Spuren österlicher Vergangenheit im Duisburger Museum

Eine Backform für Osterlämmer aus dem Kultur- und Stadthistorischen Museum in Duisburg.
Eine Backform für Osterlämmer aus dem Kultur- und Stadthistorischen Museum in Duisburg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Von der Backform bis zu Keramiktellern: In der Sammlung des Kultur- und Stadthistorischen Museums am Innenhafen gibt es Stücke mit Bezug zu Ostern.

Duisburg.. „Wir sind ein Gemischtwarenladen“, sagt Werner Pöhling unverblümt über das Stadtmuseum. Hervorgegangen aus der Sammlung des „Duisburger Altertumsvereins“, wurden in den Anfängen im Jahre 1902 im Dachgeschoss des Rathauses die Duisburger aufgerufen, dem Museum historische Gegenstände zu spenden. Auch Alltagsdinge, die künftigen Generationen Auskunft geben sollten über die Geschichte Duisburgs und das Leben am Niederrhein.

Nach über 100 Jahren sind die Depots am Standort am Johannes-Corputius-Platz im Innenhafen so gut gefüllt, dass heute nur noch wenige, ausgewählte Stücke angenommen werden. Wie umfangreich die Sammlung ist, kann man nur schätzen, ist mit 100 000 deutlich zu niedrig angesetzt, so Doris Lydia Stark, seit 1984 Restauratorin im Museum. Sie hat sich mit Volontärin Dr. Andrea Gropp auf die Suche nach Österlichem gemacht.

Formen zum Plätzchenbacken

„Das Fabergé-Ei habe ich nicht gefunden“, schmunzelt die Restauratorin mit Blick auf die berühmten und wertvollen Schmuck-Eier aus St. Petersburg. Im Museum landete mehr Praktisches: Wie eine zweiteilige Lamm-Backform aus Weißblech für die österliche Bäckerei, wie sie sich seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert hat. Oder handgeschnitzte Formen aus Holz, in denen früher Plätzchen gebacken worden sind. Sie erinnern an Spekulatius-Formen, aber die frühlingshaften Motive sind offenkundig für Oster-Plätzchen gedacht.

Wie alt diese Backformen und wann sie ins Museum gekommen sind, ist nicht mehr nachzuvollziehen. „Früher wurde sehr offen gesammelt“, sagt Pöhling. „Außerdem wussten die Leute oft selbst nicht, aus welchem Jahr das Küchengerät oder die Bibel stammt, die sie im Keller oder auf dem Speicher gefunden haben.“ Das Museum sammelt und bewahrt auch Stücke, „mit denen man auf den ersten Blick nichts anfangen kann“ – bis vielleicht dann doch eine Ausstellung gezeigt wird, in die das Stück gut passt.

Andersherum werden auch Bürger um Hilfe gebeten, wenn noch Exponate fehlen. „So ist auch mein alter Wehrpass ins Museum gekommen“, schildert Pöhling. „Den habe ich als Verweigerer bei Friedensdemos geschwungen.“ Für die Ausstellung „Trau’ keinem über 30“ über die „68er“-Bewegung war dieses Dokument höchst willkommen.

Christlich-österliche Motive kann jeder Besucher in der ständigen Sammlung entdecken: zwei Keramikteller, einer bemalt mit dem gekreuzigten Christus, einer mit dem Kreuz und den Folterwerkzeugen nach der Abnahme des Leichnams. Hinter den Exponaten verbirgt sich eine tragische Geschichte. Stammen die Teller doch aus der umfangreichen Sammlung mit niederrheinischer Keramik der Duisburger Familie Cohen. In der Pogromnacht im November 1938 drangen Nazi-Schergen in die Wohnung der jüdischen Familie ein und zerschlugen alles – auch die Sammlung, die zum Teil schon in Kisten zum Abtransport ins Museum verpackt war. Das Ehepaar Cohen nahm sich in der Silvesternacht das Leben. Aus den Scherben konnten einige wenige Teller wieder zusammengesetzt werden.