Schranken im Kopf

Weltweit werben Länder um hochqualizierte Migranten. Doch Auswanderer landen in der neuen Heimat oft in Jobs, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen. „Das nutzt weder ihnen noch dem Aufnahmeland“, sagt Prof. Dr. Anja Weiß. Die Soziologin der Uni Duisburg-Essen hat diesen Gegensatz in einer VW-Studie untersucht.

„Work in Transition“, lautet der Titel der nun erschienenen Publikation, in der die Soziologin gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und Kanada den Zugang zum Arbeitsmarkt in Deutschland, Kanada und der Türkei vergleicht. Dazu haben die Autoren 200 Zuwanderer nach ihren Erfahrungen befragt.

Es gebe, stellt Anja Weiß fest, in Deutschland eine weit verbreitete Haltung: „Ausländer können nicht qualifiziert sein, sie dürfen nicht arbeiten.“ Deshalb scheiterten die Migranten oft schon in den Ausländerbehörden, weil ihr Potenzial nicht erkannt werde, gesetzliche Regelungen für Ausnahmen nicht bekannt seien. Die Wissenschaftlerin sprach mit Ärztinnen, die deshalb in Putzjobs endeten, mit einer Juristin, die sich anhören musste, sie sei wohl Prostituierte, weil sie aus Brasilien stammt. Das Potenzial der Zuwanderer bleibe ungenutzt, weil sie abgedrängt werden in den Dienstleistungssektor, wo es eine strukturelle Massenarbeitslosigkeit gibt.

„Für die Anwerbung von Hochqualifizierten ist das fatal“, sagt Weiß, „denn sie ziehen weiter“, warnt Weiß. Viele scheiterten schon am System: weil Akademiker nicht als Hochqualifizierte behandelt werden, sondern als Flüchtlinge,Ehepartner oder – im besten Fall – als Studierende. Dabei, sagt Prof. Anja Weiß, „haben wir hier nennenswerte Zuwanderung von Hochqualifizierten. Das Problem ist, dass sie häufig nicht als solche erkannt und behandelt werden.“