Spannendes Konzert kommt ohne Dirigent aus

Beim 6. Philharmonischen Konzert war Hochspannung angesagt, denn diesmal spielten die Duisburger Philharmoniker ohne Dirigenten. Geiger Kolja Blacher hatte die Leitung übernommen. Die erste Überraschung ist, dass Blacher für Beethovens Ouvertüre zu „Coriolan“ seinen Konzertmeisterposten nicht stehend einnimmt wie etwa André Rieu sondern sitzend, wodurch er von den Musikern in den hinteren Reihen nicht so gut wahrgenommen werden kann. Blacher aber hat das ganze Ensemble im Blick. Er wiegt sich oft im Takt der Musik. Viele andere Streicher folgen diesem Beispiel, als würden sie den Takt mit dem ganzen Körper schlagen. Beethovens Musik klingt in den wuchtigen Eröffnungs-Akkorden sehr geschärft, und die Dramatik des Stückes wird packend heraus gekitzelt.

Von den Bläsern ist bei dieser Art des Musizierens besondere Konzentration gefordert, da sie zwischen zwei Einsätzen oft größere Pausen haben; diesmal müssen sie ohne das Zeichen des Dirigenten auskommen. Beachtlich ist die Homogenität, mit der die Philharmoniker die Musik gestalten, lediglich einmal macht sich etwas rhythmische Unruhe breit, und Blacher vernachlässigt kurz sein Geigenspiel, um mit seinen Blicken das Geschehen zu ordnen.

Als Teamspieler zeigt sich der Geiger auch im Konzert für Violine und Orchester von Robert Schumann. Er musiziert den Solopart frisch und virtuos, gleichzeitig aber unaufdringlich und sehr gut mit den Philharmonikern abgestimmt. Hier hätte das Orchester an originell instrumentierten Stellen durchaus die Möglichkeit gehabt, noch stärker zu glänzen. Wenn Blacher als Solist zur Violine greift, übernimmt Konzertmeister Önder Baloglu die Führung.

Nach der Pause erklingt keiner der großen Klassiker, bei denen der Jubel des Publikums sicher ist, sondern das Divertimento für Streichorchester von Béla Bartok. Kolja Blacher lässt drahtig aber gleichzeitig nobel musizieren. Die sorgfältig ausgearbeiteten Spannungsbögen zeigen, wie genau Blacher mit dem Orchester auf den Proben gearbeitet hat. Selbst Beschleunigungen oder polyphon-verzwickte Passagen werden wie aus einem Guss gespielt.

Der Beifall ist groß, und das Publikum spürt, dass es einen ganz besonderen Abend erlebt hat. Mit der traumhaft schönen Zugabe der Beethoven-Romanze G-Dur bedanken sich die Musiker.