Das aktuelle Wetter Duisburg -1°C
Dialog

Smartphones und Reichsmark

22.01.2013 | 19:13 Uhr
Funktionen
Smartphones und Reichsmark
Hilde hat noch ein Poesiealbum. Darüber können die Jugendlichen nur staunen.Foto: Ulla Emig

Duisburg-Kaßlerfeld. Alabolu mit Wackelpudding, Rollatoren und Apps: Beim Treffen von Schülern des Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs mit Senioren der Begegnungsstätte Kaßlerfeld gab es zunächst einige Fachbegriffe aus dem Alltag zu klären, bevor es zum gemeinsamen Essen ging. Seit 2009 kommen die Berufsschüler regelmäßig mit den Senioren zusammen, um eine Begegnung von Jung und Alt zu ermöglichen. Jedes Treffen hat ein Oberthema, gestern stand das „Generationenquiz“ an.

„Was ist eigentlich ein Ei-Fohne?“, lautet die erste Frage einer älteren Dame an die Jugendlichen. Diese antworten mit ungläubigem Gelächter, bevor einer der Schüler versucht zu erklären, was ein iPhone ist: „Damit kann man alles erledigen was man will: telefonieren, chatten und simsen“, sagt er. „Wie habt ihr eigentlich vor den Kaffeepads euren Kaffee gekocht?“, will einer der Jugendlichen wissen.

"Was ist eigentlich Hip-Hop?"

Eva Stürzebecher (73) hat die Antwort: „Wir mussten die Bohnen früher noch selber mahlen, bevor wir den Kaffee aufbrühen konnten“, sagt sie und holt drei antike Kaffeemühlen hervor, um sie den Schülern zu zeigen. Außerdem hat sie alte Poesie-Alben, einen antiken Fotoapparat, Bügeleisen und Reichsmark-Scheine dabei, die sich die Schüler ansehen.

„Was ist eigentlich Hip-Hop ?“, fragt eine ältere Dame. Sie würde den Tanz gerne sehen. Doch die Schüler trauen sich nicht und fragen stattdessen, was der Unterschied zwischen Rock’n’Roll und Twist sei. Stürzebecher steht kruzerhand auf und schwingt die Hüften. Dafür erntet sie johlenden Applaus.

Eine türkische Spezialität

„Ich finde es toll, dass die Jugend auf uns zukommt“, verrät sie und fügt hinzu, dass sie vor allem den Austausch und die Erklärung der vielen englischen Wörter wichtig findet.

„Es macht Spaß, sich mit den Senioren zu unterhalten, sie freuen sich und sind alle noch richtig fit. Einer hat mir von seiner Kriegsgefangenschaft erzählt, ich finde solche Dinge interessant“, sagt der 20-jährige Aktas Aytac. Er hat sich für das Treffen um die Organisation des Essens gekümmert. „Heute gibt es Alabolu, eine neue türkische Spezialität“, schwärmt er. Für die Schale mit Pommes, Fleisch, Salat und Soße können sich auch die älteren Herrschaften begeistern. „Die Mischung aus etwas Warmen und Salat ist sehr lecker“, sagt Marianne Intveen-Lindner (87). Als Dessert gibt es Wackel-, Vanille- und Schokopudding. „Der ist natürlich selbst gemacht, wie früher, und nicht aus der Tüte“, sagt Gabrielle Neuhaus (63), die Leiterin der Begegnungsstätte. Den Jugendlichen schmeckt’s. Bei der nächsten Begegnung geht’s ins Museum.

Verena Barton-Andrews

Kommentare
Aus dem Ressort
Drei Gegendemos stellen sich Pegida in Duisburg entgegen
Pegida
Pegida wird Montag zum dritten Mal in Folge in der Duisburger Innenstadt demonstrieren. Drei Gegendemos wollen ein Zeichen gegen Rechts setzen.
Asbest-Gefahr nach Großbrand in Duisburg-Rheinhausen
Großbrand
Die Duisburger Feuerwehr hat die Reinigungsarbeiten nach dem Großbrand in Rheinhausen beendet. Am Abend wurden die Straßensperren aufgehoben.
Duisburger Azubis aus aller Herren Länder
Ausbildungsmarkt
Laut einer Umfrage stellen nur 15 Prozent aller Betriebe in Deutschland Lehrlinge mit Migrationshintergrund ein. In Duisburg ist die Zahl aber höher.
Duisburger will mit der Vespa durch die Dolomiten
Serie
Der Duisburger Motorroller-Fan Heinz-Gerd Steck aus Hamborn hat jede Menge verschiedene alte Schätzchen und einen großen Traum.
Asbeststaub in Duisburg - Autos werden nach Brand gereinigt
Brand
Eine Rauchwolke ist nach einem Brand in einer Lagerhalle in Duisburg über die Stadt gezogen. Laut Polizei enthält der niedergegangene Ruß Asbeststaub.
article
7511972
Smartphones und Reichsmark
Smartphones und Reichsmark
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/smartphones-und-reichsmark-id7511972.html
2013-01-22 19:13
Austausch, Soziales, Senioren, Jugend, Jugendliche, Dialog, Schule, Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg, Duisburg, Begegnungsstätte Kaßlerfeld
Duisburg