Speedführungen durch das Museum Küppersmühle

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Unter dem Titel „Spotlights 2015" bietet das Museum Küppersmühle am Duisburger Innenhafen jetzt auch Speedführungen an.

Duisburg.. Ein Häppchen Höfer, einen Bissen Baselitz und das Ganze abgerundet mit einer Prise Penck, dazu ein Bier oder einen Softdrink. So eilt der Besucher im Museum Küppersmühle mit dem Glas in der Hand von Wand zu Wand. Derartige Bilder drängen sich zumindest vor das innere Auge beim Blick auf das neue Angebot des Museums unter dem Titel „Spotlights 2015 - Speedführungen durch das MKM“.

Was wird da geliefert? Kunst in verträglichen Dosen für Kulturbanausen? Eine Portion moderne Malerei für den kleinen Kulturhunger zwischendurch? Oder alles Wissenswerte zu den ausgestellten Werken der ständigen Sammlung leicht gekürzt in 20 Minuten? Weder das Eine, noch das Andere macht Suria Kassimi deutlich, die im September vergangenen Jahres die erste Test-Führung dieser Art übernahm. Mit Erfolg. Seitdem ist das Museum auf Speed, und das hat mit hohem Tempo oder Raserei durch das Haus rein gar nichts zu tun.

Schlaglichter auf ausgewählte Werke

Das Gegenteil ist eher der Fall, wie Suria Kassimi erklärt: „Es geht um Schlaglichter auf ausgewählte Werke. Jedem widme ich 20 Minuten. In dieser Zeit will ich mit den Menschen in den Dialog kommen, auf ihre Fragen zu dem Werk eingehen und ihr Interesse auch für das Haus wecken.“ Auf gar keinen Fall will die studierte Kunsthistorikerin und Künstlerin wie bei einer klassischen Führung, die sie auch im MKM macht, monologisieren oder gar dozieren. „Das eben ist genau nicht die Absicht, die hinter der Speedführung steckt“, sagt sie.

Vielmehr gehe es um die Fragen, die ein Kunstwerk beim Betrachter auslöst. Auch ganz banale. „Sie stehen etwa vor einer Fettecke von Beuys und denken sich, was soll das? Was soll denn der Mist? Das kann ich auch“, nennt Suria Kassimi ein Beispiel, das wohl jeder nachvollziehen kann, der sich auch nur ansatzweise mal mit moderner Kunst im Museum befasst hat. Denn nicht wenige Besucher denken es nur, viele sprechen es auch laut aus. „Das kann meine dreijährige Tochter genauso gut“, und ähnliche Kommentare haben da keinen Seltenheitswert.

Erklärungen und viel Freiraum

Suria Kassimi nimmt solche Fragen durchaus ernst, wenn sie damit konfrontiert wird: „Ich biete Erklärungen zu den einzelnen Werken an, ich verkünde keine Wahrheiten. Ich will den Besuchern möglichst viele Freiräume geben.“ Auf diese Art entstehe ein lebendiger Dialog über Kunst, der ihrem Naturell ohnehin mehr entspreche als die klassische Führung. „Ich bin nicht der Erklär-Bär“, lacht Suria Kassimi. „Ich finde es gut, wenn die Menschen sich über Kunst aufregen oder davon berührt werden, dann hat sie Wirkung.“

Und so war die in Recklinghausen lebende Künstlerin auch sofort bereit, die Speeführungen zu übernehmen, als René Freund von der Stiftung Kunst und Kultur im vergangenen Jahr jemand suchte, der schnell auf die Reaktionen von Besuchern eingehen kann. Aus dem Stegreif über Kunst zu sprechen, fällt der kommunikativen Kunsthistorikerin überhaupt nicht schwer. „Ich hab ein profundes Studium der Kunstgeschichte absolviert.“ Dass sie zudem auch Wahrnehmungspsychologie studiert hat, erleichtert ihr den Umgang mit Museumsbesuchern obendrein.

Nach zwanzig Minuten kann man gehen - oder bleiben

Aber worin besteht denn nur der Speed bei ihren Führungen? „Darin, dass jeder nach den ersten 20 Minuten auch wieder gehen kann, wenn es ihm reicht“, meint Suria Kassimi. Wem nicht, der kann die gesamte Führung mitmachen, die sich über drei Stunden erstreckt, aufgeteilt in sechs mal 20 Minuten mit entsprechenden Pausen zwischendurch. „Wenn man 20 Minuten einer Sache gefolgt ist, ist man vielleicht ein bisschen müde“, begründet die Künstlerin, warum die Pausen notwendig sind.

Ihre Erfahrungen bei der ersten Speedführung haben jedenfalls gezeigt, dass diese Art der Auseinandersetzung mit Kunst sehr gut ankommt. „Im September letzten Jahres kamen 70 Leute zu der Speedführung. Ein absolut gemischtes Publikum. Vom klassischen Museumsgänger bis zum völlig unvorbereiteten Jugendlichen war alles dabei, und die meisten blieben bis zum Schluss.“ Schon deshalb freut sich Suria Kassimi auf die vier Speedführungen, die das MKM in diesem Jahr mit ihr anbietet. Aber sie hat auch noch einen persönlichen Grund: „Das ist ein Profil, das wirklich zu mir passt.“