Stilles Gedenken um 10.53 Uhr

Der Zeiger auf der großen Uhr am Hauptbahnhof springt um. Es ist Punkt 10.53 Uhr, Tanja und Daniel Wilhelm stehen auf dem Vorplatz und halten inne. Ein Passant gesellt sich zu ihnen, senkt ebenfalls den Kopf und faltet die Hände, während andere vorbeihetzen. Nicht jeder in Duisburg nimmt sich an diesem Vormittag die Zeit, um während der landesweiten Schweigeminute der Opfer des Flugzeugabsturzes über Südfrankreich zu gedenken. Ein Stimmungsbild aus der Duisburger Innenstadt.

Der Zeiger der Uhr springt auf 10.54 Uhr, Tanja und Daniel Wilhelm geben einen Einblick in ihre Gefühlswelt. „Wir waren tief betroffen, als wir von dem Absturz erfahren haben“, so das Neudorfer Ehepaar. „Die Schüler, die Kinder unter den Opfern – da kommt man schon ins Grübeln. Hätte einem das auch passieren können?“

Einige Meter weiter kommt Brigitte Grassmann aus einem Geschäft am Anfang der Königstraße. „Ich habe für die Opfer gebetet, habe selber Kinder und Enkel“, erzählt die Hochfelderin. „Man kann nur weinen.“ Sie selbst ist noch nie geflogen, hat ebenso Flugangst wie Petra Nowak aus dem Dellviertel, die mit ihrem Mann Hans-Peter vor dem City-Palais. Allerdings ist ein ein Familienmitglied derzeit in Spanien, das heute zurückerwartet wird. „Ich hab schon ein mulmiges Gefühl und bin froh, wenn die Maschine sicher landet“, sagt sie.

Auch deshalb habe sie ganz bewusst an der Schweigeminute teilgenommen – wie auch die Mitarbeiter im Rathaus, vor dem die Fahne auf Halbmast weht. „Wir haben ganz individuell und still an den Arbeitsplätzen der Opfer gedacht“, so Stadtsprecherin Susanne Stölting.

Alle ahnen an diesem Vormittag nichts von der dramatischen Wende wenig später bei den Ermittlungen zum Flugzeugabsturz. Demnach, so die französische Staatsanwaltschaft, hat der Co-Pilot die Maschine bewusst abstürzen lassen.

„Das ist das Letzte, was ich vermutet hätte“, sagt etwa Thomas Haut, Leiter des Hapag-Lloyd-Reisebüros an der Claubergstraße, in einer ersten Reaktion. „Das macht das Ganze noch tragischer.“ Zuvor, um 10.53 Uhr, habe auch er mit seinen Mitarbeiterinnen an der Schweigeminute teilgenommen. „Ich kenne Leute aus Haltern, wo das Nachbarskind in der Maschine saß. Unfassbar.“

Auch bei seinen Kunden sei der Absturz das große Thema. „Die Reaktionen sind unterschiedlich. Einzelne wollen gar nicht mehr fliegen, manche German-Wings-Flüge umbuchen“, erzählt Haut. „Aber es gibt auch Leute, die am Wochenende ganz tiefenentspannt in den Urlaub fliegen. Und trotzdem geht dieses Unglück sicher allen ganz nahe.“