Studierende der Uni beim NSU-Prozess

Wie wird über den NSU-Prozess berichtet, und was sagt das über den Sprachgebrauch aus? Das erkunden vier Studierende bei einem Besuch in München am 27. und 28. Januar. Im Saal des Oberlandesgerichts werden sie zwei Sitzungen des Gerichtsverfahrens beobachten, in dem über die Anschlagserie der Terrorzelle verhandelt wird.

Die Studenten werden begleitet von Dr. Derya Gür-Seker. Die Dozentin im Fachbereich für Germanistische Linguistik beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema. Sie war Mitautorin einer von der Otto-Brenner-Stiftung finanzierten Studie zur Berichterstattung über die Anschlagserie. Mit dem von Journalisten geprägten Begriff „Döner-Morde“, der über Jahre die mediale Berichterstattung zuspitzte, wurden die Angehörigen der Opfer nicht als Betroffene kommuniziert, sondern als Teil der „Anderen“ stigmatisiert, ausgegrenzt und teilweise kriminalisiert, stellt die Studie fest.

„Wir wollen untersuchen, wie im Gerichtssaal gesprochen wird und wie in den Internet-Portalen der Zeitungen berichtet wird“, erklärt Dr. Derya Gür-Seker. Wie genau die Protokolle der Berichterstatter überhaupt sein können – auch das ist Gegenstand der anschließenden Analyse. Dass bei den Verhandlungen Geräte für eine elektronische Aufzeichnung ebenso wenig zugelassen sind wie Kameras, „das haben viele Studierende nicht gewusst“, so die Dozentin.