Sparkasse schließt jede zweite Filiale

Die Sparkasse wird in den kommenden sieben Jahren die Zahl der mit Mitarbeitern besetzten Geschäftsstellen halbieren. Viele kleinere Geschäftsstellen werden zusammengelegt, dafür soll in allen sieben Bezirken je ein Flaggschiff-Filiale entstehen, zum Teil wird neugebaut. Neben größeren, attraktiveren Standorten soll es zudem mehr Selbstbedienungs-Stellen geben. 2022 sollen von den 42 Filialen 21 übrig bleiben, mit dem Ausbau der SB-Terminals wird es insgesamt 53 statt 69 Standorte geben. 30 Millionen Euro will die Sparkasse in die „umfassende Modernisierung und Neuausrichtung im Privatkundengeschäft“ investieren, erklärte gestern der Vorstandsvorsitzende Joachim Bonn.

Der Umbau kommt nicht überraschend, Bonn hatte ihn bereits im Frühjahr angekündigt. Zudem ist seit Jahren bekannt, dass die Mietverträge fast aller Standorte in zwei Jahren auslaufen. „Wir folgen hier weder dem Rasenmäherprinzip noch betreiben wir blinden Aktionismus. Wir sind kerngesund und handeln nicht wie andere aus der Not heraus. Unsere Kunden haben sieben Jahre Zeit, sich auf die Neuausrichtung einzustellen.“

Der „Megatrend der Digitalisierung“

Als Grund für die „Renovierung“ der Sparkasse nannte Bonn den „Megatrend der Digitalisierung“, die historisch einmalige Tiefstzinsphase, die den Kreditinstituten erheblich zu schaffen macht, sei nur ein Beschleuniger. Immer mehr erledigen ihre Bankgeschäfte übers Internet und über Smartphones, jeder siebte Kunde kommt höchstens einmal im Jahr in die Geschäftsstelle. „Die Nähe zu den Kunden nur in Metern zu fassen, ist nicht mehr zeitgemäß.“ Das heutige, dichte Filialnetz sei am Bevölkerungsstand der Achtziger Jahre ausgerichtet. „Wir haben mehr Standorte als alle anderen Banken in Duisburg zusammen. Das wird allerdings auch in Zukunft so bleiben“, so der Sparkassen-Chef. Der Umbau soll ab 2022 rund 11 Millionen Euro Kosten sparen.

Generell soll es weniger Service, aber mehr Beratung geben. „Einen Tankwart gibt es heute auch nicht mehr“, sagt Bonn. Es gehe auch darum, eine „neue Nähe zu den Kunden“ zu finden: „Der Kunde soll die Form des Kontaktes frei wählen können, es wird nicht mehr Anonymität geben, der Berater bleibt der Lotse.“ Ab 2016 werden acht Berater neue Wege über digitale Kanäle wie Chat oder Videotelefonie austesten, auch weit außerhalb der sonst üblichen Öffnungszeiten.

An dem neuen Konzept sei 15 Monate täglich detailliert gearbeitet worden. Auf die sonst bei derartigen Umstrukturierungen üblichen Unternehmensberater, die einen siebenstelligen Betrag gekostet hätten, habe man verzichtet.

Bis 2022 wird sich die Mitarbeiterzahl in Geschäftsstellen von 500 auf 411 reduzieren. Der Abbau erfolge nur durch Fluktuation und genüge „höchsten sozialen Standards, betonte Bonn: „Betriebsbedingte Kündigungen sind ebenso ausgeschlossen wie Besitzstandsverluste.“ Der Vorstand hatte die Mitarbeiter gestern Nachmittag in der Rheinhausenhalle informiert, rund 900 der 1250 Mitarbeiter kamen, um sich im Detail das Konzept erklären zu lassen, dem der Verwaltungsrat am Vortag einstimmig zugestimmt hatte,