Stadt Duisburg will Marketing-Gesellschaft DMG auflösen

Auch das Ruhr-Visitorcenter, die Stadt- und Touristen-Info im City-Palais, gehört bislang zur Stadtmarketinggesellschaft und soll jetzt auf die andere Stadttochter Frische-Kontor übertragen werden.
Auch das Ruhr-Visitorcenter, die Stadt- und Touristen-Info im City-Palais, gehört bislang zur Stadtmarketinggesellschaft und soll jetzt auf die andere Stadttochter Frische-Kontor übertragen werden.
Foto: WAZFotoPool
Was wir bereits wissen
Die Stadt Duisburg will ihr Stadt-Marketing neu ordnen und die bisherige Gesellschaft zum Jahresende auflösen. Die Aufgaben werden verteilt unter Festivalbüro, Rathaus und Frische-Kontor.

Duisburg.. Die Tage der Duisburger Marketinggesellschaft DMG sind gezählt: Nach Rathaus-Plänen soll die städtische Gesellschaft bis zum Ende des Jahres aufgelöst werden. Ihre Aufgaben sowie die über 40 bisherigen Mitarbeiter gehen zurück in die Rathaus-Verwaltung oder wechseln zur Stadttochter Frische-Kontor. Dem DMG-Chef Uwe Gerste hatte der Rat bekanntlich schon vorsorglich gekündigt, so dass sein Vertrag Ende des Jahres ausläuft.

Der WAZ liegt ein 40 Seiten starkes Organisationspapier der Stadtverwaltung vor, das zunächst nicht-öffentlich beraten und im März im Rat verabschiedet werden soll. Schon seit 2012 steht die DMG-Reform auf der Agenda - Auslöser war der Spardruck, aber auch Kritik an der DMG-Arbeit. Auch in dem aktuellen Papier spart das federführende Hauptamt nicht mit Kritik an den bisherigen Strukturen der 2003 gegründeten DMG.

2013 musste die Stadt knapp 5 Millionen Euro zuschießen

Überstundenberge, Zulagenzahlungen und Arbeitszeitverletzungen hatte 2014 zudem das Rechnungsprüfungsamt gerügt. Gleichzeitig „kassiert“ das Hauptamt in seinen „Handlungsempfehlungen“ ein Gegen-Konzept von DMG-Chef Gerste, der u.a. neun Neueinstellungen vorgeschlagen hatte. Von der Auflösung der DMG erwartet die Stadt „kostengünstigere und zukunftsorientierte Geschäftsprozesse, die dauerhaft den städtischen Haushalt entlasten“. 2013 lag der Verlustausgleich für die DMG bei knapp fünf Millionen Euro.

Das geplante große Stühlerücken soll Duisburgs Werbe- und Tourismus-Auftritt besser und billiger machen und die gesamte Stadt-Kommunikation aus einem Guss unter der Oberhoheit des Oberbürgermeisters bündeln. Unter der Führung des OB-Referats soll auch ein neues Stadtmarketing-Profil und eine Imagekampagne unter Beteiligung ortsansässiger Werbeagenturen entwickelt werden. Das Kultur-Festival-Programm, u.a. mit den namhaften „Akzenten“ und der „Traumzeit“, soll der städtische Kulturbetrieb wieder übernehmen.

Frischekontor soll einen neuen Namen bekommen

Ferner schlägt das Hauptamt vor, alle weiteren dann verbleibenden DMG-Geschäftsfelder auf das Frische-Kontor zu übertragen. Es soll damit zur alleinigen Stadttochter für alle Events und Veranstaltungen werden. Schon 2012 hatte der einstige Schlachthof- und Wochenmarktbetreiber von der DMG die Organisation der Beecker Kirmes, des Weihnachtsmarktes und der großen City-Feste übernommen. Auch die Vermarktung und den Betrieb der Mercatorhalle, der Rheinhausen-Halle und die Homberger Glückauf-Halle soll das Frische-Kontor übernehmen. Der Landschaftspark Nord soll ebenfalls unter das Dach des Frische-Kontors, aber seine operative Eigenständigkeit behalten.

Auch das Ruhr-Visitorcenter – Duisburgs Stadtinformation im City-Palais – sowie die Stadt-Touristik soll in die Verantwortlichkeit des Frische-Kontors übergehen. Dafür soll ein Tourismus-Fachmann eingestellt werden. Angesichts all der neuen Aufgaben empfiehlt das Hauptamt einen neuen griffigen Namen für die Multifunktionstochter der Stadt.

Neues Marketing ist mehr als nur Stühlerücken - ein Kommentar

Jetzt legen wir mal das Parteibuch irgendwelcher Geschäftsführer beiseite und kümmern uns nicht um Befindlichkeiten, Besitzstände und Begehrlichkeiten: Dann liegt völlig auf der Hand, dass das Konstrukt Duisburg-Marketing neu organisiert werden muss.

An viel zu vielen Stellen wird doppelt und nebeneinander gearbeitet

Denn es gibt Beispiele zuhauf, dass da doppelt und nebeneinander gearbeitet wird: Die Pressearbeit kommt aus dem Rathaus, die Hochglanz-Broschüren erstellt das Marketing und zwei Internet-Redaktionen kümmern sich um den Online-Auftritt Duisburgs. Das Festivalbüro bei der DMG betreut die saisonalen Festivals, der Kulturbetrieb kümmert sich um den Rest; Opernshop, Theaterkasse und Ruhr-Visitorcenter verkaufen getrennt Tickets. Die eine städtischen Veranstaltungshalle weiß nichts vom Programm oder der Vermarktung und Auslastung der anderen Hallen und Bühnen. Mehr Beispiele gefällig?

Das schreit förmlich nach Bündelung und Vernetzung der Arbeit, nach einer Optimierung der Abläufe. Ja, das kann sogar Kosten senken – muss es auch. Und ja, das kann auch Stellen sparen (das Hauptamt hat schon die Altersfluktuation im Blick). Mit der Verschmelzung von DMG und Frische-Kontor würde endlich ein Stück grundlegender Organisation-Reform im Konzern Stadt umgesetzt. Schon die Übertragung der Großveranstaltungen Kirmes, Weihnachtsmarkt und City-Feste hat sich bewährt. Andere Umstrukturierungen kommen dagegen nicht recht voran oder floppten bisher, so etwa beim zentralen Einkaufsmanagement, oder stecken in den Anfängen wie bei der Wirtschaftsförderung.

Welches Profil will sich Duisburg eigentlich geben?

Mit schlichten Personalverschiebungen und gemeinsamen Budget-Töpfen aus reinen Spargründen ist es freilich nicht getan. Unterm Strich muss ein besseres Ergebnis herrauskommen, inhaltlich wie finanziell. Denn das Frische-Kontor oder wie es denn dann mal sinnfällig heißen soll, kann nicht mal eben zu einer Touristikmesse fahren oder das Presseamt im Rathausstübchen nebenbei über das neue Duisburg-Leitbild grübeln.

Eine sinnvolle Organisationsreform ist das Eine, das Andere ist das Arbeiten an einem Konzept, welches Gesicht, welches Profil sich Duisburg geben will und unter welcher gemeinsamen Dachmarke es sich versammeln will. Dazu bleibt das DMG-Papier ziemlich schwammig. Das ist aber auch nicht die Aufgabe von Orga-Profis, sondern von anderen klugen Köpfen und Duisburg-Denkern.