Songpoeten kreieren intimen Abend im Hinterhof

Ein Hinterhof irgendwo in der Duisburger Altstadt, dekoriert mit antiken Möbeln und Kerzenleuchtern sowie ein paar Gitarren – mehr brauchten die beiden Singer/Songwriter Tom Liwa und Raphael Kestler nicht für einen intimen und packenden Abend. Es sollte der Auftakt zur Reihe „Salonkonzerte im Sissy Lala“ sein. Kurzfristig war das Konzert aus dem Geschäft für Vintage-Möbel ins Freie verlegt worden.

Manchmal, vor allem wenn er in die Kopfstimme wechselt, wirkt der Gesang von Raphael Kestler beinahe jungenhaft. „Vom Glück“ ist so ein Lied, Erinnerungen an seine Begegnung mit der Liebsten, das „Picknick mit zwei Möhren“ oder dem Schaukeln im Garten. Über all der glücklichen Unbekümmertheit liegt aber doch ein Hauch von Melancholie, wenn der Sänger die Erinnerungen unter den Arm nimmt und als Glück im Museum ausstellt.

Kestlers Texte sind gelungene Gedichte, die sich nicht sofort komplett entschlüsseln und ein Geheimnis bewahren. Sein Gitarrenspiel klingt zunächst fast beiläufig, doch schnell erkennt man die Raffinesse, mit der Kestler ungewöhnliche Akkorde, Läufe, Dämpfungen und verschiedene Stimmungen in den Dienst der Songs stellt.

Lieder müsse er schreiben, wenn sich etwas falsch anfühle, erläuterte Tom Liwa. Das kann etwas vergleichsweise Simples sein, wie ein Neil-Young-Konzert, bei dem sich das Gefühl einschleicht, dass der Rock‘n’Roll „zu groß“ geworden ist. Gleichzeitig ist das Lied, begleitet auf dem Five-String-Banjo, so etwas wie eine musikalische Hommage an das Idol. „Für die linke Spur zu langsam“ leuchtet dagegen in die unehrlichen Momente einer Liebe hinein. Liwa, dessen Stimme immer wärmer und reifer wird, überzeugt nicht nur als Sänger und Lyriker. Zwei verwirrende Kurzgeschichten machten neugierig auf den im Entstehen begriffenen Band „Erde mit Hut“.

Ein wunderbarer Abend mit zwei Songpoeten, die „Ich“ sagen können, ohne dabei um den eigenen Bauchnabel zu kreisen.