judas Thaddäus sie anders nutzen muss: für das Modellprojekt "Neue Nachbarschaft".

Ihre Ära als Kirche einer selbstständigen Pfarre endete bereits im Jahre 2000, nachdem der letzte Pfarrer, Norbert Klobusch, nach Essen versetzt worden war. Seitdem war Heilig Geist eine Filialkirche von Sankt Judas Thaddäus Buchholz.

Von ihr als Mutterpfarre stammte sie auch ab, als der Kölner Erzbischof Josef Frings am 15. November 1957 im Buchholzer Nordosten eine selbstständige Pfarrei bildete. Johannes Schocke war der erste Pfarrer. Er hatte zunächst in der Unfallklinik die Heilige Messe gelesen.

Bedarf für eine weitere katholische Kirche in Buchholz hatte es schon zur Nazizeit gegeben, als es in der Umgebung der Semmeringstraße rege Bautätigkeit gab. Erst nach Ende des Dritten Reiches nahm die Sache konkrete Formen an. Die Katholische Kirche erwarb nach der Währungsreform von der Stadt ein 4 000 Quadratmeter großes Grundstück. Dort wurde am 31. März 1959 der Grundstein für den Neubau gelegt. Richtfest war am 10. Juni. Ab September konnten im Keller der Kirche, im heutigen Pfarrsaal, die ersten Gottesdienste gehalten werden. Geweiht wurde das neue Gotteshaus dann am 1. Mai 1960. Architekt war Rudolf Schellscheidt aus Essen. Er konzipierte "einen relativ einfachen und schlichten Baukörper, durchaus mit Qualitäten", sagt dazu heute der Bochumer Architekt Horst Hücking.

Nach und nach wurde die Kirche ausgestattet. So erhielt sie 1963 eine Marienstatue im Seitenschiff, 1965 das große Ostfenster und 1967 das Altarkreuz. 1969 folgte die Orgel. Damals wurde auch der Altarraum umgestaltet. 1976 erhielt der Chorraum eine neue Ausgestaltung. 1984 stellte das neue Pfarrheim zusätzlichen Raum für die Gemeinde zur Verfügung. Von 1989 stammt das neue Tabernakel.

Rund um die neue Kirche entwickelte sich ein reges Gemeindeleben. Eine Frauengemeinschaft gab es bereits ab 1958. Schon im November 1959 wurde der Kirchenchor gegründet. "In den ersten Jahren entstanden auch die ersten Jugendgruppen", heißt es in der Pfarrchronik. 1972 wurde ein Altenwerk gegründet. 1977 kamen die Pfadfinder hinzu, 1989 ein Familienkreis.

Im Oktober 1982 feierte die Gemeinde ihr 25-jähriges Bestehen. 1983 brachte sie mit Ulrich Rehe erstmals einen Priester aus ihren eigenen Reihen hervor.

Zweiter und letzter Pfarrer von Heilig Geist war von 1989 bis 2000 Norbert Klobusch. In seine Zeit fielen Anfang der 90er Jahre umfangreiche Sanierungsarbeiten an Kirche, Pfarrsaal, Pfarrheim und Pfarrhaus.

Von Martin Kleinwächter

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Kommentare
11.01.2008
15:59
Abschied vom Gotteshaus
von Protestant | #4

Gerne lese ich die Seiten aus Duisburg-Süd und umso erfreuter war ich, einen Artikel zu der Kirche zu lesen, die meinen christlichen Werdegang wesentlich geprägt hat. Leider legte sich die Freude mit jeder Zeile, denn eine bloße Aneinanderreihung von historischen Zahlen brachte weder neue Informationen noch wurde die Stimmung der Gemeinde auch nur angesprochen.
Man konnte das Gefühl gewinnen, dass Uli Hoeneß sich mit dem Abstieg eines Viertligisten beschäftigen musste und froh war, schon mal den Namen des Dorfes gelesen zu haben. Kein Wort zu den nun orientierungslosen Gruppen der Gemeinde oder ein paar Gefühlsbeschreibungen regelmäßiger Kirchgänger. Schade, denn ein solch zukunftsweisender Schritt, den ich, wäre ich in der katholischen Kirche, mit dem morgigen letzten Gottesdienst in Heilig-Geist mit meinem Austritt aus der Kirche verbinden würde, wäre sicherlich mehr wert gewesen, als die Zukunftsplanung etwaiger Neubauten.
Immerhin durfte ich heute im Duisburg-Süd-Teil erfahren, dass Pastor Schepers es in der Groß-Pfarrei sehr bedauert, dass er nur noch die Hälfte der Zeit in seiner Stammgemeinde Judas-Thaddäus verbringen kann. Von dieser Stelle mein herzliches Beileid an alle aus Judas-Thaddäus...ihr habt es wirklich schlecht getroffen...

09.01.2008
21:54
Abschied vom Gotteshaus
von traurigerkatholik | #3

Mit seiner weitgehenden Beschränkung auf die Baulichkeiten verpasst der Schreiber das Wesentliche. Gebäude und ihre Ausstattung sind kein Selbstzweck. Sie helfen Menschen miteinander zu leben. In den fünfzig Jahren habe verschiedene Generationen im Miteinander das Leben Am Stern geprägt. Un-weise Personalentscheidungen der Bistumsleitung führten dann zu einem viele Menschen verletzenden Zerwürfnis in der Gemeinde. Jetzt wird den unverdrossen verbliebenen Ehrenamtlichen die Basis für ihre soziale Arbeit entzogen. ... und die Gesellschaft jammert über fehlendes Engagement. ... und die Kirche über das Desinteresse der Jugend. Eine Artikelserie über die eintretenden Veränderungen Am Stern im nächsten Jahr, die würde spannend werden...

09.01.2008
13:14
Abschied vom Gotteshaus
von Scoutmail | #2

Immerhin, aus der Chronik der Gemeinde abschreiben, dass kann ein Zeitungsredakteur also. Hochachtung. Was hat das aber mit den Menschen vor Ort zu tun? Was ist mit der Trauer, der Verzweiflung der Menschen in der Gemeinde, die zum großen Teil gar nicht zur letzten Messe kommen werden, weil sie befürchten, dies nicht ertragen zu können? Was ist etwa mit den ca. 75 Kindern und Jugendlichen im Pfadfinderstamm Heilig Geist, die nun schon seit Jahren in eine ungewisses Zukunft blicken, weil der Abrissbeschluss für das Pfarrzentrum und den Jugendraum ja schon vorliegt? Immerhin haben diese jungen Menschen ja noch eine Zukunft vor sich, wohl anders als die katholische Kirche in Westeuropa: Die Schließung der Kirchen kann doch nur vorübergehend darüber hinweg täuschen, dass es schon in wenigen Jahren gar keine ausreichende Zahl von Priestern mehr geben wird, die überhaupt Gottesdienste halten könnten. Da man aber Laien nicht im liturgischen Dienst haben will, ist die Schließung der Kirchen nur das erste Zeichen für das nun beginnende Verschwinden der katholischen Kirche aus dem öffentlichen Leben. Und das ist nicht nur für die Pfadfinder von Heilig Geist bedenklich, die weiter auf die Zusage der Gemeindespitze setzen, auch in Zukunft einen Ort für Jugendarbeit am Stern zu haben, wo immer der dann auch sein mag...

09.01.2008
08:48
Abschied vom Gotteshaus
von BigGerCafferty | #1

Die Schließung der Kirche ist ein Unding, ein Schlag ins Gesicht für die Leute am Stern, die in den letzten fünf Jahrzehnten mit der Gemeinde verwachsen sind.
Wirtschaftlich mag die Schließung Sinn machen. Aber müssen wirtschaftliche Aspekte bei der Kirche die entscheidende Rolle spielen? Zumal ich mich frage, wie groß die finanzielle Not der Katholischen Kirche tatsächlich ist. Die Kirche hat nicht nur eine Verantwortung gegenüber ihren Konten, sondern auch gegenüber ihren Menschen. Aber das scheint in Buchholz keine Rolle zu spielen.

Ich bin mal gespannt, wie sich allein die Besucher der Weihnachtsmessen aus Heilig Geist in diesem Jahr in die Judas-Thaddäus-Kirche quetschen werden. Mit Besinnlichkeit wird das nichts mehr zu tun haben. Das werde ich mir jedenfalls ersparen.

Schön, dass die Redaktion der Schließung der Heilig-Geist-Kirche eine komplette Seite widnmete. Ein Armutszeugnis ist jedoch, dass der Autor mehr oder minder lieblos aus einer Chronik abgeschrieben hat. Eine ganze Seite - und der einzige Mensch, den Sie zitieren, ist ein Vertreter der Wohnbau-Gesellschaft. Warum nicht mit Menschen aus der Gemeinde sprechen?

Dann wären vielleicht auch gewisse Dinge differenzierter darzustellen gewesen. Z.B. , dass die Ära ab 1989 nicht nur im Zeichen von umfangreichen Sanierungsarbeiten stand, sindern auch im Zeichen der Spaltung des Gemeindelebens, dass m. E. damals vor die Hunde ging.
Aber das ist eine andere traurige Geschichte.

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