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Loveparade

Stadt Duisburg wirft sich nichts vor

01.09.2010 | 14:28 Uhr
Stadt Duisburg wirft sich nichts vor
Die Anwälte Dr. Ute Jasper (Foto links) und Andreas Berstermann (Foto rechts) von der Sozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek präsentierten den Abschlussbericht. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg.Die Stadt hat sich nichts vorzuwerfen – so lässt sich der städtische Abschlussbericht zur Loveparade-Katastrophe zusammenfassen, der heute vorgestellt worden ist. In Besprechungen kurz vor der Loveparade seien keine Bedenken mehr geäußert worden.

Die Stadt hat sich nichts vorzuwerfen – das ist der Tenor des Abschlussberichtes zur Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten. Die Stadt Duisburg und die Anwaltssozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek, die den Bericht verfasst hat, stellten das 130 Seiten plus Anlagen starke Dokument am Mittwoch vor – erwartungsgemäß vor großem Journalistenpublikum. Den Medien stellten sich die Anwälte Ute Jasper und Andreas Berstermann sowie Stadtdirektor Peter Greulich. Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) indes fehlte. Er bereite sich auf seinen Auftritt vor dem Innenausschuss des Landtages vor, so der Stadtdirektor. Sauerland wird den Bericht dort am Donnerstag präsentieren. Und am Montag dann noch mal bei einer Sondersitzung des Duisburger Rates.

Der Bericht gliedert sich in zwei Teile: die Rekonstruktion des Sachverhaltes und die rechtliche Bewertung, ob die Stadt ihre Pflichten verletzt hat. Es gehe nicht darum, Schuldzuweisungen zu machen oder die Chronologie der Ereignisse auf der Rampe nachzuvollziehen, betonte Anwältin Jasper. Sondern der Bericht solle einzig klären, ob die Verwaltung versagt habe. Und das habe sie eben nicht – so sieht es zumindest dieser Bericht. Ein anderes Rechtsgutachten im Auftrag des Innenministeriums, das ebenfalls am Mittwoch vorgestellt wurde, belastet die Stadt hingegen schwer.

Ein Novum bei der Loveparade

Die Anwälte brachten zahlreiche Akten mit zur Präsentation. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Laut dem Bericht von Heuking Kühn Lüer Wojtek kam eine zentrale Rolle der Duisburger Bauaufsicht zu: Sie musste eine Baugenehmigung erteilen, damit die Party auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände überhaupt steigen konnte – ein Novum in der Geschichte der Loveparade, so Anwalt Berstermann, denn das Gelände sei umzäunt gewesen. Hieraus ergebe sich zum Teil auch, warum die endgültige Genehmigung erst sehr spät erteilt wurde, nämlich am 23. Juli: „Für den Veranstalter war dieses Verfahren auch neu, deshalb hat er einige Unterlagen erst sehr spät eingereicht.“

Die Bauaufsicht habe sehr akribisch gehandelt, betonten die Juristen. So seien im Vorfeld, nämlich am 21. Juli, auf der Zugangsrampe Bauzäune bemängelt worden, die den Weg einengten. Sie zu entfernen, sei Sache des Veranstalters gewesen. Wie sich später herausstellte, sei dies jedoch nicht geschehen. Eine Kontrolle habe es am Partytag hier nicht mehr gegeben, wohl aber an anderen Stellen des Geländes. „Ein normaler Vorgang“, so Berstermann. Solche Kontrollen erfolgten immer stichprobenartig: „Man kann nicht immer wieder das gesamte Gelände absuchen.“

Zu spät reagiert?

Weiterer zentraler Stadt-Akteur war das Ordnungsamt. Aufgaben, so die Anwälte: den geordneten Ablauf der Veranstaltung außerhalb des Geländes sicherstellen – und im Falle einer drohenden Überfüllung die Party-Fläche schließen lassen. Die Juristen betonten zwei Dinge besonders: Erstens sei das Ordnungsamt nicht für die Sicherheit auf dem Gelände oder auf der Rampe zuständig gewesen. Und zweitens auch nicht dafür, die Sperrung des Zuganges im Fall des Falles vorzunehmen – sondern lediglich, sie anzuordnen. Das letzteres nicht geschah, sei aus Verwaltungssicht ein völlig korrekter Ablauf: „Laut Baugenehmigung durften 250.000 Menschen auf das Gelände“, so Berstermann. Es seien jedoch zu keinem Zeitpunkt mehr als etwa 130.000 dort gewesen.

Auf die Nachfrage, ob das Ordnungsamt zu spät reagiert habe, eine Schließung des Geländes angesichts des Besucherandrangs anzuordnen, konnten weder die Anwälte noch Stadtdirektor Greulich eine befriedigende Antwort geben. Undeutlich blieben auch die Ausführungen dazu, ob eine bestimmte Telekonferenz zur Lagebesprechung nun erfolgte oder nicht.

Stadtdirektor Peter Greulich. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Auch in Sachen Sicherheistkonzept habe sich die Stadt nach den Ausführuingen der Gutachter nichts vorzuwerfen: Dieses Sicherheitskonzept sei nicht Sache der Verwaltung gewesen. Laut Gesetz müsse es vom Veranstalter erstellt werden, „im Einvernehmen mit den für die Sicherheit zuständigen Behörden“, so Jasper. Heißt: vor allem mit Feuerwehr und Polizei. Liege ein solches Konzept vor, müsse die Verwaltung die erforderliche Genehmigung erteilen. Dafür, dass es zum Teil „offenbar Verstöße“ gegen das geltende Konzept gegeben habe, sei die Stadt nicht zuständig. Und auch nicht dafür, dass im Bereich von Rampe und Tunnel vielleicht Fehler von Polizei oder Ordnern passierten. Jasper: „Das Ordnungsamt hat nicht die Aufsicht über die Polizei.“

„Gut aufgestellt“

Unterm Strich: Die Stadt weist die Verantwortung von sich – und das in jeder Hinsicht. Zur Frage, ob man im Vorfeld zu wenig auf Bedenken gehört habe, verwies Jasper auf die Abschlussbesprechung bei Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe am 15. Juli: Auf die Frage, ob noch jemand Bedenken habe, hätten alle geschwiegen. Das Angebot des Dezernenten, nach der „großen Runde“ noch Bedenken an ihn heranzutragen, sei nicht wahrgenommen worden, so die Anwältin. Insgesamt hätten sich alle als „gut aufgestellt“ gesehen.

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

Der Abschlussbericht inklusive Anlagen ist auch im Internet verfügbar. Die Namen der Mitarbeiter der Verwaltung sind anonymisiert worden - nicht zur Verschleierung, so der Stadtdirektor. Sondern zur Wahrung individueller Rechte auf Datenschutz.

Christian Gerstenberger

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Kommentare
02.09.2010
10:20
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von Angeekelt | #96

Tja, am Ende ist wohl niemand verantwortlich, das ganze einfach nur ein tragisches Unglück und man kann entspannt wieder zur Tagesordnung übergehen.

02.09.2010
09:56
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von taosnm | #95

Mit Druck aus verschiedenen Richtungen wurde die Loveparade nach Duisburg geholt. Es gibt eine klare Aussage, dass der OB die Veranstaltung wünsche. Viele haben sie gewollt, doch keiner ist verantwortlich.

Man muss sich das mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen:
Ich will diese Veranstaltung, es muss alles getan werden, damit wir sie durchziehen können, wir kriegen das mit der Finanzierung irgendwie hin, wir beugen das Baurecht, etc. etc. - nur eines ist klar, verantwortlich sind wir in keiner Weise. Das lassen wir uns gegebenenfalls von gekauften Anwälten schriftlich bestätigen.

Wenn ich mir das vor Augen halte, wünschte ich, wir wären im Wilden Westen vor 200 Jahren! Das Problem wäre inzwischen keines mehr.

02.09.2010
09:30
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von Lothar Evers | #94

Hatte man von dieser Kanzlei ernsthaft aufklärung erwartet. Wollte man nur einen Persilschein? 21 Menschen tot, hunderte verletzt und traumatisiert, und endlich wissen jetzt alle dass in der Stadt Duisburg vorbildlich gearbeitet wurde.
Meint Herr Dr. Greulich und wohl die gesamte Spitze der Verwaltung.
Diese Spitze hat sich so weit, von der Realität und den Bürgern entfernt, dass es sehr an die späten Tage der DDR Nomenklatura erinnert. Hätte nie gedacht, dass wir hier (tief) im Westen auf Bürgerbewegung und ruinde Tische angewiesen sind. In Duisburg kommt man, glaube ich, nicht daran vorbei.

02.09.2010
08:49
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von Mannomann | #93

Es ist zum Verzweifeln. Lug und Trug an allen Ecken und Enden. Eine Krähe pisst der anderen nicht ans Bein. Oder zu welchem Schluss will man kommen, wenn man sieht, dass Frau Dr. Jasper schon div. Male FÜR die Stadt Duisburg tätig war (siehe: http://www.heuking.de/anwaelte/profil/jasper.html). Kann man da noch ein objektives Gutachten erwarten? Zumindest hat es ein „G´schmäckle“. So verwundert es denn auch nicht, dass inzwischen die Teilnehmerzahl auf unter 130.000 heruntergeschrieben wird. Wenn wir noch ein wenig warten, hätte die Veranstaltung auch im Strandbad Wedau stattfinden können.
Eigentlich hilft nur eine Überprüfung von komplett unbeteiligter Stelle, also weder Stadt noch Land. Evtl. EU? Übrigens, der OB wird nicht zurücktreten, zumindest so lange seine Rente nicht in trockenen Tüchern ist. Sobald der Termin verstrichen ist verschwindet er.

02.09.2010
08:42
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von wegmitihmaberfix | #92

Na da kann der Chefaufklärer ja hoch zufrieden sein. Hoch lebe die Absolution von eigenen Gnaden. Oh Gott...

02.09.2010
08:37
Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von E.B. | #91

Ein tolles Gutachten und alles von unseren Steuern bezahlt!

Bravo Herr OB Sauerland, Sie sind der Held ... immerhin hatten Sie ja während der Katastrophe dafür Sorge getragen, dass die Straßenfeger ausrückten.
Sie sollten sich einfach nur noch schämen.

02.09.2010
07:09
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von eiwoisserden | #90

In Besprechungen kurz vor der Loveparade seien keine Bedenken mehr geäußert worden.

wenn sie sich ein paarmal mit ihren bedenkenden kopf eingerannt haben machen sie keine einwaende mehr
und wenn stehen sie nicht mehr im protokoll bzw werden besprechungstermine und sonstige termine so gelegt das der MECKERHEINI einen anderen termin wahr nehmen muss ! ;o)

02.09.2010
02:25
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von vaikl | #89

@ #85 AxelKrause

Bei solchen Katastrophen geht es immer reflexartig um die drohende Haftungsfrage und demzufolge um Schadensersatz-Klagen.

Das ist weit schlimmer für die politische Führung als periodische Meinungstiefs und Buh-Rufe für Sauerland, denn damit droht ein größeres Loch im Haushalt und damit die Abwahl der ganzen Mischpoke bei der nächsten Kommunalwahl, nicht nur hier und da ein Bauernopfer.

Ich erlebe das z.Zt. genauso in Dortmund, wo beim größten PCB-Skandal der deutschen Geschichte viele Menschen nun mit Krebsgefährdung ihr Leben leben müssen und sich Behörden und der Firmeneigner mit Schuldzuweisungen und -abstreitungen gegenseitig übertreffen wollen. Da geht es auch nur darum, wer die Zeche zahlen muss.

02.09.2010
00:24
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von Horst M. | #88

Sorry, natürlich mit Sicherheit pralle Brieftaschen...

02.09.2010
00:21
Stadt Duisburg stellt Loveparade-Bericht vor
von Bambus | #87

#80 von brandubh
Ich will ja nicht provozieren, aber heisst es nicht:
Behandele Deinen Gegenüber, wie Du gerne selbst behandelt werden möchtest - gilt das nicht für Politiker? Ist mir spontan durch den Kopf gegangen.

Nicht kloppen, bin heute zu müde und werde jetzt keine Ausreden sondern Schafe zählen
PS: Ich war´s nicht... :)

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