Stadt warnt Anwohner nach Asbest-Brand: Nicht selbst säubern

Um den Asbeststaub nicht weiter im Stadtgebiet zu verteilen, reinigen Feuerwehrleute unter Atemschutz die Autos, die durch die Sperrzone gefahren sind.
Um den Asbeststaub nicht weiter im Stadtgebiet zu verteilen, reinigen Feuerwehrleute unter Atemschutz die Autos, die durch die Sperrzone gefahren sind.
Foto: Stephan Eickershoff
Was wir bereits wissen
Der Asbestbrand ist gelöscht, doch die Folgen beschäftigen Duisburg noch länger. Anwohner sollen verschmutzte Flächen keinesfalls selbst reinigen.

Duisburg.. Nach dem Brand einer asbestverseuchten Lagerhalle in Duisburg-Rheinhausen warnt die Stadt Anwohner davor, verschmutzte Flächen selbst zu reinigen. 50 Mitarbeiter einer Spezialfirma haben bereits am Sonntag begonnen, öffentliche Flächen zu säubern. Betroffene Anwohner werden gebeten, einen Termin für die Reinigung privater Flächen zu vereinbaren. Dazu sollen sie sich entweder im Callcenter der Stadt (Telefon: 0203/94000) oder im eigens dafür aufgestellten Feuerwehr-Container an der Ecke Asterlagerstraße/Hombergstraße melden.

Die Feuerwehr hat nach Angaben der Stadt bereits Straßen und rund 700 Autos gesäubert, Der durch das Feuer verwirbelte Asbeststaub war am Samstag auch auf Gärten, Spiel- und Sportplätze niedergegangen. Hier kämen die Spezialisten zum Einsatz, hieß es.

Nach Angaben der Stadt ist sowohl der Aufenthalt in Räumen als auch im Freien nicht gefährlich. Allerdings sollten Gärten, Spiel- und Sportplätze vorsorglich nicht betreten werden. Es handele sich um feinfaseriges Asbest, das in kleinen Stücken verwirbelt worden sei, teilte die Stadt mit. Solange diese Stücke nicht berührt oder bewegt würden, bestehe keine Gefahr. In dem betroffenen Bereich befinden sich ein Einkaufszentrum, eine Sporthalle, ein öffentlicher Bolzplatz, ein Schrebergarten sowie weitere Geschäfte.

Einen Tag lang war Rheinhausen im Ausnahmezustand

In Rheinhausen herrschte seit dem Feuer am Samstagmorgen den ganzen Tag lang Ausnahmezustand. Die Asterlager Straße, die Hauptstraße durch Hochemmerich, an der etliche Geschäfte liegen, war am Samstag auch Stunden nach Ende des eigentlichen Feuerwehreinsatzes gesperrt. Sehr zum Leidwesen der Geschäftsleute. Erst am Abend durfte der Verkehr wieder hier rollen.

Normalerweise pulsiert hier das Leben, den ganzen Samstag über herrschte gähnende Leere auf den Parkplätzen des Einkaufscenters und am Autoschalter des Frittenbräters. Nur vereinzelt begegneten einem Fußgänger mit Einkaufstüten auf der Straße. Autofahrer, die normalerweise zum Wochenendeinkauf nach Rheinhausen wollten, mussten entnervt an den Straßensperren umdrehen. Pkw, die aus dem gesperrten Bereich wollten, spritzten mit Atemschtz ausgerüstete Feuerwehrleute ab. Damit sie den krebserregenden Asbeststaub nicht ins weitere Stadtgebiet tragen.

Die Stadt Duisburg hatte nach dem Brand Asbest-Alarm ausgelöst und den Krisenstab zusammengerufen. Es wurden zwei Reinigungsstellen eingerichtet: An der Asterlager Straße Höhe Hüttenstraße und an der Hochstraße/Kreuzung Bergheimer Straße.

Am frühen Samstagabend war der Einsatz für die Feuerwehrleute dann endlich beendet. Dann konnten auch die Straßensperren aufgehoben werden. "Pkw, die heute noch nicht gereinigt werden konnten, werden ab Sonntag durch die Fachfirma gesäubert." Am Samstagabend hat die Stadt Duisburg auch den Krisenstab aufgelöst, Sonntag wird dann ein kleinerer Kreis die noch übrigen Arbeiten koordinieren.

Messungen bestätigten Asbeststaub

Nachdem rund 140 Feuerwehr die Flammen, die die Lagerhalle komplett zerstört haben, gegen halb acht am Morgen unter Kontrolle hatte, fanden Fachleute des Landesumweltamtes in dem Brandschutt Asbestteile. Auch die Asche, die im direkten Umfeld auf Autos und Straßen und in Gärten landete, enthielt laut diesen Messungen Asbeststaub. Das Material war seinerzeit in dem Dach der abgebrannten Lagerhalle verbaut worden.

Um diesen Staub nicht weiter im Stadtgebiet zu verteilen, sperrten Polizei und Ordnungsamt Straßen und Parkplätze im Umkreis von etwa 500 Metern um den Brandort. Bei dem Asbest handele es sich um feinfaseriges Asbest, das in kleinen Stücken (etwa Handteller bis Zwei-Eurostück groß) verwirbelt wurde.

Gärten und andere Flächen werden Sonntag inspiziert

„Solange diese Stücke nicht berührt oder sonst wie bewegt werden, besteht keine Gefahr. Die Stoffe gasen nicht aus. Deshalb ist der normale Aufenthalt sowohl in Räumen als auch im Freien nicht gefährlich“, heißt es in der Erklärung des Krisenstabs. Zur Vorsicht sollen Anwohner Gärten, Spiel- und Sportplätze, Schrebergarten und sonstige Außenflächen in diesem Gebiet nicht betreten.

Sonntag gehen die Aufräumarbeiten dann weiter. Privatgärten, Spielplätze, Kleingärten und andere Flächen werden dann von einer Fachfirma inspiziert und "bei Bedarf" gereinigt. Gearbeitet wird nach einer Prioritätenliste, sprich zunächst werden ein Kindergarten sowie Spielplätze untersucht. "Das ablaufende Schmutzwasser wird komplett in der Kläranlage Rheinhausen aufgefangen", so Hilbrands.

Möglicherweise kontaminierte Flächen nicht selbst reinigen!

Entgegen ersten Informationen der Polizei am Samstagmorgen, dass in der ausgebrannten Lagerhalle auch Reptilien untergebracht waren, befanden sich die Tiere laut Feuerwehr in einer Nachbarhalle, die nur am Rande betroffen war. "Auch die Elektrizität blieb gesichert, die Tiere sind wohlauf“, sagte eine Sprecherin der Stadt. Gebrannt hatte es in der Druckerei und einem Papierlager. Den Brandort hat die Staatsanwaltschaft nun beschlagnahmt, damit die Polizei die Brandursache ermitteln kann.

Warum die Stadt Duisburg die Bevölkerung nicht per Sirene gewarnt hat

In den sozialen Netzwerken hatten einige Duisburger Stadt und Feuerwehr kritisiert, dass nach Bekanntwerden der Asbestbelastung nicht die Warnsirenen in Rheinhausen geheult hätten. Dafür sei das betroffene Gebiet, nämlich im 500-Meter-Umkreis, zu klein gewesen. "Die Sirenen werden nur bei größerer Gefährdung ausgelöst", erklärte der Stadtsprecher.

Informationen für die Bevölkerung gibt es über das Gefahrentelefon der Feuerwehr unter 0800/1121313 sowie Call Duisburg unter 0203/94000 sowie fortlaufend unter www.duisburg.de.