Stadtwerke kämpfen mit 6000 Widersprüchen

Die Stadtwerke müssen seit gut drei Monaten eine Flut von bisher rund 6000 Widersprüchen zu einem einzigen Thema bearbeiten. Der Grund: Der Europäische Gerichtshof hat in einem Urteil vom 23.10.14 entschieden, dass Strom- und Gasanbieter ihre Kunden in der Grundversorgung („Tarifkunden“) vor Preiserhöhungen genau über deren Grund und Umfang informieren müssen. Das heißt: Zurückliegende Erhöhungen sind für die betroffenen Verbraucher unwirksam.

Und viele haben darauf reagiert und erhoffen sich nun, per Widerspruch möglichst schnell Geld zurückerstattet zu bekommen. Von dieser Erwartungshaltung berichten nicht nur die Stadtwerke, sondern auch die Verbraucherzentrale. Beide treten diesbezüglich auf die Bremse. „Der Bund hat nach dem Urteil zwar die Verordnungen bereits geändert. Inwieweit und ob überhaupt Rückforderungsansprüche bestehen, ist aber noch gar nicht klar“, sagt Marina Steiner, Leiterin der Beratungsstelle in Duisburg, die allein in der vergangenen Woche 100 Anfragen zu entsprechenden Musterbriefen verzeichnet hat. Das müsse erst noch der Bundesgerichtshof (BGH) entscheiden.

Viele Fragen seien noch offen – auch etwa zur Widerspruchsfrist. Trotzdem sei es richtig und wichtig, so schnell wie möglich Widerspruch einzulegen.

Bei den Stadtwerken wird bereits hochgerechnet. Verlässliche Angaben zu möglichen finanziellen Einbußen seien ohne BGH-Urteil aber nicht möglich, so ein Sprecher. Mit einem Urteil sei aber erst im Sommer oder Herbst zu rechnen.

Unabhängig davon habe die Zahl der Widersprüche allein zu diesem Thema längst eine außergewöhnliche Dimension erreicht. „Normalerweise haben wir monatlich etwa 6000 Kundenkontakte, diese Widersprüche kommen jetzt noch oben drauf.“ Jeder Antrag werde aber so schnell wie möglich bearbeitet.