Spender für Mittagstisch gesucht

Wanheimerort..  Aus der Küche duftet es. Die Speisekarte verrät: Es gibt Kassler mit geschnibbelten Bohnen. Bis zu 20 Kinder werden jeden Mittag im evangelischen Jugendzentrum an der Nikolaistraße beköstigt. Vor zehn Jahren hat das Jugendzentrum den Mittagstisch eingeführt. „Es kamen immer mal wieder Jungen und Mädchen mit knurrendem Magen. Da haben wir Stullen geschmiert“, beschreibt Pfarrer Rolf Seeger die Situation vor zehn Jahren. Seitdem sind es eher mehr Kinder geworden, auf die zu Hause mittags kein Essen wartet. Nun ist das Angebot allerdings in Gefahr. Der Sponsor, der den größten Teil der 9000 Euro Kosten übernommen hat, ist abgesprungen. Nun müssen neue Spender her.

Kinder helfen beim Schnibbeln

„Wir sind sehr dankbar, dass wir über die Jahre unterstützt wurden. Wir legen Wert auf frisches Essen“, betont Seeger. Von dem Geld wird vor allem die Köchin bezahlt. Die Lebensmittel kommen von der Tafel, ein kleiner Teil, etwa, wenn zu wenig Salat oder Fleisch geliefert wurde, muss eingekauft werden. Die Kinder bezahlen einen Euro pro Mahlzeit. „Pfannkuchen sind besonders beliebt, aber ich versuche natürlich, den Kleinen auch Bohnen schmackhaft zu machen“, erklärt Annette von Häfen. Die Mutter von fünf Kindern kennt sich aus – und zeigt dem Nachwuchs, wie man eine Tomate richtig schnibbelt.

„Bei uns kommen nicht nur Essen, sondern auch Probleme auf den Tisch“, berichtet Diplom-Pädagoge Demian Gorr. „Wir sind die ersten, die die Kinder nach der Schule sehen. Natürlich fragen wir, wie es war.“ Nach dem Essen werden gemeinsam Hausaufgaben gemacht. Das ist in der Betreuung inklusive. Später am Nachmittag startet dann das offene Angebot des Jugendzentrums. In gewisser Weise sind er und die anderen manchmal auch Familienersatz. In Wanheimerort leben viele Alleinerziehende mit Kindern. „Aber hier werden auch Freundschaften über Schulgrenzen hinweg geschlossen“, weiß Seeger, der schon viele Generationen in der Einrichtung begleitet hat.

Künftig soll in der Gemeinde für das Angebot gesammelt werden. Auch die eine oder andere Kollekte wird für den Mittagstisch verwendet. „Momentan finanzieren wir uns gerade über Rücklagen. Bis zum Ende des Jahres müssen wir eine Lösung finden“, so Seeger. Gesucht werden Spender, die sich langfristig mit einem Betrag engagieren wollen. „Natürlich kann sich jeder, der helfen will, ein Bild von der Einrichtung machen und uns beim Kochen zuschauen“, wirbt Gorr. Er glaubt fest daran, dass das Angebot gerettet werden kann. Einen Plan B haben er und Seeger nämlich noch nicht in der Tasche.