Seltene Freudentränen
09.11.2008 | 22:16 Uhr 2008-11-09T22:16:24+0100FESTIVAL. Die Preisträger der 32. Duisburger Filmwoche wurden am Samstagabend im Filmforum ausgezeichnet.
Der Dokumentarfilmer an sich zeigt sich bei Auftritten ungern von seiner emotionalen Seite. Kühle Kopflastigkeit ist da schon eher angesagt. Umso sympathischer war es, zu erleben, wie Beate Middeke am Mikrophon die Stimme versagte, erstickt in Freudentränen. Dazu hatte die Dozentin für Dokumentarfilm an der Fachhochschule Bielefeld auch allen Grund. Die Jury des Goethe-Instituts hatte bei der 32. Duisburger Filmmwoche, die am Samstagabend mit der Preisverleihung zu Ende ging, ihren Film "Zuletzt befreit mich doch der Tod" über den Freitod einer jungen Frau mit ihrem Preis ausgezeichnet. Die Gewinnerin erhält nicht nur 2000 Euro, sondern das Goethe-Institut kauft zudem ihren Film und bietet ihn, mit verschiedenen Sprachen untertitelt, weltweit für die Filmarbeit der Goethe-Institute an.
Manch einer im Publikum hatte für diese Auszeichnung andere Beiträge im Blick. Und auch der Goethe-Jury sei die Entscheidung nicht leicht gefallen, gab Dr. Bernd Pirrung, Leiter des Goethe-Instituts in Johannesburg, zu, weshalb die Jury erstmals eine Liste ausgewählter Festivalbeiträge erstellt hat, die zumindest für die Filmarbeit der Institute in aller Welt empfohlen werden - ein schöner Zug, eine gute Entscheidung.
Die Hauptpreise von Arte (bester deutscher Dokumentarfilm) und 3sat (bester deutschsprachiger Dokumentarfilm), die mit je 6000 Euro dotiert sind, vergaben die entsprechenden Juroren an Constantin Wulff für "In die Welt" (3sat-Preis), einen Einblick in die Abläufe einer Geburtsklinik in Wien, und an Thomas Ciulei für dessen Beitrag "Blumenbrücke" (Arte-Preis), der das Alltagsleben einer armen Familie in Rumänien zeigt. Den mit 5000 Euro dotierten Förderpreis der Stadt erhielt Eva Stotz für "Sollbruchstelle", einen Film über den Wert der Arbeit (die NRZ berichtete). Den Publikumspreis für den beliebtesten Film (1000 Euro) vergab die Jury der Rheinischen Post an Niko Apels sensibles Porträt einer beeindruckenden Frau "Sonbol" (wir berichteten).
Festival selbst gehört zu den Gewinnern
Einer der größten Gewinner ist das Festival selbst - nicht nur, weil fast alle Film- und Fernsehhochschulen Deutschlands mit Wettbewerbsbeiträgen vertreten waren, sondern auch, weil viele Studenten die Filmwoche als außergewöhnliche Lehrveranstaltung nutzen. Das Publikumsinteresse an dem Festival hat deutlich zugenommen, was sich einerseits im freien Kartenverkauf zeigt, andererseits darin, dass wegen großer Nachfrage an einigen Abenden Parallelübertragungen im angrenzenden Hundertmeister notwendig wurden.

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