Stadtwerbung am Technik-Denkmal

Das ehemalige Klär- und Pumpwerk in Alt-Homberg trägt seit den 30er Jahren den Hinweise auf die „Stadt im Grünen“. Nach der Eingemeindung wurde die Schrift sogar überpinselt – die Schuldigen wurden sofort auf der anderen Rheinseite vermutet. Seither wird der Schriftzug immer mal wieder erneuert.

Mit so viel Historie unter den Füßen schmeckt das Pils noch mal so gut. Wer im Biergarten „Hafensturm“ am Rheinufer von Alt-Homberg einkehrt zu Erfrischungsgetränk oder Backfisch, befindet sich auf dem denkmalgeschützten früheren Klär- und Pumpwerk der Gemeinde Homberg. Deren Selbstbewusstsein ist immer noch abzulesen am Schriftzug an der Rheinmauer unterm Biergarten: „Homberg, die Stadt im Grünen!“

Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts sei die Inschrift angebracht worden, weiß Homberg-Kenner Reinhard Stratenwerth. Früher Sachtleben, unübersehbar am Homberger Rheinufer, früher die gewaltigen Anlagen der Zeche Rheinpreußen – das mit dem Grünen verlangt nach weiterer Erklärung, und auch die hat Stratenwerth parat.

Der programmatische Schriftzug sei entstanden in einer Zeit, als ein rühriger Gartenplaner Homberg mit Parkanlagen ausstattete. Und 1975, im Jahr der Eingemeindung Hombergs nach Duisburg wurde die Schrift sogar überpinselt – die Schuldigen wurden sofort auf der anderen Rheinseite vermutet, ganz Homberg war auf den Barrikaden. Seither wird der Schriftzug immer mal wieder erneuert – Bürgerengagement macht’s möglich.

Doch zurück zum Klär- und Pumpwerk, dem die städtischen Denkmalschützer attestierten: „Es steht exemplarisch für die Lösungen, die man zur Entwässerung der wachsenden Städte entwickelte und an die besonderen Begebenheiten des Ortes anpasste.“

Das technische Problem: Einfach in den Rhein laufen lassen konnte man die geklärten Abwässer meistens, aber nicht immer. Bei Hochwasser, und der Rheinpegel kann ziemlich gewaltig nach oben gehen, musste gepumpt werden, um keinen Rückstau zu riskieren.

Planung und Umsetzung dauerte auch schon zu Kaisers Zeiten seine Zeit. 1909 wurde ein Entwurf für Kanalisation und Kläranlage eingereicht, der 1913 genehmigt wurde. Gebaut wurde dann bis 1916, als schon der Erste Weltkrieg tobte.

Ende im Jahr 1926, als der Rhein- Pegel eine Rekordhöhe hatte

Die im Vergleich zu heutigen Kläranlagen recht kleine Grundfläche weist auf eine weniger aufwendige Technik hin. Aus der Kanalisation floß das Abwasser zu zwei Klärmaschinen und von dort in den Rhein. Bei Hochwasser wurden Kreiselpumpen zwischengeschaltet, damit die Homberger nicht zurückbekamen, was sie eigentlich loswerden wollten.

1926, als der Rheinpegel Rekordhöhe erreichte, war die Klär- und Pumpanlage aber am Ende ihrer Fähigkeiten. Das Wasser des Stroms drückte mit gewaltiger Kraft, die Pumpen waren überfordert, die Feuerwehr musste helfen. Die Konsequenz: 1928 wurde die Pumpkapazität erhöht und ein Erweiterungsbau für Reservepumpen gebaut.

Doch schon bald war die gesamte Anlage veraltet, und Homberg erwog, seine Abwässer anderweitig klären zu lassen. Doch auch diese Planungen zogen sich in die Länge, und 1940 fielen die Klärmaschinen aus (jetzt tobte der Zweite Weltkrieg). Die Abwässer flossen unbehandelt in den Rhein. Erst 1954 waren die neuen Kanäle fertig zur Kläranlage Hakenfeld.

Das alte Pumpwerk hatte ausgedient.