Studie prognostiziert Duisburg großen Bevölkerungsrückgang

Was passiert mit leer stehenden Wohnungen, wenn weniger Duisburger in der Stadt leben?
Was passiert mit leer stehenden Wohnungen, wenn weniger Duisburger in der Stadt leben?
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Duisburg wird, so sagt es eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, bis zum Jahr 2020 rund 6000 Einwohner verlieren. Das hat Auswirkungen, etwa auf die Infrastruktur.

Duisburg.. Duisburg schrumpft: Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Bertelsmann-Stiftung nun herausgegeben hat. Derzeit leben rund 484.000 Personen in Duisburg, übrigens mehr Frauen als Männer. Im Jahr 2020 sind es laut Prognose rund 6000 Menschen weniger. „Den von der Bertelsmann-Studie festgestellten Trend können wir bestätigen, wenn auch auf einem anderen Niveau und auch wenn man die Zuwanderung einrechnet“, erklärt Robert Tonks, stellvertretender Leiter der Stabstelle für Wahlen, Europaangelegenheiten und Informationslogistik. Bertelsmann verwende aber eine andere Methode, um die Prognose zu erstellen – deshalb unterscheiden sich beispielsweise die Annahmen, die die Stadt bei der Planung für das Projekt 2027 zugrunde legt.

Durchschnittsalter steigt

Das Durchschnittsalter der Duisburger wird laut Bertelsmann-Studie bis 2020 auf 45,6 Jahre steigen. Aktuell liegt es bei 45,4 Jahren. 29,8 Prozent der Duisburger wird 2020 unter 20 Jahre alt sein, 35,9 Prozent allerdings über 65. Den größten Anteil an der Bevölkerung, nämlich 139.110, machen dann die Männer und Frauen zwischen 45 und 64 Jahren aus. Die zweitgrößte Gruppe sind die 25 bis 44-Jährigen, sie zählt 122.160 Personen. Über 80 Jahre sind in fünf Jahren noch 34.150 Senioren. Babys und Kleinkinder (bis zu zwei Jahren) werden dann 12.260 in Duisburg leben.

Neben der biologischen Entwicklung spielen auch die Wanderungsbewegungen eine Rolle, ob eine Stadt ihre Einwohnerzahl halten kann. Derzeit ziehen 41,8 Personen (gerechnet auf 1000 Einwohner) nach Duisburg. 2020 werden es 40,2 Personen sein. Im Vergleich wechseln derzeit 39,6 Duisburger die Stadt, in fünf Jahren werden es 0,1 weniger sein. Oft sind Jobangebote oder eine veränderte Lebenssituation der Grund, warum Menschen die Stadt verlassen. So wächst etwa die Nachbarstadt Düsseldorf kontinuierlich. Um davon zu profitiren, weist die Stadt in den nächsten Jahren im Duisburger Süden gezielt Neubaugebiete aus.

Hendrik Trappmann, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, lässt sich von den neuen Zahlen nicht Bange machen. „Natürlich stimmt es, dass Duisburg sparen muss und andere Städte bei den freiwilligen Leistungen aus dem Vollen schöpfen kann. Trotzdem halten wir immer noch eine attraktive Infrastruktur vor. Duisburg muss sich mit seiner Sechs-Seen-Platte und den anderen Einrichtungen auch nicht verstecken.“ Allerdings müsste man ein breites Wohnungsangebot vorhalten, damit derjenige, der ein Einfamilienhaus sucht, ebenso ein Objekt findet wie ein Senior, der in eine barrierefreie Wohnung ziehen möchte. Das ist auch ein Ziel für die Planung 2027.

Stadtplaner Trappmann: „Blanke Zahlen sagen nichts aus“

Hendrik Trappmann schätzt die Zahlen ein und erklärt, wie die Stadt auf die Entwicklung reagieren will.

Herr Trappmann, überraschen Sie die Zahlen der Bertelsmann-Stiftung?

Hendrik Trappmann: Nein, wir werden bei unserer Arbeit permanent mit Prognosen konfrontiert. Wir erheben eigene Zahlen, bekommen welche vom Land und nun von der Bertelsmann-Stiftung. Allen ist gemein, dass die Prognosen selten exakt eintreffen. Als wir 2008 den Prozess 2027 begonnen haben, konnte z.B. noch niemand das Ausmaß der Zuwanderung überblicken. Diese hat dazu geführt, dass wir weiterhin weniger werden, aber die Einwohnerzahl nicht so stark zurückgeht wie erwartet.

Die Bevölkerungsprognosen sind trotz dieser Unwägbarkeiten wichtig für die Stadtentwicklung, da sie in der Regel einen Entwicklungstrend beschreiben, den wir bei unseren Planungen berücksichtigen müssen.

Auch wenn der Bevölkerungsrückgang nicht so stark ist – die Stadt verändert sich.

Trappmann: Das stimmt. Die blanken Einwohnerzahlen sagen noch nichts über die Zusammensetzung der Bevölkerung aus. Neben der Alterung der Gesellschaft stellt z.B. auch die Zuwanderung die Stadt vor neue Herausforderungen. Wir müssen die Menschen auch integrieren und die Stadtteile stabilisieren. Das ist der Grund, warum wir für Marxloh und Hochfeld weitere Integrierte Handlungskonzepte aufgelegt haben und diese auch gefördert werden.