Schwieriges Thema: Kinderarbeit

Dem Kampf gegen ausbeuterische und gefährliche Kinderarbeit gilt das Bemühen der Kindernothilfe. Die Haltung des Hilfswerks sei allerdings differenziert, erläutert Katrin Weidemann: „Das weltweit 85 Millionen Mädchen und Jungen unter oft lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten, ist unerträglich. Aber die sofortige Beendigung der Kinderarbeit ist keine realistische Perspektive. Die Familien sind darauf angewiesen.“

„Viele Staaten erkennen überhaupt nicht an, dass es bei ihnen Kinderarbeit gibt“, sagt Lourdes Cruz Sánchez. Die 17-Jährige aus Potosí (Bolivien) begann mit zehn Jahren zu arbeiten, sie ist Sprecherin der örtlichen Unatsbo, einer Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher in Lateinamerika.

Die junge Aktivistin wendet sich gegen die internationale Kritik am neuen bolivianischen Gesetz, das Kinderarbeit unter bestimmten Bedingen ab zehn Jahren erlaubt. Mit ihrem Präsidenten Evo Morales, auch er arbeitete als Kind, konnte sie über das Gesetz diskutieren. Er sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, sagt Lourdes Cruz Sánchez. „Das Gesetz führt dazu, dass Kinder registriert werden, sich gegen Misshandlung wehren können.“ Mit anderen Aktivisten reist sie heute zur Generalversammlung der Internationalen Organisation für Arbeit (ILO) in Genf, um eine Verurteilung des bolivianischen Gesetzes zu verhindern.