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TV-Kritik

Sebastian Runde aus Duisburg ist „Der klügste Deutsche“

30.10.2011 | 09:23 Uhr
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Sebastian Runde aus Duisburg ist „Der klügste Deutsche“
Sebastian Runde (r.) aus Duisburg ist "Der klügste Deutsche". Moderator Kai Pflaume stellt fest: "Bildungsauftrag erfüllt."Foto: NDR/Max Kohr

Duisburg.  Mittelmaß statt Superlative: Das Finale der Show „Der klügste Deutsche“ hatte mit dem 26-jährigen Duisburger Sebastian Runde als Sieger zwar eine Überraschung parat, schaffte jedoch nicht den Spagat zwischen programmatischem Bildungsauftrag und massentauglicher Abendunterhaltung.

„Das Spannende dieser Sendung liegt im Unerwarteten.“ Das hatte Moderator Kai Pflaume den Zuschauern seiner Finalsendung „Der klügste Deutsche 2011“ gleich am Anfang versprochen. Und tatsächlich: Dass sich der 26-jährige Duisburger Sebastian Runde gegen tausende Mitbewerber durchsetzen und am Ende den Titel „Der klügste Deutsche“ davontragen würde, war wohl nicht von Vornherein zu erwarten. Aber die versprochene Spannung blieb Pflaume dem Zuschauer an vielen Stellen schuldig. Trotz aller Bemühungen, den Spagat zwischen programmatischem Bildungsauftrag und massentauglicher Unterhaltung zu schaffen, plätscherte die Sendung ohne großartige Ausreißer gut drei Stunden vor sich hin.

Keine Kosten und Mühen gescheut

Dabei hatte die ARD keine Kosten und Mühen gescheut, den hellsten Kopf der Republik zu küren: Nach wochenlangem Casting in 50 deutschen Städten, unzähligen Wissenstests und zwei vorherigen Halbfinal-Sendungen hatte die prominente Jury – bestehend aus Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers , Comedian Eckart von Hirschhausen und Sportschau-Moderator Matthias Opdenhövel – die acht klügsten Deutschen aus beinah 3000 Kandidaten herausgefiltert. Kai Pflaume , ehemals Herzschmerz-Spezialist bei der privaten Konkurrenz und neues Flaggschiff der ARD im Unterhaltungsbereich, wurde als charmanter Gastgeber ins Rennen geschickt. Gehirn-Spezialist Prof. Martin Korte, unter dessen wachsamer Aufsicht alle Tests und Aufgaben entstanden waren, sorgte derweil für die wissenschaftliche Legitimation. Und weil Geld ja bekanntlich mobiler macht als die bloße Aussicht auf einen Titel (und sei es auch den des allerklügsten Bundesbürgers), ließ sich der Sender auch beim finanziellen Anreiz nicht lumpen: Als Siegprämie für „Cleverness, Geschick und überdurchschnittliches Allgemeinwissen“ hatte die ARD 100.000 Euro bereit gestellt. So weit, so gut.

Schnelligkeit als spannungssteigerndes Element?

Um die Finalsendung „zum einen fair, zum anderen spannend“ zu gestalten, wie der Gehirn-Spezialist erklärte, mussten die acht Kandidaten entsprechend ihres „intellektuellen Fingerabdrucks“ in vier Zweier-Gruppen gegeneinander antreten. Den Anfang machte „das Duell der Powerfrauen“: die Limburger Journalistin Annette Krumpholz gegen die Berliner Pilotin Julia Peukert. Anstelle jedoch die Final-Zuschauer mit einer spannenden Neuerung bei der Fahne zu halten, blieb die Sendung bei ihrem Halbfinal-Muster: In einer Fragerunde klopfte die Jury zuerst das Allgemeinwissen ab, um den Kandidaten dann bei allerlei Praxisaufgaben auf den Zahn zu fühlen. Neu war lediglich, dass sich die Kandidaten das Recht zu antworten „erbuzzern“ mussten. Schnelligkeit als spannungssteigerndes Element? Innovation sieht anders aus, auch wenn Jurorin Judith Rakers hochtrabend von „noch einmal verschärften Regeln“ sprach.

Bildungsanspruch auf mittlerem Niveau

Ein besonders hohes Niveau indes war weder bei der Fragerunde, noch beim Praxistest zu spüren. Im Gegenteil: Bei den Wissensfragen aus Politik, Geschichte, Kunst, Sport, Kultur, Wissenschaft und Boulevard hatte auch der durchschnittsbegabte Zuschauer eine durchaus reale Chance, mit Wissen zu glänzen: Mit Fragen wie „Wofür steht das G in der Bezeichnung G8?“, „Wie lautet der Komparativ von gut?“ „Welcher Philosoph formulierte den kategorischen Imperativ?“ und „Wie heißt der Präsident des Deutschen Bundestages?“ wurde die Sendung der Abfrage von „überdurchschnittlichem Allgemeinwissen“ nicht gerecht. Und auch die Praxis-Aufgaben entpuppten sich zu einem großen Teil als lösbare Unterhaltungsspielchen, die nicht unbedingt für die „allerklügsten Deutschen“ konzipiert worden zu sein schienen. Aber das war wohl auch gewollt: „Das ist für Sie Zuschauer auch wunderbar zum Mitraten“, betonte Pflaume gleich mehrmals. Bildungsanspruch auf mittlerem Niveau, auch wenn die Sendung einen Superlativ im Titel trägt.

Traum vom Titel für Bottroper ausgeträumt

Für den 46-jährigen Wissenschaftslektor Peter Kruck aus Bottrop lief es nicht so rund.Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

Dennoch erfüllten die Zweikämpfe ihren Zweck, nämlich die Anzahl der Kandidaten von acht auf vier zu halbieren. Allerdings zog sich diese Angelegenheit ganz schön in die Länge: Erst nach zwei Stunden standen die vier Finalisten fest, unter ihnen auch Sebastian Runde aus Duisburg. Der 26-jährige Master-Student hatte sich sowohl in der Fragerunde als auch im Praxistest, in dem er einen Parcours mit einer Prismen-Brille bestreiten musste, souverän gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Für den 46-jährigen Wissenschaftslektor Peter Kruck aus Bottrop hingegen lief es nicht so rund: In der Fragerunde hatte er eindeutig gewonnen, in der Praxis-Aufgabe beim Nachspielen von Musiktönen aber knapp verloren und auch beim anschließenden Entscheidungs-Spiel hatte er sich verschätzt. Damit war der Traum vom Titel – und dem Preisgeld – ausgeträumt.

Unterhaltung auf Kosten der Casting-Kandidaten

Zu Ende war die Sendung damit aber noch lange nicht: Noch einmal mussten die Kandidaten gegeneinander antreten, bis schließlich nur noch zwei von ihnen übrig waren. Als wäre noch nicht genügend Sendezeit verstrichen, mussten Kandidaten und Zuschauer vor der Entscheidung dann noch mehrere Einspielfilme aus den Castings über sich ergehen lassen. Zwar ging der Plan des Senders auf, nun endlich einmal die unterhaltsamen Aspekte in den Vordergrund zu rücken. Dies geschah allerdings, fast ähnlich der DSDS-Manier auf RTL, nur auf Kosten derjenigen Casting-Kandidaten, die eher durch peinliche Unwissenheit als durch außergewöhnliche Intelligenz auf sich aufmerksam machten. Auch Moderator Pflaume schien trotz seines anschließenden Kommentars „Wunderbar, ne? Das macht großen Spaß!“ nicht wirklich von dem Mehrwert dieser Filme überzeugt zu sein. Ebenso wenig wie von seinen eigenen Worten, dass es nun „richtig spannend“ werde, was er die ganze Sendung hindurch gebetsmühlenartig wiederholte.

„Könnt ihr euch noch konzentrieren?“

Um 23 Uhr – eine viertel Stunde nach geplantem Sendeschluss – fühlte sich dann auch Judith Rakers berufen, bei den inzwischen auf drei reduzierten Kandidaten nachzufragen: „Könnt ihr euch noch konzentrieren?“ In einer letzten Fragerunde bewiesen Sebastian Runde und Versicherungsfachwirt Michael Buscher aus Pulheim schließlich, dass ihre Gehirnwindungen auch zu fortgeschrittener Stunde noch einwandfrei funktionieren: Beide schafften den Sprung ins Endfinale, wiederum mit größtenteils lösbaren Wissensfragen à la „Wie lautet der vierte Buchstabe des griechischen Alphabets?“, „In welchem Film verspeist Charlie Chaplin einen Schuh?“ und „Wer war zum Zeitpunkt des Mauerfalls Präsident in den USA?“.

Intelligente Samstagabend-Unterhaltung sieht anders aus

Nun war es, so Gedächtnis-Spezialist Korte, an der Zeit, „die Intelligenz der Vielen“ herbeizurufen, nämlich die der Zuschauer. Um 23.25 Uhr, eine Dreiviertelstunde später als geplant, dann das Votum: Mit 86,3 Prozent hätte es kaum eindeutiger für den 26-jährigen Duisburger ausfallen können. Ob da nicht doch eine Menge Zuschauer-Sympathie im Spiel war? Nein, alles höchst seriös, wissenschaftlich erklärbar: Denn Klugheit, so Korte, sei „nicht etwas, das man hat, sondern etwas, das einem zugeschrieben wird“. Was immer das auch heißen mag.

So blieb für Pflaume am Ende nur noch eine Feststellung zu treffen: „Bildungsauftrag erfüllt, jeder nimmt etwas aus dieser Sendung mit.“ Das mag bis zu einem gewissen Grad auch zutreffen. Intelligent gemachte Samstagabend-Unterhaltung aber sieht doch ein bisschen anders aus.

Sophia Schauerte

Kommentare
01.11.2011
05:37
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Name von Moderation entfernt | #15

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31.10.2011
14:50
voting
von SchalkerJoung | #14

ja ne is kla ein voting entscheidet wer klüger ist lol

30.10.2011
17:46
Hohlkopf
von judasthomaskuhl | #13

"in einen hohlen schädel geht viel wissen" sagte karl kraus zutreffenderweise über bildungsbürger die ihre rübe mit sinnentleertem wissensmüll stopfen

sowohl die jury als auch der moderator wissen gar nicht was klug ist

verbildung verblödung volksempfänger

30.10.2011
16:21
der klügste Deutsche
von freischwimmer | #12

schlimmer gehts nimmer ! H. von Hirschhausen sollte sich an Fr. Neubauer ein Beispiel nehmen eine längere Auszeit täte dem Bidschirm sehr gut !

30.10.2011
16:11
Contra Sauerland !!
von DerMerker | #11

Ich hoffe er war so Schlau und steht auf der Unterschriftenliste "Contra Sauerland" mit Hausnummer, sonst fällt er unter die 20.000 Unterschriften, die die Ko.upte Stadtverwaltung nicht werten wird!

ARMES DUISBURG

30.10.2011
15:16
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Name von Moderation entfernt | #10

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30.10.2011
15:03
FLAGGSCHIFF DER ARD
von buntspecht2 | #9

das Flggschiff der ARD Herr Pflaume wurde schnell madig

30.10.2011
13:40
der klügste Deutsche
von butcher99 | #8

zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er bei solchem Schwachsinn nicht auftritt

30.10.2011
11:40
Der Klügste?
von holmark | #7

Am Ende wird per Ted-Abstimmung "gewählt", wer der Klügste ist. Welch ein Blödsinn. Man hätte auch die beiden letzten Kandidaten gegeneinander antreten lassen sollen. Millionen Fliegen zu fragen, was man essen soll, führt nicht immer zum richtigen Ergebnis.

30.10.2011
11:07
Etwas Off Tpoic...
von MKVertreter | #6

Sorry, ich schreibe mal meinen Kommentar hier rein, obwohl er nicht zum Thema gahört. Ich finde die neu gestalteten Seiten vom westen.de sehr unübersichtlich. Und mir fehlt die Aktualisierung. Es gibt diesen seinen aktuellen Artikel. Aber eigentlich erwarte ich - wie bei einer Tageszeitung - jeden Tag neue aktuelle Berichte. Auch im Bereich "Kultur"... Dies dürfte doch im Web noch schneller und unkomplizierter möglich sein als bei einer gedruckten Ausgabe...

5 Antworten
von MKVertreter | #6
von buntspecht2 | #6-1

völlig richtig die meiste Seiten sind völlig veraltet und überflüssig weniger ist manchmal mehr jedenfals das gelbe vom Ei ist das noch nicht

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Name von Moderation entfernt | #6-2

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Name von Moderation entfernt | #6-3

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Name von Moderation entfernt | #6-4

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Relaunch derWesten
von Plem | #6-5

http://www.derwesten.de/video/relaunch-derwesten-id6025003.html

Die Seite wurde schon nach knapp zwei Tagen offline geschaltet - wahrscheinlich wegen der schlechten Kritiken. Sie ist sonst hier nirgendwo mehr zu finden. Nur in der Chronik Ihres Browsers.

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