Stadt Duisburg darf Platanen am Hauptbahnhof doch fällen

Die 32 Platanen vor dem Duisburger Hauptbahnhof sollen für die Bebauung der Bahnhofsplatte und den Umbau der Mercatorstraße fallen.
Die 32 Platanen vor dem Duisburger Hauptbahnhof sollen für die Bebauung der Bahnhofsplatte und den Umbau der Mercatorstraße fallen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Platanen an der Mercatorstraße dürfen gefällt werden. Die Bezirksregierung hat die Sichtweise der Stadt bestätigt, die Naturschützer sind enttäuscht.

Duisburg.. Die Stadt Duisburg darf die Platanen entlang der Mercatorstraße fällen. Dafür hat die Bezirksregierung nun grünes Licht gegeben. Engagierte Bürger hatten bei der Bezirksregierung Eingaben gemacht und wollten erwirken, dass die Bäume erst wieder im Herbst gefällt werden dürfen.

Stadtplanung Die Stadt argumentierte, dass das Bundesnaturschutzgesetz, wonach Bäume zwischen 1. März und 30. September nicht gefällt werden dürfen, hier nicht gelte. Es bestehe erhöhte Dringlichkeit. Die Platanen müssten weg, damit mit den Straßenbauarbeiten begonnen werden kann. Diese sind notwendig, um danach die Bahnhofsplatte zu gestalten. Die Platanenretter sind von der Entscheidung der Bezirksregierung enttäuscht.

Öffentliches Interesse überwiege, sagt die Bezirksregierung

In der Begründung der Bezirksregierung heißt es: „Die Stadt Duisburg konnte nachvollziehbar darlegen, dass das öffentliche Interesse in Bezug auf die erteilte Befreiung hier überwiegt.“ Unmittelbar vor der Fällung der Bäume soll jedoch eine erweiterte artenschutzrechtliche Begutachtung durchgeführt werden.

Mercatorstraße Dazu werden potentiell vorhandene Lebensräume vor Beginn der Baumfällung unter Einsatz eines Hubwagens genauer inspiziert. „Sollten hierbei Lebensräume schützenswerter Arten aufgefunden werden, müsste die Stadt für Ausgleich sorgen oder die Bäume erhalten“, gibt die Bezirksregierung der Stadt am Freitag mit auf den Weg.

BUND sieht keinen Grund für Ausnahmeregelungen und unzumutbare Härte

„Das ist traurig, aber wahr“, zeigt sich Gerhard Schwemm (Bündnis 90/Die Grünen) von der Entscheidung enttäuscht. Kerstin Ciesla, Vorsitzende des BUND, geht davon aus, dass die Stadt nun in der kommenden Woche Fakten schaffen wird. Sie versteht das Vorgehen nicht: „Das Bundesnaturschutzgesetz spricht von Ausnahmeregelungen und unzumutbarer Härte, um auch außerhalb der gesetzlichen Fristen Fällungen vorzunehmen.“ Allerdings plane die Stadt den Umbau der Mercatorstraße seit 2013.

„Warum soll jetzt eine unzumutbare Härte vorliegen?“, fragt Ciesla. Parallel zur Veröffentlichung der Bezirksregierung, wurde dem BUND am Freitag Akteneinsicht gewährt. „Von der Bezirksregierung wurde bisher lediglich ein Förderantrag genehmigt, dieser bezieht sich ausschließlich auf die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Die Mittel sind bis 2018 abzurufen.“ Ciesla kann da keine zwingende Abhängigkeit zur Fällung der Platanen und Umgestaltung der Straße erkennen.

Baumschützer planen Protestaktionen bei Fällung

Die Stadt allerdings gibt noch keinen Zeitplan für das weitere Vorgehen bekannt. „Wir müssen das benötigte Gerät für die Arbeiten beschaffen“, sagt Stadt-Sprecherin Anja Kopka. Zudem befinden sich unter den Platanen Parkplätze. Dort müssen 48 Stunden vorher Schilder aufgestellt werden, dass dort nicht geparkt werden darf.

Die Platanenretter wollen nun beobachten, wann die Stadt aktiv wird – und die Arbeiten mit entsprechenden Protestmaßnahmen begleiten. „Fair wäre es, das Bürgerbegehren durchführen zu lassen“, sagt Ciesla. Am Mittwoch haben die Baumretter einen Termin mit dem Rechtsamt, um ein mögliches Vorgehen zu beraten.