Schwebende Songpoesie zwischen Bossa und Jazz

Der brasilianische Bossa hat den akademischen Jazz Europas sinnlicher gemacht. Zu danken ist dies auch der jungen deutsch-brasilianischen Sängerin Yara Linss, die 1980 in Sao Paulo geboren wurde, in Ulm aufwuchs und für ihre schwebende Songpoesie zwischen Bossa Nova und improvisiertem Vocal-Jazz mit Preisen und einem Stipendium ausgezeichnet wurde. Jetzt war die sympathische Sängerin mit ihrem Trio erstmals beim Intermezzo-Konzert in der Duisserner Lutherkirche zu Gast, um eine Brücke zwischen zeitgenössischem Jazz und Latin zu schlagen.

Dabei hat die schulisch perfekt ausgebildete Künstlerin auch vor Popmusik und leichter Muse keine Berührungsängste. Begleitet wurde sie hier von dem brasilianischen Gitarristen und Komponisten Joao Luis Nogueira, dem Kontrabassisten André de Cayres und dem kurzfristig eingesprungenen Percussionisten Bodek Janke, die für die Authentizität der weich swingenden brasilianischen Samba-Sounds jederzeit garantierten. Dabei verstärkten exotische Außentemperaturen das Gefühl einer tropischen Sommernacht am Zuckerhut.

Aber auch in der kühlen Kirche ging es von Beginn an heiß her. Die junge Sängerin mit der starken Bühnenpräsenz eröffnete den Abend mit federleichten Tönen irgendwo zwischen Astrud Gilberto und Flora Purim. Dazu garantierte Bodek Janke, der erstmalig mit dieser Band spielte, als gewiefter Meister des Schlagwerks fein gesponnene rhythmische Figuren. Es folgten Gedichtvertonungen im Fluss brasilianischer Gelassenheit, in denen sich Yara Linss als singende Erzählerin auf hohem Niveau präsentierte. Bassist de Cayres, der locker zwischen Kontrabass und E-Bass wechselte, und der mit lyrischem Feingefühl spielende Gitarrist Joao Luis vollendeten dieses wärmende Kammerkonzert mit swingenden Samba-Noten. Yara Linss, diese zierliche Sängerin mit der großen Stimme, moderierte und erläuterte die Song-Texte dazu mit jugendlicher Begeisterung. Die Zuhörer, die einen außergewöhnlichen brasilianischen Intermezzo-Abend erlebten, verabschiedeten das Quartett mit viel Beifall.

Das nächste Intermezzo-Konzert findet am 21. August um 20 Uhr mit dem Trio Kapok und Morris Kliphuis statt.