Sie kommen zu Tausenden
13.11.2007 | 19:25 Uhr 2007-11-13T19:25:48+0100Gäste aus Sibirien überwintern auf den Rheinauen. Auf den saftigen Wiesen futtern sie sich ihre Energiereserven für den weiten Rückflug in die Brutgebiete an
BIOLOGISCHE STATION WESTLICHES RUHRGEBIET IM EINSATZ FÜR DIE NATUR Winter für Winter kommen sie geflogen. Zu tausenden lassen sich die Gäste aus der hohen Tundra auf den Duisburger Rheinwiesen nieder, um hier während der kalten Jahreszeit auszuharren. Die arktischen Gänse, allein der Name lässt schon frösteln, haben einen Job: sich eine schöne Fettschicht anzufuttern, um im Frühjahr genügend Reserven für den weiten Rückflug in ihre Brutgebiete zu haben.
Doch genau das ist nicht immer einfach für die Tiere, die sich als Winterquartier ein Ballungsgebiet ausgesucht haben, in dem Grünflächen auch der Erholung und Freizeitgestaltung der Menschen dienen. Spaziergänger sind nun kein Problem. Aber freilaufende Hunde schon. "Wenn Gänse zehnmal am Tag aufgescheucht werden, verlieren sie ihre Fettreserven und kommen nicht mehr nach Sibirien", sagt Klaus Giezek von der Unteren Landschaftsbehörde.
Doch nicht allein für die Wintergäste stellen die Hunde ein ernstes Problem dar. Sie gefährden alle Wildtiere, wie Giezek sagt. Das sieht Dr. Randolph Kricke von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet genauso. "Im Sommer ist Brutzeit, im Winter sind die Gänse hier", appelliert er an Hundehalter, ihre Tiere doch an der Leine zu halten.
Die immer wiederkehrenden Appelle der Mitarbeiter der Biologischen Station an die Menschen, sorgsam mit der Natur umzugehen, hält Giezek für wichtig. Zu den Hunden sagt er: "In Naturschutzgebieten müssen sie angeleint werden." Doch viele Gänse haben sich im Binsheimer Feld und da im landwirtschaftlich genutzten Bereich niedergelassen. "Das ist Landschaftsschutzgebiet, dort dürfen Hunde frei laufen", erläutert Giezek. Doch es gibt eine Einschränkung. Die Hunde dürfen andere Tiere nicht beunruhigen. Giezek, der gar nichts dagegen hat, wenn Hundebesitzer ihre Tiere von der Leine lassen, sagt nun: "Das Problem ist, die Hunde bleiben nicht im Einwirkungsbereich ihrer Besitzer, sie laufen kreuz und quer über die Felder, wovon auch die Landwirte nicht begeistert sind." Randolph Kricke fände es gut, wenn das Binsheimer Feld Vogelschutzgebiet würde wie die Rheinaue Walsum.
Ach, geht die Einwohnerzahl Duisburgs auch zurück, bei den Gänsen sind sogenannte "Neubürger" zu beobachten: Nilgänse oder Rostgänse, die aus ganz anderen Ländern stammen. Wie ihre arktischen Genossen werden sie von Mitarbeitern der Biostation wöchentlich gezählt. Alle Daten, die die Wissenschaftler über die Tierwelt zusammentragen, dienen später als Argumentationssgrundlage für den Schutz der Lebewesen. Gezählt wurden übrigens maximal 13 000 Gänse an einem Tag im Binsheimer Feld und Vorland sowie in Walsum, meist sind 5 000 bis 6 000 Tiere täglich dort.

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