Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Gericht

Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter

18.05.2012 | 19:07 Uhr
Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter
Weil er wiederholt ohne Fahrschein Bahn fuhr, muss ein Hartz-4-Empfänger aus Duisburg ins Gefängnis. Foto: Mark Keppler/ddp

Duisburg. Es gibt Menschen, die haben einfach keinen guten Start ins Leben erwischt. Und irgendwie kriegen sie den Dreh nicht, etwas Vernünftiges daraus zu machen. Das Pech bleibt ihnen bei jedem Schritt hart auf den Fersen.

Das kann man wohl auch von dem 32-jährigen Duisserner behaupten, der gestern vor dem Amtsgericht Stadtmitte stand. Zum wiederholten Mal war der Hartz-IV-Empfänger ohne Fahrkarte im Zug erwischt worden.

In zerrütteten Familienverhältnissen aufgewachsen, schaffte der junge Mann einen halbwegs vernünftigen Schulabschluss. Eine Ausbildung zum Maler und Lackierer musste er allerdings aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, die zweite Lehre scheiterte an einem schweren Arbeitsunfall. Seitdem jobbt er bei Zeitarbeitsfirmen, bezieht zwischendrin Hartz IV.

Das wenig erfreuliche Familienlaben ist wohl auch an der Mutter des 32-Jährigen nicht spurlos vorübergegangen. Die von psychischen Problemen geplagte Frau lebt in Aachen. Der Sohn besucht sie, so oft er eben kann. „Aber manchmal klappt das mit dem Geld vom Amt ja auch nicht so“, berichtete der Angeklagte. Dann fahre er eben ohne eine Fahrkarte. In den vergangenen 12 Jahren wurde der 32-Jährige nicht weniger als acht Mal wegen solcher Vergehen verurteilt, saß bereits einmal für zwei Monate hinter Gittern und wurde zuletzt Ende vergangenen Jahres zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Das hielt ihn nicht davon ab, wieder zwei Mal ohne Fahrschein mit der Deutschen Bahn unterwegs zu sein - und natürlich wurde er prompt erwischt. „Meine ganzen Probleme liegen in meiner Kindheit begründet“, erklärte der Angeklagte der Strafrichterin. Lange Zeit habe er sich gegen die Einsicht gesträubt, dass er einen psychischen Knacks habe. „Aber nun bemühe ich mich um eine stationäre Psycho-Therapie. Ich hoffe, dass ich danach mein Leben endlich in den Griff bekommen kann.“ Eine Arbeit habe er jedenfalls danach in Aussicht.

Die Strafrichterin wünschte dem Angeklagten alles Glück der Welt. Eine positive Sozialprognose vermochte sie ihm derzeit allerdings noch nicht auszustellen. Folge: Der 32-Jährige muss erneut für drei Monate hinter Gitter. „Legen Sie Berufung ein. Vielleicht können Sie ja bis zu der Verhandlung in zweiter Instanz schon Erfolge vorweisen“, riet die Richterin.

Bodo Malsch



Kommentare
10.06.2012
15:33
Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter
von buerger99 | #11

Würden die Gesetze konsequent angewendet und die Schaffner endlich mal die in der 1. Klasse schwarzfahrenden Bahner, Zöllner, Bundespolizisten genauso gründlich kontrolieren, hätten einige Dienststellen nur noch sehr wenig Mitarbeiter !
Polizisten, Zöllner werden NUR 2. Klasse kostenlos befördert. Für die Benutzung der 1. Wagenklasse MÜSSEN auch sie ein Ticket kaufen was sie meißt NICHT besitzen !
Auch Lokführer und Bahnmitarbeiter setzen sich Rotzfrech in die 1. Klassse UND KEIN Schaffner oder Kontrolleur kassiert hier 40€ ! Meißt heißt es nur "Hallo" oder ein Nicken ! Das Vorzeigen das Dienstausweises reicht wohl für die Herren und ersetzt das KOSTENPFLICHTIGE 1. Klasse Ticket !!
Schwerpunktkontrollen, führen da eher zu Erfolgen, aber komischerweise wissen einige Bahner davon und fahren an den Tagen dann 2. Klasse ;-)
Wenn jemand aus Geldnot schwarz fährt kommt er in den Knast, wenn jemand täglich Straftaten begeht und schwarz fährt passiert nichts, wo leben wir eigentlich !

22.05.2012
05:56
@CelticTiger
von wolke286 | #10

Bei der Bahn gibt es das Schöne-Tag-Ticket und koster 27 EUR. Dieses gilt - zumindest samstags oder sonntags - von 0.00 Uhr bis 3.00 Uhr des Folgetages.
Sicher, ist auch viel Geld, aber wer das eine will, muss das andere mögen.
Es gibt trotz allem KEINEN Grund schwarz zu fahren. Aber mit dieser Einstellung scheine ich hier wohl alleine zu stehen. Armes Deutschland kann ich da nur sagen, wenn so etwas noch gut geheißen wird und keine konkreten Vorschläge gemacht werden, wie man mit Schwarzfahrern (und gerade in diesem Fall einem wiederholten) umgegangen werden soll.
Macht doch einfach einen Spendenaufruf und sammelt für den Mann, dann kann er sich ganz legal ein Ticket kaufen und damit fahren.

21.05.2012
23:44
Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter
von CelticTiger | #9

Ich habe gerade mal bei der Bahn nachgeschaut, was die billigste Fahtkarte nach Aachen (Hin- und Rückfahrt) kostet: Sage und schreibe € 43.-! So etwas kann sich weder ein Hartz IV - Bezieher, noch ein prekär Beschaftigter leisten.
Früher gab es für solche Notfälle, wie z.B. die kranke Mutter einmal im Monat zu besuchen, Unterstützung vom Sozialamt. Dank der perfiden Hartz-Gesetze wurde ja alles mit absurd lebensfremden Sätzen pauschalisiert. (Mobilität: € 23,50).
Jemanden deshalb in den Knast zu stecken ist ein Skandal. Brutale Schläger bekommen immer wieder Bewährungsstrafen und können weiterprügeln. Arme Menschen, die die Fahrkarte aufgrund zynischer Hartz-Sätze nicht bezahlen können, gehen erstmals wegen Nichtzahlung der Geldstrafe in den Knast. Danach werden sie als Wiederholungstäter verurteilt. Und ab dem dritten Male werden sie mit immer längere Dauer Freiheitsentzug bestraft. Vor Menschen, die ihre kranke Mutter besuchen möchten, muß die Gesellschaft nicht geschützt werden.

20.05.2012
18:48
Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter
von wolke286 | #8

Langsam aber sicher habe ich das Gefühl, dass hier alle Blinden von der Farbe reden.

Der Vorschlag von marianus ist ja nett gemeint, aber wohl kaum umsetzbar. Es ist nicht so einfach, als Hartz IV-Empfänger mal eben irgendwo nebenbei was Geld zu verdienen und damit seine Strafe abzuzahlen.

Anscheinend wird hier vergessen, dass der Mann Wiederholungs"täter" ist und es wohl auch in Zukunft sein wird (meine Prognose). Zudem dürfte er auch nicht zu jeder Einrichtung passen. Mit welchem personellem Aufwand soll denn dann diese Arbeit geleistet werden?

Manchmal habe ich das Gefühl, hier wird von 12 Uhr bis mittags gedacht. Ihr könnt Euch die Welt nicht machen, wie sie Euch gefällt, sorry.

Und nochmals: Er ist ja nicht der einzige Schwarzfahrer den es gibt. Auch nicht der einzige, der in einer JVA sitzt, der seine Strafe vielleicht auch besser anders ableisten könnte.

Aber nach den ganzen Kommentaren hier habe ich das Gefühl, ich renne offene Türen ein.

20.05.2012
18:01
#5,ich möchte ihnen gerne
von marianus | #7

die antwort auf ihre frage geben wie die bestrafung denn aussehen soll.es gibt genug einrichtungen wo er dienste leisten kann.3 monate strafe in der jva kostet dem steuerzahler zusätzlich geld,aber 6 monate in irgendeiner einrichtung arbeiten ,dass wäre passender.das geld welches er dort normalerweise verdienen würde,damit zahlt er seine schulden ab.

20.05.2012
13:23
@wolke286: ja, strafe muss sein
von OpamitHutamSteuer | #6

aber gerade in diesem fall ist es doch hirnrissig bei wenigen hundert euro schaden der allgemeinheit mehrere tausend euro an kosten zu verursachen.

der bus oder die bahn waere auch ohne den schwarzfahrer die strecke gefahren - wuerde man nun ausrechnen wieviel mehr an treibstoff oder energie aufgewendet wurde um den einen schwarzfahrer zum ziel zu bringen wuerde man vermutlich bei einem einstelligen euro betrag landen.

wo ist da die verhaeltnissmassigkeit?

der mann hat ein leben lang zeit um den finanziellen schaden zu begleichen, da helfen 3 monate knast aber kein bisschen.

strafen ja - aber mit sinn und verstand

4 Antworten
Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter
von wolke286 | #6-1

So, so..... Ich frage mich nur, wofür es Regeln und Gesetze gibt.
Der Verurteilte ist ja nicht der einzige Schwarzfahrer. Wenn man das also jetzt alles so ohne Strafe (einen sinnvollen Vorschlag haben Sie auch nicht gemacht) durchgehen lässt, was dann?
Wenn ich hunger habe, gehe ich mir was zu essen kaufen und nehme es nicht einfach so mit. Falls doch, muss ich eben mit einer Strafe rechnen. Vor allem, wenn es laufend vorkommt.
Will ich mir etwas leisten, muss ich dafür arbeiten. Und wenn ich keine Arbeit habe, muss ich mir das Geld, welches ich vom Staat bekomme, einteilen. Falls es für irgendeine Sache nicht ausreicht, muss ich eben verzichten. Oder werde straffällig. Die Wahl hat jeder selber.

finanzieller schaden = finanzielle strafe
von OpamitHutamSteuer | #6-2

hab ich doch geschrieben - der mann hat sein leben lang zeit den schaden finanziell zu begleichen.

was bringts da den mann auf kosten des steuerzahlers wegzusperren und ein vielfaches der schadenssumme dem steuerzahler aufzuerlegen?

soweit ich weiss kostet schwarzfahren zz 60€ - uns kostet der fuer 3monate knast knapp 8000€ ... wo is da der witz?

Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter
von wolke286 | #6-3

1. Tolle Einstellung, dass er den Rest seines Lebens Zeit hat, den Schaden zu begleichen. Es war ja nicht das erste Mal, dass er erwischt wurde.
2. Es sind Menschen eingesperrt für noch weniger und ohne jemanden finanziellen Schaden zugefügt zu haben (meine damit keine Schwerverbrecher!).
3. Schwarzfahren koster noch 40,00 EUR. Woher haben Sie Ihre Weisheit, was der Knast 800 EUR kostet?
Ach ja, ein Witz ist etwas anderes. Sie scheinen da wirklich etwas mächtig zu verwechseln....

knast is teuer
von OpamitHutamSteuer | #6-4

zahlen aus 2008

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/in-berlin-sind-gefaengnisse-billiger-als-in-anderen-laendern-ein-tag-knast-kostet-88-70-euro,10810590,10529662.html

ich vermute mal dass es heute eher 100€ pro tag sind.

allein in einem berliner knast sind 1/3 aller einsitzenden schwarzfahrer

http://www.taz.de/!59721/

koennen wir uns so eine justiz heutzutage noch leisten?
vor allem wem bringts was? dem schwarzfahrer? dem steuerzahler?
abschreckend scheints ja auch nicht zu sein - also was soll der unsinn?

20.05.2012
11:51
Schon seltsam
von wolke286 | #5

welches Rechtsbewusstsein hier herrscht. Natürlich ist es nicht korrekt, dass die Großen relativ gut davon kommen und man die Kleinen "hängt".
Aber wenn ich kein Geld habe mit dem Bus, Zug etc. zu fahren, dann muss ich es sein lassen oder mir durch einen kleinen Nebenverdient das Geld dafür beschaffen.
Wenn jeder so denken würde, dann erst recht gute Nacht Deutschland!

Auch wenn er die Strafe absitzen muss, so wird er dort - nach Möglichkeit - arbeiten müssen. Und das für nen Appel und nen Ei. Was auch in Ordnung ist, schließlich kostet er den Staat auch Geld.

Würde gerne wissen, wie er Eurer Meinung hier nach bestraft werden sollte.
Glaube kaum, dass ihr es gut findet, wenn Euch jemand finanziellen Schaden zufügt.

19.05.2012
19:14
die kleinen
von marianus | #4

"hängt" man,die grossen lässt man laufen.ich bin absolut gegen das schwarzfahren,aber die bestrafung sollte verhältnismäßig sein.

19.05.2012
18:54
gottseidank sind die strassen nun sicher...
von OpamitHutamSteuer | #3

laut vrr kostet die fahrt aachen ueber 20 euro, fuer gehartzte die mit ca. 90€ in der woche auskommen muessen fast unmoeglich zu stemmen wenn man die strecke oefter als 1x im monat fahren will.

gesamtschaden den der mann verursacht hat: knapp 200€, verdreifachen wir einfach mal die zahl denn ein paarmal wird er ja nicht erwischt worden sein: knapp 600€ "schaden"

und nun wird der mann mit 90 tagen knast "bestraft", d.h. 90x90€, also 8100€ die der steuerzahler aufbringen muss.

laecherlicher geht "gerechtigkeit" ja kaum noch, haette man dem mann ein jahresticket fuer die strecke geschenkt haette es den steueruahler nur knapp 2500€ gekostet.

und das ist kein einzelfall, tausende sitzen in deutschland ein weil sie die strafen nicht zahlen koennen - unsere steuergelder bei der arbeit -.-

19.05.2012
11:09
Schwarzfahrer muss erneut hinter Gitter
von Jean_Fairtique | #2

Warum denke ich manchmal, ich wäre in Usbekistan?
Menschen ohne Geld (2 Fahrscheine 5 Euro?) und oft ohne Zukunft müssen in den Knast (Kosten für den Steuerzahler - 3 Monate 9.000. Euro!).
Während sich die wirklichen Millionenabzocker bei Champagner und Kaviar einen Empfang gönnen...
Aber hat ja schon mal jemand gesagt:
Deutschland schafft sich ab.

Aus dem Ressort
Würste eng umschlungen
Lehmbruck-Museum
Der österreichische Bildhauer Erwin Wurm ist mit seinen abstrakten Skulpturen im Lehmbruck-Museum zu Gast: Was auf den ersten Blick wie ein Witz erscheint, hat Humor und Hintersinn.
Duisburger Mission erfüllt - Gebag-Sanierer hört auf
Küppersmühle-Skandal
Mission erfüllt: Nach drei Jahren hat Utz Brömmekamp seinen Job bei der städtischen Wohnungsbautochter Gebag erfolgreich erledigt– die Stadttochter hat den Küppersmühle-Skandal um den gescheiterten Museumsbau wirtschaftlich überlebt. Jetzt soll die Gebag mit neuem Chef tun, was ihr Geschäft ist:...
Duisburg fehlen 400 Millionen für Straßen
Marode Verkehrswege
Der Stadt fehlen in den nächsten zehn Jahren 400 Millionen Euro, um Straßen und Brücken zu sanieren. An einigen Stellen ist es besonders dringend.
62 Jahre alte Kiste beim Duisburger Seifenkisten-Derby
Seifenkisten
Nach 21 Jahren Pause wird am 6. und 7. September am Alsumer Berg in Duisburg-Marxloh wieder das "Duisburger Seifenkisten-Derby" ausgetragen. Dabei wird auch eine 62 Jahre alte Seifenkiste zu sehen sein. Damals wie heute wird sie von Peter Anders gelenkt.
Runder Tisch Asyl will Stadt bei Unterkunftssuche helfen
Flüchtlinge
Im Ergebnis war es wenig Konkretes, mit dem Donnerstagabend der Runde Tisch Asyl in Duisburg endete. Eher die Symbolik stand im Vordergrund des Treffens, zu dem der OB eingeladen hatte. Bei der Stadt gibt es nun auch eine Ansprechpartnerin, die Hinweise auf Wohnraum oder Hilfsangebote entgegennimmt.
Umfrage
Es stinkt, es ist dreckig und oben am Gleis tropft es kontinuierlich. Nicht nur Reisende nehmen die Bahnhöfe an Rhein und Ruhr als einige der schlechtesten Bahnhöfe Deutschlands wahr. Wie zufrieden oder wie unzufrieden sind Sie mit dem Duisburger Hauptbahnhof?

Es stinkt, es ist dreckig und oben am Gleis tropft es kontinuierlich. Nicht nur Reisende nehmen die Bahnhöfe an Rhein und Ruhr als einige der schlechtesten Bahnhöfe Deutschlands wahr. Wie zufrieden oder wie unzufrieden sind Sie mit dem Duisburger Hauptbahnhof?

 
Fotos und Videos
Stadtspaziergang
Bildgalerie
Fotostrecke
MSV tritt auf der Stelle
Bildgalerie
6.Spieltag
Bernhard Brink
Bildgalerie
Fotostrecke
Beecker Kirmes 2014
Bildgalerie
Fotostrecke