Stadtwerke Duisburg wollen Kraftwerk in Hochfeld abschalten

Ende 2017 wollen die Stadtwerke wahrscheinlich ihr Kraftwerk in Hochfeld abschalten.
Ende 2017 wollen die Stadtwerke wahrscheinlich ihr Kraftwerk in Hochfeld abschalten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Duisburgs Stadtkonzern DVV muss sparen. Um dies zu erreichen soll ein Kraftwerk abgeschaltet werden und in Bus und Bahn kein „schwarzer Sheriff“ mehr fahren.

Duisburg.. Der Stadtkonzern DVV mit seinen beiden großen Standbeinen Stadtwerke und Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) steht vor schwerwiegenden Einschnitten und Sparmaßnahmen. Dazu zählt, dass das Heizkraftwerk in Hochfeld unter dem Schatten des Stadtwerketurms Ende 2017 wahrscheinlich stillgelegt werden soll.

Außerdem wird es einen Stellenabbau in noch nicht beziffertem Ausmaß und beträchtliche Einschränkungen für die knapp 4500 Mitarbeiter geben. All diese Maßnahmen sollen betriebsbedingte Kündigungen „vermeiden“, so DVV-Vorstandschef Marcus Wittig. 45 Millionen Euro sollen durch das 80 Punkte umfassende neuerliche „RePower“-Programm erwirtschaftet werden.

Stadtwerke machen mit Kraftwerken Millionenverluste

Mit seinen beiden Kraftwerken in Hochfeld und Wanheim machen die Stadtwerke unter den veränderten Bedingungen des Energiemarktes bekanntlich Millionenverluste – allein 2014 rund 18 Millionen Euro. Und der Nahverkehr von Bus und Bahn steckt in der strukturellen Finanzierungskrise: Duisburgs Stadtkonzern muss gegensteuern, will er handlungsfähig und gesund bleiben. Das hatte das Unternehmen wie berichtet schon Ende des vergangenen Jahres angekündigt.

Energiewende Jetzt hat die DVV-Spitze – offenbar in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat – ihr Handlungskonzept erarbeitet, das die Aufsichtsräte im März beschließen müssen. Die Mitarbeiter wurden auf einer Betriebsversammlung vorab auf die kommenden Einschnitte vorbereitet.

Die Veränderungen seien „alternativlos“, so Wittig in einer Sonderausgabe des Mitarbeiter-Magazins „Durchblick“. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Karl-Heinz Staniewski zur WAZ: „Wir müssen etwas tun. Wenn weiter transparent gearbeitet wird, sind wir bereit, den Konzern wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen.“ In Verhandlungen hatte der Betriebsrat 20 Maßnahmen ersatzlos streichen können.

Hochfelder Heizkraftwerk soll 2017 abgeschaltet werden

Nach heutigem Stand in Sachen Energiemarkt und konventioneller Energieerzeugung soll das ältere, kohlebetriebene und wartungsintensive Hochfelder Heizkraftwerk Ende 2017 abgeschaltet werden. Das moderne und vor allem technisch flexiblere Gaskraftwerk in Wanheim soll insbesondere für die Fernwärmeerzeugung weiter am Netz bleiben. Die Stadtwerke hatten sogar geprüft, beide Heizkraftwerke abzuschalten.

Bis zum Aus für Hochfeld sind technische Vorarbeiten nötig. So muss für die 50 000 Fernwärmekunden der Stadtwerke über Homberg und Rheinhausen eine Verbindungsleitung an die Fernwärmeschiene Niederrhein gebaut werden, um die Kunden zu versorgen. Unter Umständen wird in Hochfeld ein großer Fernwärmespeicher gebaut, in dem erhitztes Wasser vorgehalten wird.

Die Sparliste der DVV: Keine „schwarzen Sheriffs“ und teureres Kantinen-Essen

In Bussen und Bahnen sollen keine Sicherheitskräfte mehr mitfahren – außer in den Nachtexpress-Linien. 2011 hatte die DVG ihr „Null-Toleranz“-Programm mit den „schwarzen Sheriffs“ aufgelegt.

Das Kundencenter der DVG in Marxloh soll zum 30. Juni 2015 geschlossen werden. So werden Miet- und Betriebskosten gespart. Insgesamt sollen die Kosten bis 2017 um 4,1 Millionen Euro gesenkt werden. Zugleich muss die DVG Millionen in ihren Fuhrpark investieren. Die Stadt hat das bereits mit sechs Millionen Euro jährlicher Zuschuss-Erhöhung zum Teil abgedeckt.


Das Kantinen-Essen wird für die Mitarbeiter teurer. Um die Verluste zu senken, sollen die Preise steigen. Die Betriebshöfe Grunewald und Unkelstein werden nicht mehr beliefert.

Alle befristeten Arbeitsverträge und Stellen sollen nicht verlängert werden. Außerdem werden alle unbesetzten Stellen nicht neu besetzt. Angaben, wie groß der Personalabbau insgesamt sein wird, gibt es noch nicht, auch nicht über das Millionenvolumen, das durch den tunlichst sozialverträglichen Stellenabbau erzielt werden soll.

„Gehen Sonstiges“: So konnten Mitarbeiter in Gleitzeit bisher mitunter ausstempeln und bekamen dennoch die Arbeitszeit weiter gutgeschrieben. Das soll abgeschafft werden

Übertarifliche Leistungen werden gekürzt oder ganz gestrichen – davon betroffen sind auch die Jubiläumszuwendungen und Leistungszulagen. Betroffen sind auch variabele Vergütungen für leitende Angestellte und Vorstände.

Das Freizeit und Fortbildungszentrum in Rheinhausen, eine „Institution“ für die DVVler, wird geschlossen. Durch den Verkauf der Immobilie sollen zusätzliche Einnahmen erzielt werden.