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Spielsucht: Der lange Weg zur Therapie

19.09.2015 | 08:11 Uhr

Die Glücksspielsucht verläuft schleichend. Oft merken Betroffene erst, wenn es zu ernsten finanziellen Problemen kommt, dass sie etwas tun müssen. „Sie verleugnen die Realität. Oft auch dann, wenn sie sich hoch verschulden“, erklärt Sozialarbeiter und Suchttherapeut Ulf Weidig. Hilfe leistet er im Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen in der Alexianer Bürgerhaushütte in Rheinhausen.

Ulf Weidig hat viele Menschen kennengelernt, die sich mit einer Therapie nur langsam aus der Abwärtsspirale Spielsucht befreien können. „Betroffene sehen sich selbst nicht als süchtig oder krank“, erklärt er. Frank Eggebrecht, Leiter der Einrichtung, weiß, dass der Schritt zur Therapie entsprechend schwer ist. „Oft kommen die Menschen mit Rückenwind zu uns, wie wir sagen“, erklärt er. „Das heißt, dass Familienangehörige sie überzeugen konnten, diesen Schritt zu gehen.“

Oft liege aber genau da ein Problem: „Es gelingt den Glücksspielsüchtigen häufig, ihre Sucht geheim zu halten“, sagt Weidig. „Erst bei einer finanziellen Katastrophe fliegen sie auf. Wenn plötzlich kein Geld mehr da ist, Rechnungen zu bezahlen sind oder die Ehefrau von überzogenen Konten erfährt, dann gibt es oft kein Leugnen mehr.“

Entschließen sich Betroffene zu einer Therapie, dauert es einige Zeit, bis sie diese auch wirklich als konkrete Möglichkeit erkennen, das Leben zu verbessern. „Die Anlaufzeit bewegt sich zwischen einem und zwei Jahren. Viele verschieben Termine und finden Ausreden. Doch wir haken nach, können die Patienten überzeugen, am Ball zu bleiben“, so Weidig. In Einzelsitzungen und auch bei Gruppengesprächen lernen die Betroffenen ihre Krankheit kennen, setzen sich damit auseinander und finden Wege aus der Sucht.

Weidig weiß, dass viele das Glücksspiel als Ausgleich bei jeglichem Stress benutzen. „Es geht gar nicht so sehr ums Gewinnen“, erklärt er. „Es geht eher darum, sich abzureagieren, einen Kick zu erfahren.“ Die Betroffenen kommen aus sämtlichen gesellschaftlichen Schichten. „Es gibt Menschen, die am Existenzminimum leben und das letzte Bisschen verzocken, andere verdienen unfassbar viel und sind trotzdem immer pleite, weil sie alles verzocken“, weiß Eggebrecht. Auch seien alle Kulturen betroffen, jedoch ist der Anteil der Migranten unter den Patienten hoch. In der türkischen Kultur sei das Glücksspiel fester verankert als in der deutschen, wissen die Experten.

Dennis Bechtel

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Spielsucht: Der lange Weg zur Therapie
Spielsucht: Der lange Weg zur Therapie
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2015-09-19 08:11
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