Seelenreise zu einer großen Dichterin

Die Schauspielerin Marianne Sägebrecht las bei den Jüdischen Kulturtagen Gedichte von Hilde Domin.
Die Schauspielerin Marianne Sägebrecht las bei den Jüdischen Kulturtagen Gedichte von Hilde Domin.
Foto: Kalaene Jens
Im „Kleinen Prinzen“ las die Schauspielerin Marianne Sägebrecht Gedichte der großen Lyrikerin Hilde Domin.

Duisburg.. „Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft unter den Akrobaten und Vögeln: mein Bett auf dem Trapez des Gefühls wie ein Nest im Wind auf der äußersten Spitze des Zweigs…“. Mit zarter und beinahe schwebender Poesie beginnt die Lyrikerin Hilde Domin ihr wunderbares Gedicht „Nur eine Rose als Stütze“, dessen Titel auch den ihres ersten Gedichtbandes aus dem Jahre 1959 schmückte.

In einer Veranstaltung des Vereins für Literatur und Kunst anlässlich der Jüdischen Kulturtage im Rheinland las jetzt die Schauspielerin und Kabarettistin Marianne Sägebrecht („Zuckerbaby“ und „Out of Rosenheim“) im sehr gut besuchten „Kleinen Prinzen“ aus dem reichen Werk der Dichterin (1906-2006) vor, die zu den großen intellektuellen Persönlichkeiten der deutschen Literatur zählt. Die vielgereiste Weltbürgerin Hilde Domin war Universitätsdozentin, Übersetzerin, Fotografin und eben auch Schriftstellerin.

Die 1945 in Bayern geborene Marianne Sägebrecht gehört zu den Verehrerinnen von Hilde Domin und ihrer sensiblen Gedichte, die sie hier ganz ohne Dramatik und theatralische Überbetonung zu neuem Leben erweckte. Für die musikalischen Zwischentöne sorgte bei dieser Lesung Lenn Kudrjawizki auf der Violine, der mit seinem magischen Geigen-Klang und auch als Sänger mit Sinn für die leichtere Muse mehr als nur ein Begleiter war.

Weiche lyrische Sprache

Wie Marianne Sägebrecht betonte, sei diese Lesung für eine Veranstaltung des Jüdischen Museums in Berlin entstanden. Seitdem verleiht sie Hilde Domin und „ihrer weichen, lyrischen Sprache“ ihre Stimme. „Sie wird da sein…und ich werde nur für Sie lesen. Dies ist eine Seelenreise“, erklärte sie ihrem Publikum zu Beginn.

Die Schauspielerin aus Starnberg, deren Fähigkeiten einst vom Regisseur Percy Adlon für den Film entdeckt wurde, las dann mit „Lektüre“, „Indischer Falter“, „Linguistik“, „Apfelbaum und Olive“, „Abschied aus Andalusien“ weitere schöne Gedichte Hilde Domins: „Die Sehnsucht lässt die Erde durch die Finger rinnen für die Pflanze Mensch.“ Viel Beifall im „Kleinen Prinzen“ für Lenn Kudrjawizki und Marianne Sägebrecht.