Schüler meistern Ingenieursaufgaben an der Uni Duisburg

Die Jury kommt, um die Konstruktion von Leonie, Louisa, Jonas und Paulina aus Mülheim zu bewerten. Danach gibt’s
Die Jury kommt, um die Konstruktion von Leonie, Louisa, Jonas und Paulina aus Mülheim zu bewerten. Danach gibt’s
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Beim Wettbewerb „Freestyle Physics“ kommen über 2000 Schüler aus NRW an die UniversitätDuisburg-Essen, um ihre Ideen zu präsentieren. Bis Donnerstag tüfteln sie noch an Herausforderungen

Duisburg.. Es mag etwas langweilig klingen, vielleicht sogar verstaubt: Knapp 2000 Naturwissenschaftler treffen sich drei Tage lang an der Universität Duisburg-Essen. Doch weit gefehlt! Denn diese Naturwissenschaftler bolzen auf der Wiese, als wollten sie der nächste Pelé werden. Sie spielen lautstark Fangen und klettern Bäume hoch, lassen sich kopfüber herunterhängen. Denn diese Naturwissenschaftler sind keine Akademiker, sondern Schüler von der fünften bis zur 13. Klasse, die am Wettbewerb „Freestyle Physics“ der Fakultät für Physik ihre Ideen präsentieren.

Aus ganz Nordrhein-Westfalen kommen sie nach Duisburg auf das Uni-Gelände, begleitet von engagierten Lehrern, Klassenkameraden und stolzen Eltern. Am Forsthausweg ist ein großes, weißes Zelt für sie aufgebaut, in solchen eröffnet sonst Schlagerbarde Michael Wendler auch gerne mal ein Schützenfest. Jetzt geht es hier jedoch um Konstruktionen. Tagelang, manchmal sogar einige Monate haben sie getüffelt, um die Ingenieursaufgaben der Physikprofessoren zu meistern, etwa ein kleines Wasserkraftwerk zu bauen, das mit nur einem Liter Wasser ein Gewicht anheben kann.

Jury mit nicht allzu strengen Blicken

Auch Paulina (10), Jonas, Louisa und Leonie (alle 11) aus Mülheim haben ihr Wasserkraftwerk dabei, zusammengesetzt aus Fischertechnik. Als die Jury zu ihrem Stand kommt, zückt sie erst mal den Zollstock, weil der Wissenschaftswettstreit klare Regeln besitzt: Alles muss in eine Kiste passen, die einen Meter hoch, 50 Zentimeter breit und 30 tief ist. 99 Zentimeter misst das Mülheimer Exponat, knapper geht’s nicht. Die Jury notiert penibel, aber mit nicht allzu strengen Blicken, wie schwer das Gewicht ist.

Dann kommt die Flasche kopfüber in die Halterung, Wasser marsch! Das Wasserrad dreht sich, die Seile bewegen sich und heben das Gewicht an. Mission erfolgreich. „Ich bin sehr zufrieden“, freut sich Leonie und ihre Mitkonstrukteure stimmen zu. „Dabei hat es heute morgen noch nicht geklappt“, gesteht Jonas. Spontane Umbauten in letzter Minute haben aber geholfen. Ein Ziel haben sich die Mülheimer nach dem Jurybesuch noch gesetzt, bevor sie am Mittwoch ihre Konstruktion der ganzen Klasse vorführen: Sie wollen die Schaufeln noch verbessern und dafür sorgen, dass nicht mehr so viel Wasser danebenläuft. Jetzt geht’s aber erstmal mit Physiklehrer Christoph Ehlers auf die Wiese zum Fußballspielen.

Manchmal fließen bittere Tränen

Nicht alle Ideen orientieren sich an Wassermühlen, andere nutzen zum Beispiel Schläuche, um mit Wasserkraft das Gewicht zu bewegen. Dabei ist jedes Miniaturkraftwerk einzigartig, mal aus Holz, Plastik oder Metall, mal rustikal gehalten, mal modern. Allerdings funktioniert nicht immer alles, wenn die Jury kommt und wertet.

„Manchmal fließen schon bittere Tränen“, sagt Organisator Andreas Reichert. „Aber wichtig ist, nicht aufzugeben.“ Schließlich sollen die Kinder merken, „dass Physik Spaß macht und überall ist“, denn „es gibt keine Trennung zwischen Alltag und Physik“. Zudem lernen sie die Universität und die Labore kennen.

Geniale Ideen aus der Mittelstufe

Spaß haben jedoch alle Teilnehmer, auch beim zweiten Wettbewerb am Dienstag. Dabei lassen sie Papierflieger aus drei Meter Höhe herunterfallen, die möglichst lange in der Luft bleiben sollen – wie ein Ahornsamen. An den übrigen Tagen treten etwa Schaschlikkräne und Wasserraketen gegeneinander an und für besonders originelle Lösungen gibt es Sonderpreise. Aus der Mittelstufe kommen oft geniale Ideen“, sagt Reichert.

Dass einige der Schüler später als Erstsemester in Duisburg anfingen, komme außerdem vor, ergänzt der Experimentalphysiker Axel Lorke, „aber der größte Effekt ist, dass alle engagierten Physiklehrer von Bonn bis ins Münsterland unsere Universität kennen“. Nicht nur dadurch sei der dreitägige Wettbewerb „Freestyle Physics“ eine gute Werbung für die Uni Duisburg-Essen, besonders jedoch für Fakultät für Physik.