Selbsthilfe wird in Duisburg immer stärker nachgefragt

Geschäftsführer Andreas Fateh stellte den Jahresbericht der Duisburger Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vor.
Geschäftsführer Andreas Fateh stellte den Jahresbericht der Duisburger Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vor.
Foto: Funke Foto Services
Immer mehr Duisburger mit sozialen Problemen und Erkrankungen schließen sich in Selbsthilfegruppen zusammen. 186 solche Gruppen gibt es in der Stadt.

Duisburg.. Psychische und chronische Erkrankungen, Sucht und soziale Problemlagen: Hier schätzen Betroffene gegenseitige Hilfe. Ansprechpartner und Ratgeber für insgesamt 186 Gruppen ist die Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Allein 1736 Kontakte mit Bürgern, Gruppen und Professionellen verzeichnen die Beraterinnen Anja Hoppermann und Heike Kehl-Herlyn für das Jahr 2014.

Die Zahl der Gruppen steigt weiter, berichten die Beraterinnen. Adipositas, Medikamenten-Unverträglichkeit, Trigeminus Neuralgie – zu diesen Themen gab’s Neugründungen. Den Schwerpunkt der Beratungsarbeit hat das nicht verändert. „Allein 42 Prozent fragen an, weil sie eine Gruppe aufgrund einer psychischen Erkrankung suchen“, sagt Heike Kehl-Herlyn. Ein Wert, der sich auch aus den oft monatelangen Wartezeiten in den Praxen von Psychologen und Psychiatern erklärt. „Da gibt es eine klare Unterversorgung – wir sind der Puffer“, erklärt Anja Hoppermann.

Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen

Die Selbsthilfe sei eben nicht selten „ein Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen und Mängel im Versorgungssystem“, konstatiert Andreas Fateh, der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle würde gern mehr leisten, benötige dazu aber eine bessere Finanzierung und personelle Ausstattung als die derzeit 1,5 Personalstellen. Erleichtert sind die Berater, dass die Sparkasse auch in diesem Jahr im Boot bleibt. „Sie leisten hier wichtige Arbeit für Duisburg“, stellt Vorstand Uwe Haddenhorst klar. 15 000 Euro aus seinen Erträgen steuert das städtische Geldinstitut bei.

Ersatz für professionelle Hilfe will die Kontaktstelle aber auch künftig nicht sein. Das gelte besonders für psychische Erkrankungen. „In schweren Krisen ist Selbsthilfe überfordert“, betont Kehl-Herlyn. Schwerpunkt müsse die Beratung und Vermittlung bleiben.

Mit Öffentlichkeitsarbeit Themen und Gruppen bekannt machen

Mit Öffentlichkeitsarbeit, etwa beim Selbsthilfetag in der Innenstadt, an Infoständen auf den Märkten und mit einem Selbsthilfe-Wegweiser, versuchen die Beraterinnen, die Themen und Gruppen bekannt zu machen. Eine Zielgruppe sind dabei Migranten: Neun muttersprachliche Gruppen vom Türkischen bis zum Niederländischen gibt es mittlerweile. „Ich kann neun Sprachen sprechen, gejammert wird in der Muttersprache“, zitiert Anja Hoppermann den Schauspieler Jean-Paul Belmondo. Allerdings sei Selbsthilfe bei Zuwanderern oft unbekannt.

Auch jünger will die Selbsthilfe werden. „Die Gruppen sind nicht überaltert, aber bei der Generation 50 plus liegt der Schwerpunkt“, so Fateh. „Und das liegt nicht nur daran, dass Ältere eher krank sind.“

Selbsthilfe: Kein Ersatz für Behandlung

Die Selbsthilfe ist kein Ersatz für professionellen Rat und Behandlung, etwa durch Mediziner. Allerdings erfahren Betroffene gerade bei psychischen Erkrankungen nicht selten Ablehnung und Unverständnis in ihrem Umfeld, berichtet Stephan Schaffrath, der selbst betroffen ist. Da sei die Gruppe eine wichtige Stütze.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen an der Musfeldstraße 161-163 in Hochfeld ist erreichbar unter 0203/609 9030, Mo., Di. und Do. 9.30 bis 12.30 Uhr, Di. auch 15-18 Uhr per Mail: selbsthilfe-duisburg@paritaet-nrw.org. Infos über die Gruppen auch unter: www.duisburg.selbsthilfenetz-de.