Skandal um Xella-Bröselsteine beschäftigt Justiz noch immer

Bei stehender Nässe können die berühmt berüchtigten Bröselsteine ihrem Spitznamen alle Ehre machen. Doch eine Gefährdung für die Statik der Gebäude, so ließ Xella mehrfach verkünden, bestehe deshalb noch lange nicht.
Bei stehender Nässe können die berühmt berüchtigten Bröselsteine ihrem Spitznamen alle Ehre machen. Doch eine Gefährdung für die Statik der Gebäude, so ließ Xella mehrfach verkünden, bestehe deshalb noch lange nicht.
Foto: WAZ FotoPool
Beim Duisburger Landgericht laufen noch immer rund 20 Zivilverfahren gegen den Baustoffhersteller Xella. Meist geht es dabei um den Hauswert.

Duisburg.. Kein Baustoff hat in den vergangenen Jahren für so hohe Wellen in der Medienlandschaft gesorgt wie die Kalksandsteine, die zwischen 1987 und 1998 von der damaligen Haniel-Bau-Industrie, heute Xella, hergestellt worden. Als „Bröselsteine“ wurden die mit Verbrennungsrückständen, zum Beispiel Flugasche aus Kraftwerken, hergestellten Steine bekannt. Und auch viele Jahre, nachdem der Skandal bekannt wurde, beschäftigt sich das Landgericht Duisburg noch mit entsprechenden Zivilprozessen.

Rund 20 Verfahren sind derzeit im Justizgebäude am König-Heinrich-Platz anhängig. Doch in vielen Fällen geht es nicht etwa darum, dass Hausbesitzern ein realer Schaden entstand, weil ihnen ihr Häuschen verrottet. Es geht, wie in dem Fall, mit dem sich die 11. Zivilkammer am Mittwoch beschäftigen musste, um eine mögliche Wertminderung.

Xella bestreitet, dass seine Steine verbaut wurden

Denn bei einem Verkauf müssten Eigentümer den zukünftigen Besitzer darauf hinwiesen, dass es Probleme geben könnte. Und das kann zu Preisabzügen im fünfstelligen Bereich führen. Das ist auch der Gegenstand einer Klage, die ein Ehepaar aus Huckingen seit 2013 gegen Xella führt. Es fordert vom Gericht die Feststellung, dass das Unternehmen schuld ist, wenn ihr 1988 gebautes Haus weniger erzielt. Dabei gehen die Kläger von 87.000 Euro Wertminderung aus.

Doch mit solch komplizierten Fragen wie, ob die Steine einen zu hohen Schwefelgehalt hatten, weil bei der Produktion minderwertige Industrieabfälle verarbeitet wurden, die sie anfällig für Feuchtigkeit machen, hält sich Xella im vorliegenden Fall nicht auf. Das Unternehmen bestreitet schlicht, dass in dem Haus in Huckingen überhaupt Steine aus seiner Produktion verbaut wurden.

An Unterlagen ist wohl nicht mehr heranzukommen

Und der Beweis des Gegenteils scheint für die Kläger nahezu unmöglich: Das Bauunternehmen, das das Haus errichtete, gibt es nicht mehr, an Unterlagen von Lieferanten ist wohl nicht mehr heran zu kommen. Und ein Zeuge, der in einer Forschungseinrichtung von Xella in Potsdam arbeitet, gab am Mittwoch im Zeugenstand an, dass Verbrennungsrückstände auch in anderen Baustoffen verarbeitet worden seien, ihm aber kein entsprechendes anderes Kalksandsteinprodukt bekannt sei. „Aber das heißt nichts“, so der Experte, „weil die Branche nicht nur aus ein paar Riesen besteht, sondern aus vielen kleineren mittelständischen Unternehmen.“ Da könne man nicht wissen, wer wann was hergestellt habe.

Eine Entscheidung will die 11. Zivilkammer im Juli verkünden.

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