So lacht das Revier – Wolfgang Trepper sieht am Rhein klarer

Wolfgang Trepper am Rheinufer in Duisburg-Homberg.
Wolfgang Trepper am Rheinufer in Duisburg-Homberg.
Foto: FUNKE Foto Services

So lacht das Revier: Wolfgang Trepper

Duisburg, 30.01.2015: Wolfgang Trepper lebt mittlerweile in Hamburg, aber hat weiterhin eine Wohnung in Duisburg. "Ich muss den Rhein mindestens alle paar Wochen", sagt der Comedian, der seinen Zuschauern auch traurige Themen zumutet.
Fr, 30.01.2015, 15.34 Uhr

Duisburg, 30.01.2015: Wolfgang Trepper lebt mittlerweile in Hamburg, aber hat weiterhin eine Wohnung in Duisburg. "Ich muss den Rhein mindestens alle paar Wochen", sagt der Comedian, der seinen Zuschauern auch traurige Themen zumutet.

Beschreibung anzeigen
Was wir bereits wissen
Der Kabarettist Trepper redet sich gerne in Rage. Zur Ruhe kommt er in Duisburg am Rhein. Die Wasserfläche verwandelt sich in seine Reflexionsfläche.

Duisburg.. Wenn auf der Bühne ein wütendes „Mann, Du!“ erschallt, dann weiß man mit ziemlicher Sicherheit: Das ist Wolfgang Trepper. Und er hat sich mal wieder in Rage geredet. Anlässe dazu gibt es genug. Frauen, die ihre Männer als Handtaschen-Halter benutzen. Schlagersänger, die den größten Irrsinn verpackt in Noten in die Welt schicken. Oder ganz einfach die Unzumutbarkeiten des Nachmittagsprogramms im Fernsehen. „Mann, Du!“

Aber wenn man Wolfgang Trepper nicht ein bisschen besser kennenlernt, entgeht einem ein wahnsinnig großer Teil seiner Persönlichkeit: Denn der Comedian und Kabarettist wird oft zu einem ganz ruhigen, nachdenklichen, fast schon melancholischen Typen, der sich manchmal einfach auf die schwarzen Steine ans Ufer des Rheins bei Duisburg-Homberg setzt, dem Anbranden des Wassers zuhört und lauscht, was der Rhein ihm zu erzählen hat. Eine ganze CD hat er aus dieser Zwiesprache mit dem Fluss gemacht, den er nicht als „Vater Rhein“ ansieht. „Das ist mein Bruder“, sagt Trepper.

Für ihn wird die Wasserfläche zur Reflexionsfläche, über die er den Blick schweifen lassen kann – und die ihm Gedanken zuspült. Wer sich die vollen Programme des 53-Jährigen anschaut, dürfte diese Nachdenklichkeit recht intensiv zu spüren bekommen. „Ich habe in jedem Programm mindestens zwei, drei tieftraurige Nummern. Die Zugabe ist immer tieftraurig. Da gehen die Leute weinend raus. Die schönsten Nummern sind die, die so traurig sind, dass die Leute am Ende vergessen zu klatschen, weil sie da so drin sind, dass sie gar nicht mehr das Gefühl haben, im Theater zu sitzen. Da habe ich großen Spaß dran“, sagt Trepper und meint das keineswegs hämisch. Obwohl, wenn man ins Kabarett geht, man ja auch ein bisschen Spaß haben möchte. Doch er setzt darauf, dass ein gutes Programm auch ganz bewusste Brüche aushält. Und dass das Publikum das durchaus mitmacht – und vielleicht sogar wertschätzt. „Es gibt ja dieses wunderbare Lied von Mary und Gordy: ,Wer immer lacht, dem glaubt man nicht, dass er auch weinen kann’, heißt es da. Ich kenne keinen, der auf der Bühne witzig ist, der nicht irgendwann sagt, ich brauche Ruhe, ich muss alleine sein, und ich brauche auch eine gewisse Schwermut dazu.“

Vom Cluburlaub zum Hartz-IV-Gesetz

Das ist nicht der einzige Kontrast, den Trepper sich auf der Bühne zutraut. Zugegeben, es sind große Sprünge von Geschichten aus dem Cluburlaub bis zu den Härten unserer sozialen Realität. Aber auch dies vollzieht das Publikum gerne nach, weil die Geschichten intelligent und scharf erzählt werden: „In meinem letzten Programm habe ich einen Text über die Hartz-IV-Gesetze gemacht, in dem ich den Leuten vorrechne, wie eine Frau mit einem Kind an möglichst viel Geld kommt. Nämlich wenn sie chronisch krank ist, am besten Neurodermitis hat, und das Kind Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das klingt zynisch, steht aber so im Gesetzestext. Dann habe ich auf den Cent genau ausgerechnet, wie viel die Frau dann bekommt. Das sind 702 Euro und ein paar Gequetschte. Da rede ich mich dann nicht künstlich in Rage, sondern da rege ich mich tierisch auf, jeden Abend aufs Neue.“ Ein Thema, das für politisches Kabarett in seiner härtesten Form taugt. Und das man ja eigentlich nur bringen kann, wenn man auch etwas verändern möchte. „Verändern kann man nichts, aber man kann dafür sorgen, dass die Leute mit einer anderen Sensibilität nach Hause gehen, wenn sie hören, dass man für Bauchspeicheldrüsenkrebs am Tag 85 Cent zusätzlich bekommt. 85 Cent!!!“

An dieser Stelle merkt man auch, dass der gebürtige Rheinhausener seinen aufklärerischen und journalistischen Anspruch durchaus nicht an der Theatergarderobe abgegeben hat, als er auf die Kleinkunstbühnen wechselte. Schließlich arbeitete er zwölf Jahre lang bei Radio Duisburg. Und das gerne. Ganz geradlinig war seine Biografie zuvor übrigens nicht. Dafür aber interessant.

„Ich habe bei Krupp gelernt in Rheinhausen, wie sich das für einen Rheinhausener gehört“, sagt er – und hat natürlich 1987/88 den Arbeitskampf miterlebt, der die Stadt bis heute prägt. Später hat er das Handball-Bundesligateam des OSC Rheinhausen gemanagt. Und in seiner Radiozeit hatte er eine Comedy-Show, bei der er deutsche Schlagertexte auseinandernahm. Dass daraus mal ein neuer Berufsweg entstehen würde, hätte er nie gedacht. „Nach meinem ersten Auftritt habe ich gesagt: Ich würde gerne einmal ein Programm machen. Und das habe ich gemacht. Ich habe das dann einmal aufgeführt. Und dann habe ich das Programm weggeschmissen. Das muss man sich mal reinziehen.“ Gestorben war die Idee damit noch nicht, denn zugleich entstand der Plan für einen lustigen Jahresrückblick, der gerade zum 13. Mal gelaufen ist. So richtig voran ging es aber erst nach einem Auftritt in Hamburg: „Ohne das Schmidt Theater wäre ich nie so weit gekommen. Ich hatte da einen Auftritt. Und habe dann mit Corny Littmann und Mirko Bott gelernt. Die zwei haben mir klargemacht, dass mein bisheriges Berufsleben nicht richtig war.“

Zum Vergleich: Vorher hatte Trepper etwa fünf Auftritte pro Jahr in Duisburg und Umgebung; heute sind es um die 280, in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, auf Kreuzfahrtschiffen – und auf dem Rhein. „Ich habe tatsächlich mal eine Flusskreuzfahrt gemacht über den Rhein, das war mir wichtig. Ab da, wo er schiffbar ist, bis zur Mündung in Holland. Ich habe also einmal den ganzen Rhein abgeschippert und geguckt, wo der so wohnt.“

Das neue Programm „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“

In diesem Frühjahr allerdings wird Trepper größtenteils wieder festen Boden unter den Füßen haben und auch zur guten, alten Schlagerkritik zurückkehren. Mit einem unerwarteten Stargast: Schlagersängerin Mary Roos („Aufrecht gehn“). Und mit einem unerwarteten Titel: „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“. Die selbst für Comedy gewagte Namenswahl stammt übrigens von Heino, den Trepper und Roos sehr schätzen und der gern erzählt, dass bei jedem Auftritt laut Vertrag alle drei in seiner Garderobe sein sollen. Und als ob das nicht schon Scherz genug wäre, schiebt Heino nach, dass neulich mal die Erdbeeren gefehlt hätten. „Bei dem Titel haben uns mehrere Leute gesagt: Das traut ihr Euch nicht“, so Trepper. „Und wir haben gesagt: Jetzt erst recht.“

Termine finden Sie auf Treppers Seite