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Streit in der Marxloher Moschee-Gemeinde

19.11.2009 | 14:21 Uhr
Streit in der Marxloher Moschee-Gemeinde

Duisburg. Erst muss Pressesprecher Mustafa Kücük gehen, dann tritt der Vorsitzende Mehmet Özay zurück. In der DITIB Merkez-Moschee-Gemeinde deutet sich ein Konflikt zwischen Konservativen und Liberalen an.

Die Marxloher DITIB Merkez-Moschee-Gemeinde steht vor massiven Veränderungen im Vorstand. Der Vorstandsvorsitzende Mehmet Özay gab am Montag seinen Rücktritt bekannt. Auch die Vorstände Saban Anac und Murat Sencan sollen darüber nachdenken, es ihm gleich zu tun.

Mehmet Özay ist als Vorsitzender der Moschee-Gemeinde zurückgetreten.

Auslöser ist ein Vorstandsvotum mit 4:3 Stimmen gegen Pressesprecher Mustafa Kücük vergangenen Sonntag. Er ist seiner Aufgaben enthoben. Hintergrund sind unwahre Berichte in einer türkischen Lokalzeitung. Mustafa Kücük sieht einen persönlichen Rachefeldzug eines konservativen türkischen Journalisten gegen ihn als Ursprung. „Ich habe nie die Möglichkeit bekommen, mich beim Vorstand für die Zeitungsberichte zu rechtfertigen”, sagt Mustafa Kücük. Er habe den Vorstand sogar wochenlang gebeten, ihn doch zu befragen. Stimmt nicht, meint aber Muhammed Al: „Er wurde mehrfach eingeladen, ist aber nie auf den Vorstandssitzungen erschienen.” Eine Einladung, meint wiederum Mehmet Özay, habe es nie gegeben.

Liberale gegen Konservative?

„Kücük hat früher bei dieser Zeitung gearbeitet. Wir wollen nicht, dass persönliche Probleme jetzt über die Moschee-Gemeinde ausgetragen werden”, erklärt Muhammed Al, zweiter Vorsitzender. Der zurückgetretene Özay hat allerdings kein Verständnis, „dass die eigenen Leute im Regen stehen gelassen werden”. Auch sind Unstimmigkeiten im Vorstand Grund für seinen Rücktritt: „Vertrauliche Fakten wurden nach Außen getragen.” Es gebe internen Kontakt des Vorstandes zu der Zeitung. Schon am Montagmorgen, 6 Uhr, lag Özay ein Fax der Zeitung vor, die über die Entwicklungen berichten wollte.

Kücük glaubt, dass der wahre Grund für seine Abwahl ein anderer ist: „Ich war zu direkt, zu frech.” Auch zu offen, zu liberal. In der 900 Mitglieder zählenden Gemeinde, gebe es eine konservative Minderheit von 150 Personen, die auch persönliche Interessen verfolgt. „Ich habe Kritik geäußert. Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass Spendengelder unkontrolliert rausgehen”, so Kücük. Diese Kritik sei persönlich genommen worden. Bei veröffentlichten Büchern hätte Vorstandsmitglied Hüseyin Cetin darauf achten sollen, dass keine ideologisch getriebenen Inhalte vorkommen. Dem sei er nicht nachgekommen, was Kücük ebenfalls intern monierte: „Jetzt haben sie mich mundtot gemacht.”

Namen sind Spekulation, meint Muhammed Al

Stichwort: persönliche Interessen. Cetin habe vor einem Jahr einen Lehrfilm drehen wollen, in dem die Eröffnung der Moschee als Höhepunkt dienen sollte. „Wir waren gegen Kommerzielles aus der Gemeinde heraus und haben es verhindert”, sagt Kücük.

2005 wurde Mustafa Kücük mit 4:3 Stimmen zum Sprecher ernannt. Es ist Muhammed Al, der sich jetzt gegen Kücük stellt. „Er hat versucht mich und auch Elif Sab, die Vorsitzende der Begegnungsstätte, für seine Ziele zu gewinnen”, verrät Kücük. Beide blieben bei ihrer offenen Haltung.

Gerüchten zufolge soll Yüksel Aydemir neuer Vorsitzender der Gemeinde werden. „Reine Spekulationen. Wir haben über Namen nicht gesprochen”, sagt Muhammed Al. Der Vorstand wollte gestern einen neuen Vorsitzenden wählen und sich in den nächsten Tagen näher äußern. Muhammed Al ist bemüht, die Lage zu beruhigen: „Es gibt keinen Grund zur Besorgnis. Die Gemeinde bleibt offen, transparent, bereit zum Dialog.”

Angeblich soll es am Freitag einen Protest auf dem Parkplatz an der Moschee geben.

Marco Virgillito

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