Sinn verdreht

Zu: Braune Tonne
Wir begrüßen die Einführung der Braunen Tonne sehr, auch wenn wir selbst davon nicht Gebrauch machen werden, denn die Braune Tonne ist nicht für die gedacht, die einen Garten haben und die Garten- und Bioabfälle selbst kompostieren (sollten). Und genau die Begründung, dass von jedem NRW-Bürger bis spätestens 2021 etwa 150 Kilogramm pro Jahr an Bio- und Gartenabfall eingesammelt werden sollen, stört uns, denn sie verdreht den Sinn des Gesetzes und seine Intention.

Es geht primär grundsätzlich immer um eine direkte Kreislaufführung aller Ressourcen. Darum ist Kompostierung immer zu priorisieren. Zweitbeste Lösung ist die separate Sammlung. Die 150 kg sind der Indikator, aber nicht das Ziel. Ziel ist es, möglichst viel organische Materialien aus dem Restabfall (graue Tonne) herauszuhalten. Das Angebot ganz gezielt gerade an die Haushalte, die ihre Grün- und Bioabfälle in die Restmülltonne geben, also meistens eher gartenlose Eigentümer und Bewohner im Geschosswohnungsbau. Von daher ist auch völlig unverständlich, dass die Wirtschaftsbetriebe in dieser falschen Klientel-Besiedlung ihren Pilotversuch unternommen haben. Verstehen kann ich das schon, denn es ist dort einfacher als im Geschosswohnungsbau, die Bewohner zur Biotonnennutzung anzuhalten. Als kommunaler Abfallberater habe ich bereits 1994 im Geschosswohnungsbau Eigenkompostierung eingeführt, auch wenn es nicht überall erfolgreich war.

Ein letzter Punkt: Es ist leider weit verbreiteter Unsinn, Zitrusfrüchte nicht kompostieren zu lassen. Letztendlich werden auch Kartoffeln, Gurken, Melonen, Bananen, also so ziemlich alles konventionell angebaute Obst und Gemüse mit Schadstoffen belastet. Konsequenterweise dürfte dann nichts kompostiert oder in der braunen Tonne gesammelt werden.