Sichtung für die 39. Filmwoche ist gestartet

Foto: Lars Heidrich

Seit Mittwoch sitzt die Auswahlkommission im Neudorfer „Steinbruch“ und schaut sich die ersten 180 Filme an, die bereits für die 39. Duisburger Filmwoche eingereicht worden sind. Einsendeschluss ist erst am 26. August, es dürften am Ende an die 800 Filme sein, die ins Rennen geschickt werden, um vom 2. bis 8. November im Filmforum am Dellplatz gezeigt und bewertet zu werden. Ungefähr diese Zahl sei auch in den letzten Jahren stets erreicht worden, sagt Werner Ruzicka, der sein 31. Festival als Leiter vorbereitet und mit einer Stimme in der fünfköpfigen Kommission vertreten ist. Das Programm wird dann nach einer weiteren Sichtungswoche Anfang September zusammengestellt.

Während es also noch fast zwei Monate dauert, bis die Auswahl getroffen ist, steht bereits fest, dass alle Preise wie bisher vergeben werden können. Arte und 3sat bleiben (mit ihren mit jeweils 6000 Euro dotieren Preisen) dem traditionsreichen Festival ebenso verbunden wie das Land und die Stadt Duisburg (jeweils 5000 Euro).

Zum ersten Mal ist die Bochumer Kuratorin Katrin Mundt in der Auswahlkommission. Sie steht sowohl der bildenden Kunst als auch dem Film nahe, hat bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen gearbeitet. Die hatten mal das Motto „Filme für Ungeduldige“, jetzt übe sie sich in Geduld, sagte Katrin Mundt gestern. Beim Duisburger Filmfestival finde sie vor allem die Übergänge interessant zwischen künstlerischem Film, Experimental- und Dokumentarfilm. Seit dem letzten Jahr bringen der Wiener Filmwissenschaftler Joachim Schätz und die Berliner Filmemacherin Pary El-Qalqili ihr Urteil mit ein. Der Züricher Filmwissenschaftler Till Brockmann gestaltet den Prozess bereits seit 2011 mit.

Zwei Trends können nach den ersten Tagen Sichtung ausgemacht werden. „Ich bin erstaunt über das Spektrum an Interventionen“, sagt Schätz mit Blick etwa auf Zeichnungen und Animationen, die die Filmemacher einbauen. Werner Ruzicka entdeckt in den Filmen einerseits das Thema Suche – nach der Vergangenheit, nach Lösungen, nach den eigenen Wurzeln. Neu sei auch, dass „die Leute reden wollen“, also die Menschen vor der Kamera den Mut haben, offen über Befindlichkeiten, Einsamkeit oder Krankheit zu sprechen und dabei etwas zu lösen, was sie beschäftigt.

Den Themen der Filme setzt das Motto der Filmwoche bewusst keine Grenzen. Diesmal lautet es „Ausgänge“ und ist wieder für viele Deutungen offen. Wie findet man den dramaturgischen Ausgang für einen Film? Wie findet man aus der Höhle der eigenen Gedanken oder schlicht aus dem Kino hinaus? Was Ruzicka bei einem Spaziergang übrigens nicht gefunden hat, ist die Schinderhanneshöhle im Stadtwald, die (als Foto aus den 20er Jahren) die Festival-Postkarte ziert. Sie ist mittlerweile in einem kleinen See verschwunden.