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Sudamin-Prozess zeigt Ausmaß der Pleite

29.09.2010 | 15:16 Uhr
Sudamin-Prozess zeigt Ausmaß der Pleite
Foto:Manfred Foltin

Duisburg. Vor dem Landgericht in Duisburg geht der Prozess gegen ehemalige leitende Angestellte der Sudamin MHD weiter. Zeugen zeichnen ein katastrophales Bild der wirtschaftlichen Lage kurz vor dem Konkurs des Unternehmens.

Vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz wurde am Mittwoch der Prozess gegen ehemalige Leitende Angestellte der 2005 in Konkurs gegangenen Sudamin MHD GmbH fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Insolvenzverschleppung und Betrug vor. Inzwischen verhandelt die Wirtschaftsstrafkammer nur noch gegen drei der ursprünglich vier angeklagten Männer.

Im Falle eines früheren Geschäftsführers des Unternehmens, der bis Herbst 2004 bei der Sudamin MHD tätig gewesen war, wurde das Verfahren gegen eine Geldbuße von 120 000 Euro an die Staatskasse eingestellt. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, mit bewusst falschen Angaben einen Bankkredit für das Unternehmen erschwindelt zu haben. Ein Vorwurf, der die Richter nicht vollends überzeugte: Die Bank sei über alle Zahlen im Bilde gewesen und außerdem seien die Kredite ausreichend abgesichert gewesen.

Wasser stand bis zum Hals

Zeugenvernehmungen vermitteln unterdessen ein katastrophales Bild der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens um die Jahreswende 2004/05. Ein Wirtschaftsprüfer berichtete, dass Sudamin MHD rund 17 Millionen Euro Verbindlichkeiten gehabt habe. „Sieben mehr als im Jahr zuvor.“ Die Geldmittel schwanden dahin. „Vier Millionen Euro fehlende Liquidität sollten von den Gesellschaftern erbracht werden“, erinnerte sich ein Banker. Doch dazu kam es nicht mehr. Und die Bank fror die Kreditlinie im November 2004 ein.

Eine ehemalige Sekretärin gab an, dass dem Unternehmen beinahe auch der Strom abgedreht worden wäre. „Es gab eine Liste, auf der die Gläubiger verzeichnet waren. Es hieß, wer am lautesten schreit, der wird bezahlt.“ Die Buchhaltung sei so mit wütenden Anrufern von Gläubigern bombardiert worden, dass zeitweise kein vernünftiges Arbeiten mehr möglich gewesen sei. Der Chef-Buchhalter habe schließlich die Anweisung gegeben, die Telefonstecker herauszuziehen.

Eine Behauptung, die den angeklagten ehemaligen Buchhaltungsleiter ziemlich auf die Palme brachte: „Ich habe meine Mitarbeiter ausdrücklich angewiesen, nicht den toten Mann zu spielen.“

Bodo Malsch



Kommentare
06.01.2011
12:42
Sudamin-Prozess zeigt Ausmaß der Pleite
von Kunze | #2

Ja so ist es, die Kleinen werden geopfert und die Verantworlichen gehen mit lachenden Augen aus dem Gerichtssaal.Man könnte meinen, dass eine gewisse Schicht sich gegenseitig schützt.
Leider ist das heute so in unserem Rechtstaat.
Recht ist noch lange nicht Recht.

06.10.2010
14:28
Sudamin-Prozess zeigt Ausmaß der Pleite
von Playlife | #1

Spaßig, die Behauptung des ehemaligen Buchhaltungsleiters bezüglich seiner angeblichen Anweisung an seine Mitarbeiter. Seltsam nur, daß zu dieser Zeit selbst bei internen Gesprächen der Hörer nicht mehr abgenommen wurde, es hätte sich ja ein Lieferant dahinter verbergen können :-)

Und daß die (der) Gesellschafter die fehlende Liquidität hätte erbringen sollen, war wohl mehr ein Wunschdenken denn eine tatsächliche Möglichkeit. Der Geldhahn wurde schon rechtzeitig zugedreht :-)

Was da wieder alles an Unwahrheiten verbreitet wird ist schon interessant, noch interessanter allerdings ist die Frage, warum es die Staatsanwaltschaft auch nach dieser langen Ermittlungsphase nicht zuwege gebracht hat, die Hauptverursacher zu ermitteln und mit in den Prozeß einzubinden. Aber so ist das halt, die Kleinen werden geopfert :-)

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