Studie: Unsichere Jobs werden in Duisburg zum „Normalfall“

Weil das Geld vorne und hinten nicht reicht, müssen laut NGG viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen.
Weil das Geld vorne und hinten nicht reicht, müssen laut NGG viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Immer mehr Leiharbeit, Teilzeit- und Mini-Jobs statt regulärer Beschäftigung: Gewerkschaften nennen die Situation in Duisburg „alarmierend“.

Duisburg.. Unsichere Jobs werden in Duisburg immer mehr zum „Normalfall“. Im vergangenen Jahr arbeiteten rund 38 Prozent der heimischen Beschäftigten in Teilzeit- und Mini-Jobs oder hatten ein Leiharbeitsverhältnis. Vor zehn Jahren lag der Anteil der sogenannten „atypisch Beschäftigten“ dagegen noch bei knapp 30 %. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen.

Die NGG beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die den Arbeitsmarkt in Duisburg unter die Lupe genommen hat. Demnach arbeiteten im vergangenen Jahr rund 73.000 Beschäftigte in nicht-regulären Jobs. Dabei ist die Mehrheit der Beschäftigten in Teilzeit oder Minijob weiblich. Da verwundert es dann auch nicht, wenn die DGB-Vorsitzende Angelika Wagner schon seit Jahren davor warnt, dass die neue Altersarmut vor allem ein weibliches Gesicht haben wird.

Eine weitere Entwicklung macht dem DGB zu schaffen. „Wir haben enorme Befristungszahlen hier in Duisburg. Eigentlich hatten wir gedacht, dass wir schon weiter sind. Dem ist aber nicht so“, kritisiert DGB-Chefin Wagner die Einstellungspolitik der Arbeitgeber.

Schieflage auf dem Arbeitsmarkt

Für die NGG ist diese Tendenz „alarmierend“: „Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt in Duisburg“, sagt Hans-Jürgen Hufer von der NGG Nordrhein. Gerade Mini-Jobs hätten zugenommen. Im Bäckerhandwerk und in der Gastronomie seien diese besonders verbreitet – auf Kosten von regulärer Beschäftigung.

„450 Euro reichen aber meist nicht zum Leben. Deshalb müssen viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen, oft ohne Sicherheit und in der Angst, die Stelle schnell wieder zu verlieren“, so Hufer. „Wackelige Jobs heute sind die Altersarmut von morgen.“

Duisburg in Zahlen Auf den ersten Blick gehe es Deutschland wirtschaftlich gut. Bei genauem Hinsehen würden sich hinter den hohen Beschäftigungszahlen aber viele unsichere Jobs verbergen, so der NGG-Geschäftsführer. „Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger.“ Die NGG fordert die Arbeitgeber in Duisburg auf, wieder „mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs“ zu schaffen. Hufer: „Der seit Januar geltende gesetzliche Mindestlohn, für den sich die NGG jahrelang eingesetzt hat, ist eine feste Untergrenze. Durch den Mindestlohn haben auch in Duisburg viele Beschäftigte erstmals die nötige finanzielle Sicherheit.“ Daran dürfe nicht nachträglich gerüttelt werden.

„Manchmal kann es für Mini-Jobs und Teilzeit auch gute Gründe geben. Zum Beispiel machen sie Sinn für Rentner oder Studenten, die sich ein bisschen dazu verdienen wollen“, so Hufer. Zum echten Problem werde irreguläre Beschäftigung aber, wenn Vollzeit-Stellen abgeschafft werden – „und sich der Kellner oder die Verkäuferin in der Bäckerei ihr Monatseinkommen zusammenstückeln müssen.“