Duisburg

Staatsschutz ermittelt nach Hitlergruß aus dem Fan-Block des MSV Duisburg

Taten und Worte sind jetzt gegen rassistische und antisemitische Parolen gefordert. Im März verlangten die Fans Taten beim Spiel gegen Greuther Fürth von der Mannschaft. Jetzt sind nach den Vorfällen von Halle der Verein, die Fan-Betreuer und die Polizei gefragt.
Taten und Worte sind jetzt gegen rassistische und antisemitische Parolen gefordert. Im März verlangten die Fans Taten beim Spiel gegen Greuther Fürth von der Mannschaft. Jetzt sind nach den Vorfällen von Halle der Verein, die Fan-Betreuer und die Polizei gefragt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Beim Pokalspiel des MSV Duisburg in Halle schallten antisemitische und rassistische Parolen aus dem Duisburger Fanblock. Da einer der MSV-Anhänger auch noch die Hand zum Hitlergruß hob, ermitteln nun Polizei, Staatsschutz. Auch der MSV muss und wird etwas tun, allein um die echten Fans zu schützen.

Duisburg. Der MSV hat ein Problem – auf dem Platz, aber auch auf den Rängen. Beim Pokalspiel in Halle am vergangenen Samstag schallten antisemitische und rassistische Parolen durch die Reihen kleinerer Gruppen, reckte sich eine Hand zum Hitlergruß. Der Verein ist alarmiert. Polizei, Staatsschutz und Staatsanwaltschaft ermitteln. Da braut sich was zusammen, gewinnt neue Brisanz.

„Der MSV Duisburg und seine Anhänger wehren sich entschieden gegen jede Art von Diskriminierung oder Rassismus. Wir stehen allen Menschen offen und mit Respekt gegenüber“, heißt es in einer Erklärung des Vereins von Dienstag. Ein aktueller Anlass wird in der Mitteilung auf der Homepage nicht genannt. In der Fan-Szene allerdings ist klar: Es ging um antisemitische Ausfälle und Pöbeleien gegen ethnische Gruppen, die immer wieder abfällig als „Zigeunerpack“ bezeichnet wurden.

Rassistische Parolen

Mehrfach, so berichten Anhänger, fielen im Block der mitreisenden Duisburger sowie im Eingangsbereich des Stadions rassistische Äußerungen. Der Ausgangspunkt dafür waren Berichten von Fans zufolge die Mitglieder einer Gruppe, die die Nähe zur Hooligan-Szene sucht und besonders aggressiv auftritt – auch gegenüber MSV-Anhängern. Zugleich mussten verängstige Familien von Ordnern aus den Pulks geholt werden.

In Halle verbreiteten Teile dieser Gruppe auch antisemitische Parolen. Häufig sei „Judenschwein“ und ähnliches gegrölt worden, erklärt ein mitgereister MSV-Fan gegenüber der WAZ. Da die Gewaltbereitschaft der Personen bekannt sei, habe es in der Kurve kaum Proteste gegeben. Offen sei auch neonazistische Symbolik gezeigt worden. In einem Internet-Forum, in dem MSV-Anhänger die Ereignisse des Wochenendes diskutieren, erklären einige Mitglieder, dass aus Furcht vor Gewalt nicht mit einer Intervention aus den Reihen der Fans gerechnet werden könne.

Zugleich forderte der MSV in seiner Erklärung dazu auf, Beobachtungen mitzuteilen und „aktiv dazu beizutragen, dass der MSV ein Verein ist, in dem sich alle Menschen wiederfinden können“.

Vermeintliche Fans in Zivil

800 Fans waren laut MSV-Pressesprecher Martin Haltermann nach Halle mitgefahren. Die meisten wohlgemerkt Fans. Doch darunter eben auch andere Trupps, nicht mal in MSV-Kluft, sondern weiß gekleidet, so berichten es Augenzeugen. In Zivil, wie die Polizei bestätigt. „Das war schon extrem“, so Haltermann. Schon in der Bundesliga-Rückrunde hatten beim Verein wegen ähnlicher, einzelner Vorkommnisse die Alarmglocken geschrillt. Bereits vorbereitet sind Ansagen für den heimischen Stadionsprecher und Texte auf der Anzeigentafel, wenn sich am Samstag beim ohnehin nicht unbrisanten Heimspiel gegen Dresden ähnliche Attacken Bahn brechen sollten.

Der MSV, betont Haltermann, muss und wird etwas tun, allein auch um die echten Fans zu schützen. Fan- wie Sicherheitsbeauftragter sind eingeschaltet, es gibt intensiven Kontakt zum Fan-Projekt und zu Fan-Clubs und Vereinen. „Wir müssen mit aller Macht verhindern, dass das größere Ausmaße annimmt“, betont Haltermann . Stadionverbote sind ein probates Mittel. Doch dafür müssten Täter auch ermittelt und identifiziert werden. Zugleich, so heißt es, seien einzelne befristete Stadionverbote jetzt ausgelaufen.

Staatsanwaltschaft prüft Tatbestand der Volksverhetzung

MSV-Vorstandschef Andreas Rüttgers erklärte am Dienstag: „Wir akzeptieren weder Vandalismus noch Rechtsradikalismus. Es wäre aber fatal, so zu tun, als wäre Duisburgs Fanszene problematisch im Vergleich zu anderen Klubs. Solche Themen sind nicht nur speziell auf den Fußball gemünzt, sondern auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Da muss man entsprechend entgegenwirken. Für uns als Verein geht es um ein klares Distanzieren, dann müssen wir den Weg weiterverfolgen und bei Verstößen reagieren.“

„Wir betrachten die Entwicklung mit Sorge“, so Polizeisprecher Stefan Hausch. Und sie betrachtet sie ganz genau. Vor allem beim nächsten Heimspiel. Nach ihren Erkenntnissen haben sich da einzelne Gruppierungen zusammengeschlossen. Von Rechts gegen Links ist da auch die Rede, von gezielten Provokationen. Nach Halle prüft die Staatsanwaltschaft nach Anzeigen der Polizei den Tatbestand der Volksverhetzung. Hausch: „Mit Sport hat das nichts zu tun.“