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MSV-Finanzen

Stadt Duisburg fordert Kredit-Rückzahlungen vom MSV

21.06.2013 | 00:21 Uhr
Ein Fan sitzt alleine auf der Tribüne der Schauinsland-Reisen-Arena. Deren Zukunft ist nach wie vor ungewiss.Foto: dpa

Duisburg.   Jetzt wird's brenzlig für den MSV und die Stadiongesellschaft. Kann der Verein seine Schulden bei der Stadt Duisburg nicht sehr bald begleichen, ist eine Lizenz für die dritte Bundesliga unwahrscheinlich. Der Vertrag mit dem Hauptsponsor steht ebenso auf der Kippe wie die Zukunft der Arena.

Wie der MSV die dritte Liga stemmen will, bleibt weiter unklar. Fest steht: Die Zusagen der städtischen Gesellschaften gelten nicht mehr , die Teilrückzahlungen von Darlehen werden fällig gestellt. Insgesamt handelt es sich um 1,3 Millionen Euro, auf die der MSV beim Kraftakt für den Antrag beim DFB auf die Drittliga-Genehmigung verzichten muss. Mindestens. Denn ob weiterhin der Schriftzug der Online-Marke „Rheinpower“ der Stadtwerke auf dem Trikot stehen wird, dahinter steht ebenfalls ein dickes Fragezeichen.

„Der Sponsoringvertrag sieht vor, dass beide Parteien zu Nachverhandlungen verpflichtet sind, wenn der Verein aus der zweiten Liga ausscheidet“, sagte Sprecher Torsten Hiermann der NRZ. „Daher werden wir in den nächsten Tagen das Gespräch mit dem MSV suchen.“ Zu denkbaren Szenarien und Konditionen will sich der Stadtwerke-Sprecher nicht äußern. Aber: „Dass es ein Engagement der Stadtwerke wie bisher gibt, ist nicht realistisch.“

Vertrag läuft noch ein Jahr

Der Energieversorger ist seit vier Jahren Hauptsponsor, der Trikot-Werbevertrag hätte regulär noch ein Jahr Bestand. Nach NRZ-Informationen sollen die Stadtwerke pro Saison bisher 1,4 Millionen Euro gezahlt haben.

Trauernde MSV-Fans

Mit den 600.000 Euro an Stunden von Kreditrückzahlungen und Energiekosten, die die Stadtwerke dem Verein Ende Mai vor Abgabe der Lizenz-Unterlagen gewährt hatten, kann der MSV ebenfalls nicht mehr rechnen. „Die Zusagen galten explizit nur für die zweite Liga. Die Forderungen werden jetzt fällig“, sagt Sprecher Hiermann. Offenbar lässt sich dieser Punkt auch nicht nachverhandeln. „Das Management der Stadtwerke hat in diesem Fall keinen Ermessensspielraum.“ Für weitere Finanzhilfen wäre ein Beschluss des Aufsichtsrats notwendig. „Das ist im Aufsichtsrat aktuell aber kein Thema“, sagt Hiermann.

Insolvenz würde Abstieg in fünfte Liga bedeuten

Gleiches gilt auch für die 700.000 Euro an Kredittilgungen und Reinigungsgebühren, die die Wirtschaftsbetriebe dem Verein für die neue Saison erlassen wollten. „Die Stundung galt nur für die zweite Liga“, sagt Sprecherin Sarah Mdaghi. „Wie es weitergeht, muss der Verwaltungsrat entscheiden. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.“

Viel Zeit bleibt dem MSV ohnehin nicht mehr. Der Verein hat nur noch zwei Wochen, um nachzubessern und Geld aufzutreiben. Spätestens dann entscheidet der DFB, ob der MSV tatsächlich die Drittliga-Lizenz erhält - oder per Insolvenz in Liga fünf durchrasselt.

Kentsch ist Stadion-Geschäftsführer

Die Gefahr des Total-Absturzes ist groß. Der Berg an Schulden ist nicht kleiner geworden, es gibt statt 4,5 Mio Euro nur noch 700.000 Euro an Fernsehgeldern. Und an Stadionmiete kann der MSV statt fünf Millionen höchstens noch 500.000 Euro zahlen, sagte Jürgen Marbach, der neue starke Mann im MSV-Aufsichtsrat.

Kerzen für den MSV

Völlig unklar aber ist, was das für die Stadiongesellschaft bedeuten würde, an der die Stadt über die Tochtergesellschaft DBV zu einem Drittel beteiligt ist. Und vor allem: Wen fragt man da überhaupt? Der Geschäftsführer der Stadiongesellschaft war auch der Geschäftsführer des MSV: Roland Kentsch. Und offenbar führt er - zumindest auf dem Papier - immer noch die Stadion-Geschäfte. Kentsch könne nur von der Versammlung der Stadiongesellschafter abberufen werden, bestätigt DBV-Chef Utz Brömmekamp. Die soll jetzt kurzfristig einberufen werden. „Ich will dem Ergebnis nicht vorgreifen“, sagt Brömmekamp. Er äußerte sich überrascht, dass der MSV gestern bereits eine Höhe der anvisierten Stadionmiete genannt hat, kommentieren will er sie aber nicht.

Klar ist: Eine Minimalmiete bedroht auch die Stadiongesellschaft, die ihre Millionen-Kredite bei der HSH-Nordbank tilgen muss. Und: Geht der MSV in die Insolvenz, rutscht auch die Stadiongesellschaft in die Pleite. Das düstere Szenario ist hinlänglich bekanntlich: Mitten in der Stadt steht eine Arena, erst vor acht Jahren für 42 Millionen Euro gebaut, die keiner mehr braucht und die niemand mehr haben will.

Video
Der Verein MSV Duisburg zittert um die Lizenz für die zweite Fußballbundesliga, die Fans leisten tatkräftigen Support. Über 1200 "Zebras" waren in die Innenstadt für einen Flashmob gekommen und bekundeten lautstark ihre Liebe.

Ingo Blazejewski



Kommentare
23.06.2013
21:12
Stadt Duisburg fordert Kredit-Rückzahlungen vom MSV
von omo0 | #45

Wie in Essen fünfte Liga kompletter gesunder Neuanfang...alles andere ist gewurschel

22.06.2013
10:22
Stadt Duisburg fordert Kredit-Rückzahlungen vom MSV
von bausparer | #44

Liga 3 ist der Todesstoß für Vereine, die in finanzielle Schieflage geraten sind. Aachen und Offenbach lassen grüßen. Ich weiß, dass bei den MSV-Fans insgeheim der Traum vom direkten Wiederaufstieg geträumt wird. Das ist aber illusorisch. Zudem würde diese Liga die Aufnahme neuer Darlehen erfordern, zusätzlich zu den Verbindlichkeiten, deren Tilgung längst anstünde, hätten die Darlehensgeber (darunter auch der durchgeknallte Baulöwe) nicht durch Stundungen den Exitus bis zum heutigen Tag hinausgezögert.
Geht in Liga 4, lasst die KGaA und die Stadiongesellschaft Insolvenz anmelden und der eV soll dann meinetwegen auch mit Unterstützung der Stadt den Spielbetrieb in Meiderich sicherstellen. Profi-Fußball um jeden Preis führt nur weiter in den finanziellen Abgrund.

22.06.2013
10:15
Stadt Duisburg fordert Kredit-Rückzahlungen vom MSV
von neunmalklueger | #43

Da gibt es doch in Duisburg dieses Ehepaar, welches im Innenhafen Platz für seine Kunstsammlung benötigt. Da die Kubusgeschichte ja eher ein Reinfall war, aber das Stadion möglicherweise ja bald leer steht....
Vielleicht könnte man den VIP Bereich dafür herrichten und dadurch durch finanzielle Umschichtungen (Verpflichtungen der Gebag an das Kunstsammlerpaar) die Stadionmiete refinanzieren.

22.06.2013
10:03
Stadt Duisburg fordert Kredit-Rückzahlungen vom MSV
von DerMerkerNRW7 | #42

Schön beim Sauerland bedanken! Wie es in der CDU so üblich ist, Prestigeobjekte auf Steuerzahlerkosten bauen, dabei in die eigene Tasche wirtschaften und dann alles in Schutt und Asche zurück lassen!

22.06.2013
09:20
Im Reviersport steht: Die Stadt hat getan, was sie konnte, meinte SPD-Fraktionschef Mettler. Er sieht einen Neuanfang eher in der 4. Liga.
von boelli | #41

Wissen Sie eigentlich, Herr Mettler, was das der Stadt kosten würde?

22.06.2013
09:19
Stadt Duisburg fordert Kredit-Rückzahlungen vom MSV
von smallbrother | #40

...Mitten in der Stadt steht eine Arena, erst vor acht Jahren für 42 Millionen Euro gebaut, die keiner mehr braucht und die niemand mehr haben will...

Das Theater am Marientor läßt herzlich grüßen...

In Duisburg nichts Neues. Es hing/hängt immer nur an den handelnden Personen ab.

Lieber ein Ende mit Schrecken , als ein Schrecken ohne Ende.

Mir tun nur die treuen Fans leider, alle anderen die an dieser Misere mitgewirkt haben ehrlich gesagt nicht. Hoffentlich erinnern sich jedoch noch viele Menschen lange an dieser Namen aus Wirtschaft und Politik und "Fußballfachleute".


22.06.2013
09:16
Eine Insolvenz würde auch der Stadt viel, viel Geld kosten!
von boelli | #39

Das sollte der Stadt Duisburg klar sein! Auch wenn man dem Fußball nicht besonders zugetan ist muss man umdenken. Die Folgekosten einer Insolvenz des Vereins würde auch die Stadt in noch größere Schwierigkeiten bringen als sie ohnehin schon hat! Das Stadion kann nicht vor sich hin dümpeln! Es kostet nach wie vor viel Geld. Und wenigstens ein Teil davon kann man über Liga-Fußball erwirtschaften. Über weitere Nutzungen kann man sich dann auch noch unterhalten. Ziel muss es aber sein, mittelfristig wieder Liga-Fußball in Duisburg zu etablieren. Alles andere wäre ein weiterer Todesstoß für diese Stadt!

22.06.2013
09:08
Für einen Neuanfang mit Schuldenschnitt
von putti | #38

Es ist passiert, was passiert ist, jetzt kann man auf alle Beteiligten schimpfen.
Natürlich kann man erbost sein, das eine so bettelarme Stadt so viel Geld investiert hat, Aber ein Fussballverein ist etwas anderes als eine andere Firma, man siegt es an den vielen Diskussionen die im Moment stattfinden.
Deshalb hat ein Engagement der Stadt, man kann über die Höhe streiten, schon seine Berechtigung.
Jetzt gilt es den Schaden klein zu halten.
Eine Insolvenz wäre sicher die schlechteste Lösung, sie würde bedeuten das das Geld weg wäre und der Verein Pleite.
Ich glaube es wäre allen am besten mit einem Schuldenschnitt und einem Neuanfang in der 3.Liga gedient
So behält die Stadt ihr Aushängeschild und erhält die Hoffnung auf eine bessere Zukunft des Vereins und des Stadions.
Für viele Menschen in Duisburg ist der MSV eine Herzensangelegenheit.

1 Antwort
Stadt Duisburg fordert Kredit-Rückzahlungen vom MSV
von scw45 | #38-1

Was soll ein Schuldenschnitt bringen? Glaubt hier wirklich jemand ernsthaft daran, dass der MSV jemals seine Schulden zurückzahlen kann? Das ganze Gelaber, dass sie Stadt durch eine Insolvenz viel Geld verlieren würde kann ich nicht mehr hören. Bei einem Verbleib in Liga 3 werden die Verluste höher sein!
Eine Saison in Liga 3 würde auch nur über neue Kredite möglich sein, da der MSV nicht kostendeckend Arbeiten kann. Und das liegt daran, dass die ganze Konstruktion auf Liga 1 ausgerichtet ist und nicht 3. Liga. Das Funktioniert nicht!

22.06.2013
08:59
Liebe Politik in Duisburg!
von boelli | #37

Wenn man etwas erreichen will muss man investieren. Bei der Brückenunterhaltung wurde jahrelang gespart, weil man kein Geld hatte. Man hat das Geld für andere überflüssige Dinge verplempert. Wohin hat das geführt? In Ruhrort wurde eine Brücke gesperrt. Andere wurden Brücken wurden in der Befahrbarkeit eingeschränkt und müssen nun neu gebaut werden. Die Kosten belaufen sich auf ein vielfaches, was eine anständige Unterhaltung gekostet hätte. Das Stadion soll nun auch zu solch einem Fall werden? Ich kann das nicht glauben! Habt ihr aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt? Man muss alles, aber auch wirklich alles, daran setzen, nun vernünftige Lösungen für den Verein MSV und vor allen Dingen für die Stadt Duisburg zu finden. Es ist keine Lösung sich zurück zu ziehen und sich darauf zu berufen man habe kein Geld. Die Folgekosten eine Absage hätten gewaltige negative Auswirkungen auf diese Stadt. Wollt ihr das Schilda dieses Landes werden?

22.06.2013
08:46
Was bringt es, wenn die Gläubiger ihr Geld zurück wollen?
von boelli | #36

Eines ist dann sicher: In Duisburg steht dann ein weiteres Millionen-Objekt, mit dem niemand etwas anfangen kann. Einen Umbau des Stadions kann es aus Kostengründen nicht geben und einen Abriss eben so wenig. Wem ist also mit einer möglichen Insolvenz des Vereins geholfen? Antwort: Niemanden! Die Probleme würde nur noch viel größer als sie jetzt schon ohnehin sind. Weitere Negativ-Meldungen über unsre Stadt würden sich anschließen. Können und wollen wir uns das in dieser Stadt noch erlauben? Ich denke, nein! Auch wenn es den "Nicht-Fans" nicht gefällt. Hier gilt etwas anderes: Die Insolvenz des Vereins würde auch die Stadt noch weiter in die Negativ-Zone stürzen. Die Folgekosten und auch der Imageschaden würden nachhaltig alles zerstören was diese gerade versucht wieder aufzubauen. Die Politik und die Verwaltung müssen alles versuchen, das zu verhindern! Die "Macher" die dieses Szenario inszeniert haben müssen sich nun fragen, was sie angerichtet haben.

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