Sieben Jahre Gefängnis für brutalen Raubüberfall auf Rentner

Sieben Jahre Gefängnis wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und mehrfacher Körperverletzung: Mit diesem Urteil des Landgerichts hatte ein 35-jähriger Libanese aus Duissern gestern offenbar nicht gerechnet. „Sieben Jahre! Für was?“ beschwerte er sich, blieb aus Protest nach dem Urteil stehen, beleidigte den Staatsanwalt als „verf... Bastard“. Auch seine Angehörigen protestierten lautstark. Die Urteilsbegründung musste für 15 Minuten unterbrochen werden, bis sich die Gemüter, auch nach eindringlicher Ermahnungen des Vorsitzenden, wieder etwas beruhigt hatten.

Am 23. Juli 2014 hatte sich der 35-Jährige in Rahm gemeinsam mit einem unbekannt gebliebenen Mittäter an der Wohnungstür eines Rentners als Polizist ausgeben. Kaum hatte der Mann die vermeintlichen Beamten eingelassen, hielten die ihm eine Gaspistole an den Kopf und forderten den Schlüssel zum Tresor. In den hatte der 68-Jährige kurz zuvor seine Lebensersparnisse von 300 000 Euro verwahrt. Er wehrte sich nach Leibeskräften und lag dafür am Ende mit Gesichtsknochenbrüchen, ausgeschlagenen Zähnen und Rippenbrüchen im Keller. Dort landeten auch seine 90 und 93 Jahre alten Eltern, die nebenan wohnen und durch den Krach aufmerksam geworden waren.

Am Ende rang sich der Angeklagte noch zu einem Geständnis durch, schob die größere Schuld aber dem anonymen Mittäter in die Schuhe. Der Staatsanwalt hatte von einer „skrupellosen Tat“ gesprochen und achteinhalb Jahre gefordert.

Die Kammer blieb unterhalb dieses Antrags, weil sie dem 35-Jährigen nicht zuletzt zu Gute hielt, dass die schlimmsten Verletzungen dem Geschädigten offenbar vom Komplizen beigebracht worden waren, nachdem es dem Rentner gelungen war, den Angeklagten auszutricksen und ihn vorübergehend in einem Hauswirtschaftsraum einzusperren.

Von einem strafbefreienden Rücktritt, den der 35-Jährige dem Gericht auftischen wollte, könne aber keine Rede sein, so die Richter. Die Täter seien ohne Beute geflüchtet, weil ihnen die Kontrolle über den Raub, bei dem sie es unerwartet mit drei Personen zu tun bekamen, schlicht entglitten war.