Steag-Deal droht für Stadtwerke Duisburg teuer zu werden

Das Kohlekraftwerk in Walsum ist naheliegendes Beispiel für die Aktivitäten der Steag, die beim Inlandsgeschäft den höchsten Gewinneinbruch verzeichnet.
Das Kohlekraftwerk in Walsum ist naheliegendes Beispiel für die Aktivitäten der Steag, die beim Inlandsgeschäft den höchsten Gewinneinbruch verzeichnet.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Die Ausschüttung der Steag an kommunale Anteilseigner könnte sich in den kommenden Jahren halbieren. Damit tritt ein, was Kritiker befürchtet haben.

Duisburg.. Wer wissen will, wie es in den kommenden Jahren um die Steag-Gewinne bestellt ist und welche Auswirkungen sich dadurch auf die Stadtwerke als Anteilseigner ergeben, der muss sich in den Ausschuss des Essener Stadtrates setzen. Dort gab Dietmar Bückemeyer, Technik- Vorstand der Stadtwerke Essen, einen tiefen Einblick in das, was auf die örtlichen Versorger zukommen könnte.

Wann die Politiker in Duisburg ins Bild gesetzt werden, konnte oder wollte die Stadt am Mittwoch auf Nachfrage nicht erklären. Immerhin sind die Stadtwerke Duisburg der größte Einzel-Anteilseigner am Konsortium, das den Energie-Konzern für 1,2 Milliarden Euro übernommen hatte.

Ergebnis fängt Kreditlast nicht auf

Die Frage bleibt, ob sich die Stadtwerke damit übernommen haben. Kritiker fürchten seit jeher, dass der Steag-Kauf auf Pump irgendwann teuer zu stehen kommen könnte. Wie die Ergebnisaussichten zeigen, könnte es bald so weit sein: Seit der Übernahme befindet sich die Ausschüttung im Sinkflug. Für das Geschäftsjahr 2015 wird die Steag voraussichtlich noch 80 Millionen Euro an das Stadtwerke-Konsortium abführen, für dieses Jahr sollen es nur noch 55 Mio Euro sein.

Wirtschaft 2017 soll die Ausschüttung dann erneut auf 45 Mio Euro einbrechen und in den Folgejahren bis 2020 dann bei rund 60 Mio Euro liegen. „Die Ergebnisabführung bleibt damit deutlich hinter den Prognosen der Vorjahresplanung zurück“, stellt man in Essen nüchtern fest. Denn die Anteilseigner waren stets davon ausgegangen, dass pro Jahr rund 80 Mio Euro überwiesen werden und hatten ihre Finanzierung darauf entsprechend aufgebaut.

In Duisburg landet davon ohnehin nur ein Bruchteil. Denn das Konsortium muss die Hauptlast der Übernahme-Kredite tragen, maximal 31 Millionen Euro werden an die sieben kommunalen Partner aus Dortmund, Essen, Bochum, Oberhausen, Dinslaken und Duisburg weitergereicht. Im Jahr 2017 wird es sogar nur die Hälfte sein. Spätestens dann wird es kritisch: Auch die Stadtwerke Duisburg hatten ihren Eigenanteil über Kredite finanziert. Was jährlich an Zins und Tilgung anfällt, könnte dann durch die Ausschüttung nicht mehr gedeckt sein. Die Stadtwerke müssten draufzahlen, der Steag-Deal würde am Eigenkapital der Stadtwerke nagen, das die Stadt gerade erst um 174 Millionen Euro aufgestockt hat.

Zinsrisiko bleibt unberücksichtigt

Unberücksichtigt bleibt auch das Zinsrisiko: Laut einer Studie, die die FDP im Landtag kurz vor der Komplettübernahme in Auftrag gegeben hatte, würde ein Zinsanstieg um drei Prozentpunkte für Duisburg 2,5 Mio Euro Mehrkosten bedeuten.

Auf Nachfrage erklärten am Mittwoch, 17. Februar, die Stadtwerke und das Konsortium, sich ab diesem Jahr darauf einzustellen, „dass die Ausschüttung, die bisher bei durchschnittlich rund acht Prozent liegt, auf etwa vier Prozent sinken könnte.“ Die finale Aufteilung der Ausschüttung zwischen dem Konsortium und den Stadtwerken soll nach Vorlage der konkreten Zahlen individuell beschlossen werden, erklärten die Sprecher.

Bleibt zu hoffen, dass bis dahin dann auch die Duisburger Politiker im Bild sind.

Die Beteiligung der Stadtwerke Duisburg: Zahlen und Fakten

Die Stadtwerke Duisburg halten 19 Prozent an der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft, kurz KSBG, die die Steag in zwei Tranchen für insgesamt 1,2 Milliarden Euro übernommen hatte.

Der Eigenanteil der Duisburger Stadtwerke für den Kauf lag bei rund 80 Millionen Euro, die über Kredite finanziert wurden. Von der Ausschüttung an die KSBG im Vorjahr (86 Mio) erhielt Duisburg knapp sechs Mio Euro.

Die Energiewende wird sich auch bei der Steag stärker bemerkbar machen: Sie geht in den nächsten Jahren „von einem bis zu maximal 40 Prozent geringerem Ertragsniveau“ aus.